Ramadan - der islamische Fastenmonat

Die Ditib Moschee an der Mont-Cenis-Straße 15 während des Mittagsgebet zu Ramadan. 28.4.2021
Die Ditib Moschee während des Mittagsgebet zu Ramadan - auf Abstand bedacht. Foto: Carola Quickels

Für rund 1,8 Milliarden Muslime weltweit begann am Dienstag (13.4.2021) der Fastenmonat Ramadan, der eine der fünf Säulen des Islam ist. Die Säulen, die zu den wichtigsten Geboten gehören, sind: das öffentliche Glaubensbekenntnis, das tägliche Gebet, die soziale Spende, die Pilgerfahrt nach Mekka – und eben das Fasten im Ramadan. Ibrahim Baltaci (37), der seit November 2020 an der Spitze des Herner Integrationsrates steht, erklärt im halloherne-Gespräch, was Ramadan für Muslime bedeutet, welche Regeln es gibt und was es mit dem religiösen Brauch auf sich hat.

Der neute Monat

Die Ditib Moschee an der Mont-Cenis-Straße 15 während des Mittagsgebet zu Ramadan. 28.4.2021
Die Ditib Moschee an der Mont-Cenis-Straße. Foto: Carola Quickels

Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Kalender. Er gilt als der heiligste aller Monate, da während des Ramadans dem Propheten Mohammed der Koran offenbart wurde. Im Ramadan sollen alle Tore des Paradieses geöffnet, die Hölle geschlossen und die Teufel angekettet werden. Gute Taten werden von gläubigen Muslimen zwar das ganze Jahr über verlangt, im Ramadan gehören sie allerdings zu den Pflichten. Wer sich jetzt Allah durch besonders gute Taten nähert, wird so belohnt, als wenn er in den anderen elf Monaten 70 Pflichten erfüllen würde. Der Lohn ist in jedem Fall das Paradies.

Fasten, eine Pflicht

Nichts essen und nichts trinken, 30 Tage lang, vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang, das ist für jeden erwachsenen Muslime, der nicht krank ist oder sich nicht auf Reisen befindet eine Pflicht. Als erwachsen gilt, wer die Pubertät erreicht hat. Kinder werden durch das Vorleben der Muslime an die Säulen herangeführt. Laut dem Koran soll das Fasten beginnen, wenn die erste Neumondsichel (Hilal) nach dem Neumond gesichtet wird. In der Sure 2, Vers 187 heißt es: „... esst und trinkt, bis ihr in der Morgendämmerung einen weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden könnt.“

Ibrahim Baltaci, Vorsitzender des Integrationsrates der Stadt Herne. 22.4.2021
Ibrahim Baltaci, Vorsitzender des Integrationsrates der Stadt Herne. Foto: Carola Quickels

Ibrahim Baltaci erklärt was es mit dem Fasten auf sich hat: „Es soll uns zu Gott bringen, unsere Seelen festigen, uns dem Wesentlichen näher bringen, Bescheidenheit lehren, uns geduldiger machen und uns zur Weisheit führen. Wenn dem Körper von außen keine Nahrung mehr zugeführt wird, ist er ganz auf sich gestellt und nicht damit beschäftigt, das Zugeführte zu verarbeiten.“ Führende Islamwissenschaftler, Gelehrte, Herrscher und Ärzte seien befragt worden, wie man am besten zur Weisheit gelange. Die Antwort sei bei allen gleich gewesen: „Durch Fasten.“

Iftar in Pandemiezeiten

Datteln zum Fastenbrechen.
Datteln zum Fastenbrechen. Foto: Stefan Kuhn

Nach dem Untergang der Sonne wird das Fasten mit der Iftar gebrochen - mit dem gemeinsam Mahl der Familie und Freunden, das mit dem Essen von Datteln beginnt. Damit soll die Verbundenheit und das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt werden. „Wer im Ramadan einem anderen die Iftar zubereitet, dem werden seine Sünden vergeben und er wird von der Hölle befreit“, erklärt Ibrahim Baltaci. „Normalerweise treffen wir uns zur Iftar und zum nächtlichen Gebet. Wir erleben jetzt aber den zweiten Ramadan während der Pandemie. Und wieder werden wir die Iftar nur im Familienkreis feiern können. Das ist schade, aber es geht nicht anders. Ich werde mit meinen Eltern am Tisch essen und wir werden uns unterhalten.“

Sefer Ucar von der Ditib-Gemeinde an der Mont-Cenis-Straße erklärt beim halloherne-Besuch: „Während der Pandemie öffnen wir die Moschee zu Ramadan nicht am Freitagabend. Gerade am Freitag ist es in den Zeiten vor Corona immer sehr voll gewesen und wir sind nach dem Gebet hier im Hof noch lange beisammen gewesen", schwärmt Ucar. Der Hof sei mit Zelten und Tischen bestückt worden und gemeinsam hätte man die Iftar am Freitagabend verbracht. „Nun sitzen die Menschen mit der Familie ihres Haushalts zu Hause und beten im Familienkreis", bedauert nicht nur Sefer Ucar. Aber die Angst vor einer Ansteckung sei einfach sehr groß.

Die Ditib Moschee an der Mont-Cenis-Straße 15 während des Mittagsgebet zu Ramadan. 28.4.2021
Die Ditib Moschee an der Mont-Cenis-Straße. Foto: Carola Quickels

Laut Baltaci stammt das Wort Ramadan von den Worten „Ramda“ und „Ramadun“ ab. Ramda bedeutet Regen: „Der Regen hat im Islam eine große Bedeutung, reinigt er doch die Erde vom Staub, der am Ende des Sommers die Erde bedeckt.“ Ramadun bedeutet: „Das Glühen der Steine, durch die extreme Hitze der Sonne. Durch das Fasten werden die Sünden verbrannt und von uns gespült.“

Reinigung von Körper und Seele

So sollen Muslime in dieser Zeit besonders darauf achten, nicht zu sündigen, nichts Schlechtes zu reden und sich von vermeintlichen Abhängigkeiten zu befreien. Es sei eine gute Zeit, um sich intensiver mit Gebeten und dem Lesen des Korans zu beschäftigen. Eine Zeit, in der der Glauben gestärkt und die inneren Ruhe erlangt wird.

So ist auch die Sadaka, die soziale Spende, fest in dieser Zeit verankert und eine Pflicht: Menschen, denen es finanziell nicht so gut geht, werden in dieser Zeit mit Spenden bedacht. Davon würden beiden Seiten profitieren, nicht nur der Beschenkte: „Der Mensch, der spendet, bekommt ein reines Gewissen und kommt so Allah näher“, erklärt Baltaci. „Die Sadaka ist ein Geld-Spende und sollte so bemessen sein, dass sich der Beschenkte davon zwei Mahlzeiten am Tag kaufen kann. Im Augenblick sind das 10 Euro.“

Mal im Winter, mal im Sommer

Da der Ramadan nicht nach dem greorianischen Sonnenkalender, sondern nach dem islamischen Mondkalender, der weniger Tage hat, berechnet wird, verschiebt sich das Datum von Jahr zu Jahr. „So dauert es in etwa 36-37 Jahre, bis wir ein Jahr durch haben“, erklärt Baltaci

Ramadan-Fest

Hinweisschild an der Moschee.
Hinweisschild an der Moschee. Foto: Stefan Kuhn

Am Ende des Ramadan steht das dreitägige Ramadan-Fest, vielen eher bekannt als Zuckerfest. Jetzt wird es auch Zeit, die Almosensteuer des Fastenbrechens (Fitre), an die Bedürftigen zu entrichten, die ebenfalls zu den Pflichten gehört. Baltaci: „Das Ramadan-Fest bedeutet das Ende der Fastenzeit und wird über drei Tage begangen. Wir feiern, weil wir gefastet haben, zur Ruhe gekommen sind und uns gegenseitig behilflich waren.“

Kinderzeit

Ibrahim Baltaci kann sich noch sehr gut an den Ramadan seiner Kinderzeit erinnern: „Es war alles geprägt von einer großen Euphorie, die auch uns Kinder angesteckt hat. Die letzte Mahlzeit vor Sonnenaufgang (Sahur) haben alle gemeinsam eingenommen und Mama hat alle gefragt 'Was wollt ihr essen?'. Es wurde noch jede Menge getrunken, damit wir einigermaßen gut über den Tag kamen. Wir Kinder wuchsen in die sozialen Aspekte des Ramadans automatisch rein. Kultur fängt eben zu Hause an. Ich muss jedem Menschen immer behilflich sein - besonders natürlich im Ramadan.“

Das lässt sich seine Mama auch in Corona-Zeiten nicht nehmen. Sie kocht immer mehr und schickt ihren Sohn zur Tür des „bio-deutschen“ Nachbarns: „Geh bitte und frage Mike, ob er schon was gegessen hat. “

Öffnet euere Herzen

Das Öffnen der Türen des Paradieses ist ein Symbol für das Öffnen der Herzen und des Hauses - für Familie, Freunde, Nachbarn und Kollegen. „Allerdings kann dies in der Corona-Zeit nur sehr eingeschränkt stattfinden“, bedauert Ibrahim Baltaci. Es fehlen die sozialen Kontakte und gemeinsamen Gebete in den Moscheen, die zwar geöffnet sind, aber durch die Abstandsregeln weniger Platz böten. Am Eingang steht alles zur Desinfektion bereit, und jeder Betende ist gehalten seinen eigenen Gebetsteppich mitzubringen. Baltaci: „Allerdings bleiben viele der älteren Gläubigen der Moschee fern. Wir hoffen, dass wir gemeinsam Corona bald in den Griff bekommen, denn es geht nur gemeinsam."

Inshallah - So Gott will.

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