Zentrale Pflegefachschule wagt Experiment

EvK-Auszubildende leiten eine Station

Experiment geglückt: Schüler übernahmen für drei Wochen die Leitung einer Station.
Experiment geglückt: Schüler übernahmen für drei Wochen die Leitung einer Station. Foto: EvK

Ein Erfahrungsbericht von Ausbildungsbetreuerin Nicole Speckmann: Ganz bewusst hatten wir für unser Schüler-Projekt zwei verschiedene Ausbildungskurse mit unterschiedlichem Ausbildungsstand ausgewählt, insgesamt 13 männliche und weibliche Auszubildende mit den unterschiedlichsten Vorerfahrungen. Sie sollten für drei Wochen eigenverantwortlich die Station 15 im Evangelischen Krankenhaus Castrop-Rauxel übernehmen. Eine chirurgische Station mit 19 Betten, aufgeteilt auf 10 Patientenzimmer.

Die Reaktionen der Schüler waren sehr verhalten, es gab Unsicherheiten und natürlich auch viele Fragen. Wir sprachen offen über Ängste und Wünsche und realisierten noch Schulungen zu unterschiedlichsten Themen Reanimation, Notfallmanagement oder auch Wundversorgung, unsere Auszubildenden sollten gut vorbereitet in das Projekt starten. Das (Schüler)- Stationsteam entsprach der Klinikrealität. Es gab Stationskräfte, eine Stationsleitung, eine Stellvertretung und zwei Praxisanleiter, die aus den eigenen Reihen gewählt wurden.

Experiment geglückt: Schüler übernahmen für drei Wochen die Leitung einer Station.
Experiment geglückt: Schüler übernahmen für drei Wochen die Leitung einer Station. Foto: EvK

Mit Hilfe der Ausbildungsbetreuung wurde der Dienstplan für die Zeit des Projektes erstellt und die Azubis in drei Schichten eingeteilt. Viele der Auszubildenden hatten sich mittlerweile ihre Gedanken gemacht und kamen mit guten Vorschlägen, wie man das Eine oder Andere umsetzen kann. So wurde zum Beispiel eine Presse AG gegründet, um über unser Projekt zu berichten.

Am Sonntag (31.8.2020) ging es endlich los. Neben einer Krankenhausführung und einer Führung über die Station 15 bekamen die Auszubildenden am ersten Tag noch eine Auffrischung im Thema Wunden und Wundversorgung. Organisatorisches wurde geklärt (Spindschlüssel, Dienstkleidung und auch Parkkarten wurden organisiert ), das „alte“ und das „neue“ Stationsteam lernten sich kennen und Pflegedirektorin Beate Schlüter, Yvonne Löffler als stellvertretende Pflegedienstleitung, Schulleiter Martin Hückelheim und Verwaltungsdirektor Gerhard Glock begrüßten uns im EvK Castrop-Rauxel und wünschten uns für unser Projekt viel Erfolg.

Am Montag (1.9.2020) war dann der offizielle Projektstart und die Azubis hatten das Zepter für 18 Tage in der Hand und übernahmen die Station. Sie waren nun für alles zuständig, was anfiel. Für die Organisation der Arbeit, die Pflege der Patienten, die Absprachen im multiprofessionellen Team, die Dokumentation, die Bestellungen....Natürlich waren sie zu keinem Zeitpunkt völlig auf sich gestellt. In jedem Dienst war ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin der Ausbildungsbetreuung oder der hauptamtlichen Praxisanleitungen anwesend, dazu mindestens ein examinierter Mitarbeiter der Station, um zu beobachten und zu unterstützen.

Der Start war, wie es zu erwarten, wenn Menschen zum ersten Mal in einer neuen Funktion zusammen treffen, etwas chaotisch. Trotzdem fanden alle schnell in ihre Rolle und aus Schülern, Ausbildungsbetreuern und Examinierten Kräften der Station wurde ein großes Team. Alle waren positiv überrascht, wie gut es lief und wie schnell sich das neue Team zusammen fand.

Die Kollegen des Stationsteams freuten sich darüber, wie motiviert, lernbegierig und gut vorbereitet die Auszubildenden waren. Sie hatten für die Auszubildenden jederzeit ein offenes Ohr und unterstützten, wo sie nur konnten und wo es gewünscht war.

Experiment geglückt: Schüler übernahmen für drei Wochen die Leitung einer Station.
Experiment geglückt: Schüler übernahmen für drei Wochen die Leitung einer Station. Foto: EvK

Viel Lob gab es von den Patienten. Sie fanden das Projekt toll und fühlten sich jederzeit sicher und gut aufgehoben. Gleichzeitig waren sie darüber erstaunt, dass die Auszubildenden die Station und den Ablauf so gut im Griff hatten und man gar nicht bemerkte, dass die Station von Auszubildenden geleitet wurde. Schnell bekam das Team von einem Patienten den Spitznamen „die Zauberlehrlinge“. Solch ein positives Feedback motivierte natürlich noch mehr.

Auch die Chefärzte, Oberärzte und Stationsärzte der Abteilung standen fest hinter dem Projekt. Die Schüler konnten jederzeit Fragen zu ihren Patienten oder zu Anordnungen stellen und wurden auch in den OP eingeladen. Obwohl die Station in drei feste Bereiche aufgeteilt wurde, halfen sich alle gegenseitig. Zwischendurch gab es Besprechungen, um festzustellen, in welchem Bereich noch Hilfe benötigt wurde. Nach jeder Übergabe reflektierten alle gemeinsam den vergangenen Dienst, um zu sehen, ob man Abläufe optimieren könnte oder sollte.

Egal, ob eine Notfallsituation, eine Reanimation oder eine Apothekenbegehung, die Auszubildenden stellten sich jeder neuen Herausforderung und meisterten sie am Ende auch. Als sich die 2. Woche des Projektes dem Ende neigte, ließen Auszubildende und Examinierte die vergangene Projektzeit ein erstes Mal Revue passieren und kamen sehr schnell zu dem einhelligen Schluss: Schade, dass das Projekt so bald schon endet!

Experiment geglückt: Schüler übernahmen für drei Wochen die Leitung einer Station.
Experiment geglückt: Schüler übernahmen für drei Wochen die Leitung einer Station. Foto: EvK

Als das Projekt tatsächlich endete, fand noch eine letzte Übergabe an den Spätdienst statt und dann wurde es emotional. Von den Auszubildenden gab es als Dankeschön für das Stationsteam einen großen Korb mit Süßigkeiten. Aber auch die Schüler gingen nicht leer aus. Zusätzlich zu all den Erfahrungen, die sie in den knapp drei Wochen mitnehmen konnten, erhielten sie als „Pioniere“ eines neuen Ausbildungsprojekts Blumen von Pflegedirektorin Beate Schlüter sowie Cornelia Lüdeke und Yvonne Löffler als Pflegedienstleitung und Stellvertretung. Sie hätten kaum stolzer sein können.

Das Fazit: Alle waren begeistert, wie gut das Projekt in die Tat umgesetzt wurde. Für die Auszubildenden war es das „Beste, was ihnen passieren konnte“, die Ausbildungsbetreuung freute sich über die gelungene Umsetzung und darüber, um wie viel gestärkter und selbstsicherer die Auszubildenden aus dem Projekt heraus gegangen sind. Auch Pflegedirektorin Beate Schlüter freute sich über den Verlauf. „Ich freue mich darüber wie Bolle“, sagte sie spontan und kündigt schon mal an, dass das sicher nicht das letzte Projekt dieser Art gewesen sein wird. Und die Station 15? Sie stellte sich sofort und ohne zu zögern für eine erneute Teilnahme an einem solchen Projekt zur Verfügung. Ein größeres Kompliment konnten die erfahrenen Pflegeprofis dem Nachwuchs nicht machen.

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