'Heilige Familie' setzt ein Segens-Zeichen

Regenbogenfahne an Kirchentür

Die Regenbogenfahne an der Kirche der Gemeinde Hl. Familie, sie weht als Symbol der gleichgeschlechtlichen Liebe und der Geschlechterdiversität.
Die Regenbogenfahne an der Kirche der Gemeinde Hl. Familie, sie weht als Symbol der gleichgeschlechtlichen Liebe und der Geschlechterdiversität. Foto: Privat

Nach dem vom Vatikan im März 2021 ausgesprochenen Verbot, homosexuelle Paare zu segnen, haben unterschiedlichste Vertreter der katholischen Kirchen sich mit einer Unterschriftenaktion gegen das Verbot ausgesprochen. Dieses Verbot ist auch für viele Kirchen-Mitglieder nicht nachvollziehbar: Es dürfen Häuser und sogar Fahrzeuge gesegnet werden, aber gleichgeschlechtlichen Paaren soll die Segnung verweigert werden. Autos, Schiffe, Flugzeuge, Tiere, Fahrstühle, Motorräder und sogar Felder dürfen laut Rom den Zuspruch der heiligen katholischen Kirche erhalten - denn darum geht es bei einer Segnung. Zwei liebende Menschen dürfen diesen Zuspruch aber nicht empfangen. Hier sollte die katholische Glaubenskongregation in Rom ihre Empfehlung bitte einmal nachbesser, damit unter den Katholiken nicht mit zweierlei Maß gemessen wird. Zumal es bei einer Segnung nicht um das Sakrament der Ehe geht. Das wiederum wäre der nächste Schritt.

Auch die Mitglieder des Gemeindeausschusses der Kirchengemeinde 'Heilige Familie' in Holsterhausen an der Rottbruchstraße hörten von diesem Verbot, das von dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki verteidigt wurde. Woelki sieht in der Ablehnung eine Stärkung des katholischen Ehe- und Familienverständnisses. Mitglieder des Gemeindeausschusses reagierten auf diese, für sie befremdliche Nachricht, mit einem eindeutigen Statement, das seinen Ausdruck in der Regenbogenfahne an der Kirchentür und in einem Text auf der Seite der Pfarrei St. Christopherus fand. Darin heißt es:

„Vor kurzem erreichte uns die Nachricht, dass die Glaubenskongregation die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren für nicht zulässig hält. Diese Entscheidung ist bei vielen, auch bei uns, dem Gemeindeausschuss Heilige Familie, auf großes Unverständnis gestoßen. Vor dem Hintergrund, dass praktisch jeder beliebige Gegenstand gesegnet werden kann, ist es für uns nicht nachvollziehbar, dass die Verbindung zwischen zwei Menschen, die sich lieben und füreinander Verantwortung übernehmen wollen, nicht den Segen der Kirche erhalten können soll. Dies steht für uns in Widerspruch dazu, dass nach kirchlicher Lehre die Liebe das oberste Gebot ist und Gott alle Menschen gleich liebt. Aus diesem Grund haben wir an unserer Kirche die Regenbogenfahne, Symbol der gleichgeschlechtlichen Liebe und Geschlechterdiversität, aufgehängt. Damit wollen wir ein Zeichen der Toleranz und gegen Diskriminierung innerhalb der Kirche setzen. Wir hoffen, indem wir uns dem überall aufflammenden Protest anschließen, dazu beizutragen, dass ein Umdenken stattfindet.“

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