Der Anker des Pestschiffes

Der Anker wird aufgestellt.
Der Anker wird aufgestellt. Foto: Patrick Mammen
Objektträger mit Pesterreger.
Objektträger mit Pesterreger. Foto: Patrick Mammen

„Ist der Pest-Erreger noch gefährlich?", fragte eine Journalistin am Montag (5.8.2019) im Archäologie-Museum in Herne. „Nein, natürlich nicht, der ist sterilisiert", antwortete Dr. Stefan Leenen, Wissenschaftlicher Referent des LWL-Museums für Archäologie - und hustete grinsend. Die Journalistin trat erschrocken zurück. Der Objektträger mit dem Erreger ist Teil der Ausstellung PEST!, die von Freitag, 20. September 2019, bis Mai 2020 im Archäologie Museum zu sehen sein wird.

Am Montag wurde das größte Ausstellungsstück angeliefert und aufgestellt, der Anker des Schiffes Grand Saint Antoine, das die Pest 1720 nach Marseille brachte. „Den Transport aus Marseille und das Aufstellen im Archäologie-Museum hat eine Firma aus Düsseldorf übernommen, die sich auf den Transport von Kunst- und Museums-Ausstellungsstücken spezialisiert hat", erläuterte Stefan Leenen. Das mit 3,60 mal 2,10 Meter größte und ca. 1,2 Tonnen schwere Objekt der Ausstellung ist im Foyer des Museums aufgestellt und empfängt dort die Besucherschaft der Ausstellung. „Das Exponat zeigt die Geschichte der Pandemie auf einzigartige Weise“, so die Museumsleiterin Dr. Doreen Mölders.

Der Anker wird geborgen.
Der Anker wird geborgen. Foto: ARHA Marseille/M. Goury

Der Anker wurde 1978 bei unterwasserarchäologischen Untersuchungen in der Bucht von Marseille entdeckt, wo das Schiff einst versenkt wurde. In den 1980ern wurde er schließlich geborgen und zunächst in Meerwasser aufbewahrt, um seine Zersetzung durch Rost zu verhindern. Erst 2012 wurde der Anker restauriert und im Musée dHistoire in Marseille ausgestellt. In Herne wurde er von der Mannschaft der Firma per Hubwagen auf einen speziellen Ständer bugsiert und vorsichtig ausgepackt.

Anker in der Pestausstellung.
Anker in der Pestausstellung. Foto: Patrick Mammen

Die Grand Saint Antoine hatte nur als unbedenklich eingestufte Häfen angelaufen, bevor sie nach Marseille kam. Dennoch starben auf der Fahrt einige Besatzungsmitglieder und Passagiere. Doch die Diagnose war zunächst, dass es sich um ein Fieber handeln würde, nicht um die Pest. Darum wurde das Handelsschiff von französischen Beamten zunächst nur 30 Tage in Quarantäne geschickt. Weitere Krankheits- und Todesfälle unter der Besatzung ließen jedoch erahnen, dass die Ursache mehr als nur ein Fieber war.

Der Anker wird geborgen.
Der Anker wird geborgen. Foto: ARHA Marseille/M. Goury

Zwei Jahre lang wütete die Krankheit, erst dann galt sie als besiegt. Auf Befehl des französischen Königs waren das Schiff und seine Waren in der Zwischenzeit verbrannt worden. Nach ausführlichen Befragungen, Untersuchungen und langer Beobachtung durfte die Besatzung bereits im Januar 1721 die Insel Jarre verlassen. Den Kapitän sprach man vom Verbrechen frei und entließ ihn 1723 aus dem Gefängnis.

Der jüngste Ausbruch der Pest war 2017 auf Madagaskar. Innerhalb der Ausstellung PEST! beleuchtet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die dramatische Geschichte des Schwarzen Tods. Anhand von rund 300 archäologischen, historischen und kulturgeschichtlichen Exponaten aus der ganzen Welt präsentiert die Ausstellung die tiefgreifenden Folgen der Seuche auf die Gesellschaft.

v.l. Dr. Doreen Mölders, Dr. Stefan Leenen.
v.l. Dr. Doreen Mölders, Dr. Stefan Leenen. Foto: Patrick Mammen
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