Industrie startet verhalten ins Jahr 2022

Konjunktur-Prognosen der Arbeitgeberverbände Ruhr/Westfalen

Evonik in Herne.
Die Industrie - wie hier als Beispiel das Werk von Chemiefabrikant Evonik - startet laut den Konjuktur-Prognosen im Jahr 2022 verhaltend (Archivbild). Foto: Evonik

Anhaltende Lieferketten- und Logistikprobleme sowie die derzeitige Rohstoff- und Energiekostensituation sind aktuell die größten konjunkturellen Risiken. Das geht aus den Daten der jüngsten Konjunktur-Prognosen der Arbeitgeberverbände Ruhr/Westfalen (AGV) hervor, die am Donnerstag (6.1.2022) bei einem Pressegespräch vorgestellt wurden.

Hauptgeschäftsführer Dirk W. Erlhöfer stellte die Trends vor, die aus den Befragungen über das erste Halbjahr 2022 der 430 vorwiegend industriell geprägten Mitgliedsunternehmen hervorgingen. Die Teilnahmequote habe mit 18,4 Prozent auf den Niveaus der Vorjahre gelegen.

Tiefpunkt im Frühjahr 2020

So ist nach den Angaben der AGV Ruhr/Westfalen bei der aktuellen Geschäftslage das Vorkrisen-Niveau noch nicht erreicht. Gab es im Frühjahr 2019 noch 88 Prozent Positivmeldungen der Firmen, waren es im Herbst 2021 83 Prozent. Der Tiefpunkt lag im Frühjahr 2020 zum Start der Corona-Pandemie bei im Vergleich sehr niedrigen 48 Prozent.

Dirk W. Erlhöfer.
Dirk W. Erlhöfer, Hauptgeschäftsführer der AGV Ruhr/Westfalen. Foto: Monika Lawrenz, Thomas Stelzmann

Bei den Konjukturtrends sind die Werte der Positivmeldungen bei den wichtigen Punkten wie Umsätze (65 auf 73 Prozent), Geschäftslage, Aufträge aus dem In- sowie Ausland und Investitionen aus dem In- und Ausland gestiegen - jedoch seien sie weiter unter Aufschwung-Niveau, sagt Erlhöfer.

Chemie-Industrie hat sich verschlechtert

„Bei der Gesamtwirtschaft für Chemie sowie Metall und Elektro stagniert die Erholung, auch hier ist das Vorkrisen-Niveau noch nicht erreicht“, erläutert der Hauptgeschäftsführer. „Die Chemie-Industrie hat sich sogar verschlechtert, obwohl sie sonst immer weit oben mit dabei war.“

Die Prognose für die Gesamtwirtschaft beläuft sich im Herbst 2021 für das Jahr 2022 auf 67 Prozent. „All diese Parameter deuten eher auf Stagnation als auf Aufschwung hin“, sagte AGV- Hauptgeschäftsführer Dirk W. Erlhöfer. „Wer gedacht hätte, dass die Industrie 2022 endlich durchstartet, wird sich gedulden müssen. Dafür haben die Unternehmen derzeit mit zu vielen Unwägbarkeiten zu kämpfen. Die Stimmung ist nicht ungetrübt“, so Erlhöfer weiter.

Mehr Personal soll eingestellt werden

Immerhin: Gefragt nach den geplanten Personalmaßnahmen melden die befragten Unternehmen im Mittleren Ruhrgebiet und in Westfalen positive Zahlen. Knapp ein Drittel (38 Prozent) der Unternehmen planen Neueinstellungen, betriebsbedingte Entlassungen sind kaum ein Thema (vier Prozent). Knapp ein Fünftel plant aktuell Mehrarbeit. „Die Beschäftigungsprognosen einschließlich der Prognosen für das Ausbildungsangebot sehen gut aus. Ich hoffe, die Lieferketten- und Logistikprobleme lösen sich nach und nach auf, sodass die Unternehmen ihre Produktionsabläufe wieder vernünftig planen können“, so Erlhöfer weiter.

Mit Sorge blickt Erlhöfer auf die sich verschärfende Energiepreisspirale. „Davon sind auch unsere Mitglieder mit zum Teil sehr hohen Energiebedarfen betroffen. Mit der Abschaltung weiterer Atomkraftwerke zum Jahreswechsel rückt dieses Thema verstärkt in den Fokus. Die Politik muss vom Reden ins Handeln kommen und die gesellschaftlich gewollte Energiewende endlich anpacken, statt immer nur über CO2-Einsparziele zu sprechen“, so Erlhöfer. Die Wirtschaft – und insbesondere die energieintensive Industrie – benötige gesicherte Energielieferungen zu wettbewerbsfähigen Preisen, mahnte Erlhöfer.

Zusammengefasst sei die Dynamik 2021 erfreulich, aber nicht nachhaltig. Der Aufstieg aus dem tiefem Tal sei offenbar gestoppt, aber jedenfalls verlangsamt.

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