Schutzmasken aus syrischer Hand

Eine kleine Geschichte einer Flucht

Ezeddin Alabdou: Syrischer Fahrer bei HospiTrans näht Mundschutze.
Ezeddin Alabdou: Syrischer Fahrer bei HospiTrans näht Mundschutze. Foto: Privat

Ezeddin Alabdou (40) wohnt mit seiner Familie - Frau und fünf Kinder - seit Juli 2017 in Herne und ist seit zwei Monaten als Fahrer bei der Firma Hospitrans beschäftigt. Seine Geburtsstadt ist Al-Hasaka, die Hauptstadt des Gouvernements al-Hasaka in der Dschazira-Region im Nordosten von Syrien, an der Grenze zur Türkei. Hier bekämpfen sich Kurden und die syrische Armee. Diese Geschichte von Ezeddin Alabdou beginnt eigentlich damit, dass er um seine - und um die Sicherheit seiner Familie - bangte. So fasste er vor rund fünfeinhalb Jahren den Entschluss, seinen Geburtsort zu verlassen und sich auf die Reise nach Europa zu begeben.

Ezeddin Alabdou: Syrischer Fahrer bei HospiTrans näht Mundschutze.
Ezeddin Alabdou: Syrischer Fahrer bei HospiTrans näht Mundschutze. Foto: Privat

Seine erste Station war Istanbul in der Türkei. Dort arbeitete der gelernte Schneider rund drei Jahre in seinem Beruf und lebte mit einem Kollegen in einer Wohngemeinschaft auf 60 Quadratmetern zusammen. Für seine Arbeit habe er, bei gleicher Leistung, immer weniger Geld bekommen. „Und auch ansonsten ist das Leben dort sehr schwierig gewesen“, sagt Alabdou. So fasste er den Entschluss nach Deutschland zu gehen, denn hier, im Ruhrgebiet, lebten schließlich Cousinen und Cousin.

So bestieg er im Jahr 2015 in Izmir gemeinsam mit 56 Menschen ein Gummiboot, das sie über das Meer nach Griechenland bringen sollte. Drei Stunden dauerte die Fahrt bei Nacht und bei hohen Wellen. „Das Meer tobte und wir alle hatten große Angst“, erzählt Alabdou, „aber wir sind gesund angekommen.“ Mit dem Flugzeug, der Bahn (fensterlos) und zu Fuß ging seine Reise über Thessaloniki, Mazedonien, Serbien und Wien weiter, bis er nach rund 10 Tagen in München ankam. „Dazwischen verbrachten wir Tage im Wald, waren ohne Essen und Trinken und wurden von Grenzsoldaten geschlagen“, berichtet er über die entbehrungsreiche Zeit. „Einen Freund, der mit uns unterwegs war und nicht mehr laufen konnte, den haben wir abwechselnd getragen.“ In München angekommen lebte er in eine Art Camp, wartete auf seine Familie und lernte währenddessen Deutsch.

Ezeddin Alabdou: Syrischer Fahrer bei HospiTrans näht Mundschutze.
Ezeddin Alabdou: Syrischer Fahrer bei HospiTrans näht Mundschutze. Foto: Privat

Im Juli 2017 zog die gesamte Familie nach Herne, wo Vater Ezeddin im Januar 2020 als Fahrer bei der Firma Hospitrans anfing. Einen Führerschein hatte er zu diesem Zeitpunkt schon nachgemacht, da sein syrischer Führerschein in Deutschland nicht anerkannt wurde. Die Firma Hospitrans ist spezialisiert auf qualifizierte Kranken- und Rollstuhlfahrten und hat somit Tag täglich mit kranken Menschen zu tun. Und in Zeiten wie diesen, werden auch hier täglich Mundschutze benötigt, die im Augenblick für alle Bedarfe nicht mehr zu bekommen sind.

Ezeddin Alabdou: Syrischer Fahrer bei HospiTrans näht Mundschutze.
Ezeddin Alabdou: Syrischer Fahrer bei HospiTrans näht Mundschutze. Foto: Privat

Das rief den Schneider Ezeddin Alabdou auf den Plan. „Chef“, rief er zu Klaus Möllmann, „ich bin doch Schneider und kann für die Firma Mundschutze nähen.“ Gesagt getan. Der Chef kaufte eine Nähmaschine, besorgte Stoffe und die Nähanleitung, die gab es im Internet. Seitdem lässt Alabdou morgens und abends, jeweils zwei Stunden, die Nähmaschine rattern und produziert Mundschutz um Mundschutz - dazwischen sitzt er als Fahrer hinter dem Lenkrad und trägt dabei? - Rrrrrichtig seine selbst genähten Mundschutzte.

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