Mode in Pelze und Leder Wältermann

Ein Geschäft im Wandel

Mode in Pelz und Leder - Wältermann. im Bild: v.l. Klaus Wältermann und der Inhaber Kürschnermeister Edward Chrobok mit seiner Frau Renate Chrobok.
Mode in Pelz und Leder - Wältermann. im Bild: v.l. Klaus Wältermann und der Inhaber Kürschnermeister Edward Chrobok mit seiner Frau Renate Chrobok. Foto: Carola Quickels

Seit 125 Jahren ist das Pelzgeschäft Wältermann eine feste Größe in Wanne, wurde es doch 1895 von Hugo Wältermann gegründet. Von dessen zehn Kindern gingen sieben in die Pelz-Branche. Die vier Kinder von Hugos jüngstem Sohn Rudolf wurden ebenfalls Kürschner-Meister und blieben der Branche treu. Enkel Klaus übernahm 1971, gemeinsam mit Rudi jun., das Geschäft an der Hauptstraße in Wanne Nord - seit 1988 als alleiniger Inhaber. Im halloherne-Gespräch sagt er nicht ohne Stolz: „Wir sind eine richtige Dynastie.“ Ja, nur endete sie ihm Jahr 2017, als mit Kürschnermeister Edward Chrobok sein langjähriger Mitarbeiter und Freund die Geschäfte übernahm - erstmals nach 122 Jahren ein Nicht-Familien-Mitglied. Fortan firmiert das Modegeschäft nun unter dem Namen - Mode in Pelze und Leder Wältermann.

Klaus Wältermann, der immer wieder im Geschäft anzutreffen ist, ist froh darüber, dass es weitergeht: „In der heutigen Zeit einen Nachfolger zu finden, das ist wie ein Sechser im Lotto.“ Und ihm ist die Freude darüber anzusehen. „Die Bereitschaft guten Service zu leisten, für die Kunden dazusein und eine Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen, das ist etwas, was Edward Chrobok beherrscht“, schwärmt Klaus Wältermann über seinen Nachfolger. Im Normalfall gäbe es für die Kunden immer einen Kaffee oder auch mal ein Gläschen Sekt, aber in Zeiten des Lockdowns sei das leider nicht möglich.

Mode in Pelz und Leder - Wältermann. Klaus Wältermann und der Inhaber Kürschnermeister Edward Chrobok mit einer bunt eingefärbten Decke und einem blauen Persianer.
Klaus Wältermann und der Inhaber Kürschnermeister Edward Chrobok mit einer bunt eingefärbten Decke und einem blauen Persianer. Foto: Carola Quickels

Klar habe sich die Einstellung zu Pelzen geändert. Boomte es in den 1960-70er Jahre noch, als der Pelz zum Statussymbol avancierte, gehörte es in den 80er und 90er Jahren zum guten Ton, keine Pelze zu tragen. Heute würde es sich wieder wandeln, sagt Kürschnermeister Edward Chrobok. Es seien die jungen Frauen, die wieder Pelze tragen. Wobei, in der Mehrzahl seien das eher Schaf-, Ziegen- Kanine-oder Lammfelle. „Aber auch hier achten wir auf die Qualität“, sagt Chrobok. „Uns ist es wichtig, dass die Felle und Pelze aus einer artgerechten Haltung kommen. Nur wer gut mit den Tieren umgeht, der ist in der Lage gute Felle zu erzeugen. Züchtung muss über Generationen gehen, auch über Tiergenerationen.“

Edward Chrobok näht auf Maß und auch nach den Wünschen der Kunden. „Es kommen Frauen zu uns, die wollen etwas Schönes. Oft haben sie ein Foto dabei und möchten es so oder so ähnlich haben“, sagt Chrobok, der Mäntel und Jacken in „eigener Regie umarbeitet. Das ist alles kein Problem. Die Kunden schätzen die Nachhaltigkeit der Waren, die angenehme Atmosphäre und unsere Leidenschaft für die Pelze.“ Allerdings sagt er lachend: „Gerne wollen die Kunden den Chic der großen weiten Welt zu Preisen von Wanne-Eickel.“

Re-cycling

Mode in Pelz und Leder - Wältermann. Püschelchen als Taschenschmuck.
Püschelchen als Taschenschmuck-Anhänger. Foto: Carola Quickels

Der Persianer sei in seiner traditionellen Art out. Aber umgestaltet und interessant gemacht, da würden alle Pelze wieder Freunde gewinnen. Klaus Wältermann holt als Beispiel einen kurzen Persianermantel hervor, der jeans-blau eingefärbt und mit einem bunten Innenfutter versehen wurde. Als modisches I-Tüpfelchen bekam der Mantel einen kleinen Umhang aus ebenfalls eingefärbtem Nerz. Für diese Umgestaltung - aus zwei mach eins - ist Kürschnermeister Chrobok verantwortlich. Wältermann: „Er ist ein Virtuose an der Nähmaschine.“ Chrobok ergänzt: „Ja, aber meine Frau, die vollendet die Modelle, in dem sie zum Beispiel die Futter aussucht und einnäht.“

Der Umwelt-Aspekt

Zwei weiterer Beispiel sind große Pelzdecken, eine bunt eingefärbte und eine Nerzdecke. Letztere hat Chrobok aus zwei Nerzmänteln erstellt. „Das sind ja nur Vorschläge,“, erklärt Edward Chrobok. „Die Kunden, die zu uns kommen, werden natürlich über die unterschiedlichsten Möglichkeiten umfassend beraten und informiert. Viele können sich gar nicht vorstellen, was man zum Beispiel aus ungeliebten Erbstücken machen kann.“

Die Nachhaltigkeit der Pelze schätzen nicht nur Chrobok und Wältermann, auch viele Kunden. „Wenn wir die Zinsen der Natur nutzen würden, die uns geschenkt werden, ob wir es wollen oder nicht“, erklärt Klaus Wältermann, „wäre das für die Umwelt auf jeden Fall besser.“ Auf Grund der Überpopulation würden pro Jahr rund 450.000 Füchse geschossen und 250.000 Waschbären. Davon gelangten nur rund 10 Prozent in die Weiterverarbeitung. Wältermann: „Das ist die eigentliche Verschwendung. Dafür wird mit viel Energie und noch mehr Micropartikelchen, die sich dann in den Meeren wieder finden, etwas Polyesterartiges hergestellt, das sich über Jahre nicht abbaut und die Umwelt belastet.“

Mode in Pelz und Leder - Wältermann. Ein Blick in die Männerabteilung.
Mode in Pelz und Leder - Wältermann. Ein Blick in die Männerabteilung. Foto: Carola Quickels

Natürlich sei auch beim Gerben der Felle Chemie im Spiel, aber auch da würde sich schon etwas tun. Edward Chrobok holt eine dicke Kladde mit Leder-Proben hervor und zeigt, dass auch die Lederhersteller nicht auf der Stelle treten. Anwendung findet schon das Vegetabele-Verfahren, dabei würde mit Rhababer-Wurzeln gegerbt. Das sei im Augenblick noch zu teuer, aber das werde sich bestimmt weiterentwickeln.

Rooming-In

Neben Jacken und Mänteln hat sich Kürschnermeister Chrobok heute ans Rooming-In gemacht - den Pelz für zu Hause. Aus den Pelzen und Fellen werden Kissen, Decken, Sofakissen, Schonbezüge, Handy-Taschen, Taschenschmuck und auch Mundschutze genäht. Letztere dienen als extravagante Überzüge der 'normalen' Mund-Nasen-Schutze.

Beide Freunde sind sich einig: „Reich können wir in dieser Branche nicht werden, aber uns verbindet eine Leidenschaft für die Pelze.“ Und das würden ihre Kunden auch spüren, die nicht nur aus Herne und dem gesamten Ruhrgebiet kommen, sondern auch aus der Schweiz, aus Frankreich oder aus San Diego.

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