Ärzte sind keine Manager

Cool Cats: Ärzte sind keine Manager.
Cool Cats: Ärzte sind keine Manager. Foto: Jörg Lippmeyer

Seit jeher erschöpfen sich die Universitäten in der Hatz auf die Studenten, um sie bei eventuellen Lücken ihres medizinischen Fachwissens zu erwischen. Die Masse dieser Wissenslücken sind für die Gesundheit des Durchschnittsdeutschen völlig irrelevant. Dass aber diese Studenten irgendwann einmal Fähigkeiten als Unternehmer benötigen, um ein ärztliches Praxisunternehmen welcher Rechtsform auch immer wirtschaftlich führen, entwickeln und organisieren zu können, scheint bis an die Universitäten noch nicht durchgedrungen zu sein. Insbesondere aus dem Fachbereich Allgemeinmedizin ist mir nicht bekannt, dass er relevante Themen des Praxisalltags, wie Qualitäts- und Zeitmanagement, wirtschaftliche Unternehmensführung oder Personalführung vermittelt.

Dr. Gerd Dunkhase von Hinckeldey.
Dr. Gerd Dunkhase von Hinckeldey. Foto: Wolfgang Quickels

Die Folge: Wenn Ärzte sich in einer Praxis niederlassen, sind sie in unternehmerischen Fragen Amateure. Sie haben keinen blassen Schimmer von notwendigen Inhalten eines Gemeinschaftspraxisvertrages. Sie wissen nichts über die rechtliche und ärztliche Gestaltung von von größeren und entsprechend leistungsfähigeren medizinischen Versorgungsinstitutionen, seien es nun Großpraxen oder medizinische Versorgungszentren (MVZ). Jeder Handwerksmeister versteht im Vergleich zu Ärzten ein vielfaches von Buchführung und Betriebsführung.

Für die kosteneffiziente Versorgung der Bevölkerung mit medizinischen Leistungen wird man aber auf Großpraxen, gerade im hausärztlichen Sektor, nicht verzichten können. Weder die Versorgung ländlicher Regionen noch städtischer Problembezirke wird mit den derzeitigen Strukturen auf längere Sicht zu bewerkstelligen sein. Die notwendigen Einrichtungen werden organisatorisch hochkomplex sein, sie werden somit ein hohes Maß an unternehmerischen Fähigkeiten erfordern.

Wie sollen Ärzte derartige Unternehmen organisieren und weiter entwickeln, wenn man sie zwar mit medizinischen Spitzfindigkeiten vollstopft, ihnen aber jedwede unternehmerische Basiskompetenz vorenthält? Oder will man sie ersetzen durch Wirtschaftswissenschaftler, die zwar unternehmerisch versiert sind, bei denen aber der Sinn für medizinische Zwänge und ärztliche Ethik unterentwickelt ist? Unsere frühere Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hat 2003 mit großem Tamtam die MVZs ins Leben gerufen. Es war offensichtlich, dass sie und ihre Parteigänger hofften, das diese „Superpraxen“ alsbald das System dominieren würden. Auch 12 Jahre später fristen sie ein Schattendasein. Der Grund: Ein MVZ ist ein ziemlich komplexes Unternehmen, das die unternehmerische Kompetenz von Ärzten im allgemeinen überfordert.

Ich frage mich auch, ob „Public Health“, also die Gesundheitswissenschaft, sich jemals mit dem Faktum befasst hat, dass mittlerweile mehr als die Hälfte der Mediziner weiblichen Geschlechts sind. Aus dieser Tatsache ergeben sich völlig neue Erwartungen und Ansprüche an die Lebensplanung der Ärzte. Oder wollen wir die Ärztinnen nach teurem Studium dann doch ins Hausfrauenleben abschieben? Es gäbe einen massenhaften Bedarf an ärztlichen Teilzeitstellen, für Frauen ebenso wie Männer. Allerdings werden die derzeitigen Klein- und Kleinstpraxen, seien sie hausärztlich oder fachärztlich ausgerichtet, diesen Bedarf nicht anbieten können.

Wir brauchen ein grundsätzliches Umdenken bei den Fragen der medizinischen Versorgung unserer Bevölkerung, auch und besonders angesichts der Herausforderungen der gegenwärtigen Massenimmigration. Dazu wird man neben massiven Reformen in der Ausbildung der Akteure in allen Ebenen des Medizinbereichs auf Anreize zur Gründung leistungsfähiger Unternehmensstrukturen nicht verzichten können. Der effektivste Anreiz ist nicht der karitative Impetus sondern die Hoffnung auf wirtschaftlichen Erfolg. Der schwerwiegendste Hinderungsgrund ist, nicht zu wissen, wie es gemacht wird.

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