Wanda, mein Wunder

Optimistischer Start ins Kinojahr 2022

Vereintes Europa in der neutralen Schweiz: „Wanda, mein Wunder“ beschert einen herzerfrischend-optimistischen Start ins Kinojahr 2022.
Vereintes Europa in der neutralen Schweiz: „Wanda, mein Wunder“ beschert einen herzerfrischend-optimistischen Start ins Kinojahr 2022. Foto: X Verleih

Eine Busladung polnischer Frauen, die in Familien aushelfen wollen, wird nach vierstündiger Verspätung von den künftigen eidgenössischen Arbeitgebern mit Blumen empfangen. Auch Wanda (bezaubert alle auf der Leinwand wie im Kinoparkett: Agnieszka Grochowska), die sich für ein Gehalt von 9.500 Schweizer Franken für drei Monate verpflichtet hat, die Familie Wegmeister-Gloor samt Vierbeiner Mephisto zu unterstützen. Vor allem soll sie sich um den bettlägerigen Senior Josef (grandioses Schlitzohr: André Jung) kümmern, aber auch, so seine Gattin Elsa (Marthe Keller), „das bisschen Haushalt“ der idyllisch an einem See gelegenen Villa erledigen.

„Schön, aber tot“: Sohn Gregor (Jacob Matschenz), der noch mit unter dem elterlichen Dach wohnt, sammelt ausgestopfte Tiere. Nach Abschluss seines Ingenieurstudiums hat er die Leitung der väterlichen Baustoff AG übernommen, während die mit dem beruflich stark geforderten Manfred (Anatole Taubman) verheiratete ehrgeizige Tochter Sophie (Birgit Minichmayr), welche ein Angebot aus New York bekommen hat, nur zu besonderen Anlässen bei der Familie vorbeischaut. Wanda, mittels Babyphone mit Josef rund um die Uhr verbunden, hat die mit körperlicher Schwerstarbeit verbundene Aufgabe angenommen, um daheim in Polen ihre beiden Söhne versorgen zu können.

Wanda, mein Wunder: Die Warschauer Theater- und Filmschauspielerin Agnieszka Grochowska glänzt in der Titelrolle. Auf der Berlinale 2007 erhält sie den Europäischen Filmpreis „Shooting Star“.
Wanda, mein Wunder: Die Warschauer Theater- und Filmschauspielerin Agnieszka Grochowska glänzt in der Titelrolle. Auf der Berlinale 2007 erhält sie den Europäischen Filmpreis „Shooting Star“. Foto: X Verleih

Weshalb sie ihrem plötzlich sehr agilen Patienten gegen gute Bezahlung auch Sonderwünsche erfüllt, und das nicht nur zu seinem 70. Geburtstag, den er im Bett verbringt, während Elsa seine Tischrede vor zwei Dutzend geladenen Gästen halten muss. Wanda, für die auch Gregor immer stärkeres Interesse zeigt, der sie zum sichtlichen Verdruss seines Vaters zu einer nächtlichen Bootspartie auf dem See einlädt, ist nicht unzufrieden mit ihrem Fulltime-Job, dem sie nur in den frühen Morgenstunden beim Baden im See entkommt. Zumal sie mit ihren bei den Großeltern lebenden Kindern Jakub (Iwo Rajski) und Tomasz (Bruno Rajski) regelmäßig per Skype verbunden ist. Weil Sophie sie zu Unrecht verdächtigt hat, das heimlich vom Vater für besondere Dienstleistungen gezahlte Geld gestohlen zu haben, erwirbt Bruder Gregor als Wiedergutmachung eine prächtige Milchkuh für Wandas Eltern. Und sorgt dafür, dass Vater Pawel Kowalski (Cezary Pazura) das wertvolle Tier auch erhält.

Bald lässt sich Wandas Schwangerschaft nicht mehr verheimlichen. Wer ist der Vater des Kindes? Jedenfalls ein Angehöriger der Familie Wegmeister-Gloor, soviel scheint festzustehen. Josef kann plötzlich wieder auf eigenen Beinen stehen – und muss von seinem Sohn aus dem See gezogen werden, in den ihn die eifersüchtige Ehefrau gestoßen hat. Wanda würde sich gern dem Vaterschafts-Streit durch Rückkehr nach Polen entziehen, doch ihr Erzeuger Pawel will keinen „dritten Balg“ großziehen. Und plötzlich winken ihr 50.000 Schweizer Franken für ihren Verzicht auf den Erbanspruch des (noch) Ungeborenen!

„Die sind nicht verrückt. Die sind Familie!“: Bettina Oberlis warmherzige Komödie, dessen überraschendes wie grandios-familienfreundliches Finale nach 110 Minuten hier nicht verraten wird, ist bereits am 15. April 2020 beim Tribeca Festival in New York uraufgeführt und ausgezeichnet worden. Nach der Eröffnung des 16. Zürich Festivals am 25. September 2020 sollte „Wanda, mein Wunder“ ursprünglich Mitte Dezember 2020 in unsere Kinos kommen, coronabedingt hat sich der Start nun auf den 6. Januar 2022 verschoben. Wer sich einen mitreißend-optimistischen Start ins neue Jahr gönnen und sich von einem hochkarätigen Schauspielerensemble bestens unterhalten lassen möchte, ist in folgenden Kinos unserer Region an der richtigen Adresse: Casablanca und Union in Bochum, Astra und Lichtburg in Essen sowie Bambi in Düsseldorf.

Autor: