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Sie sind häufig ein Problem vor Schulen: Elterntaxis. Dabei hilft es Kindern, wenn sie selbstständig Schulweg zurücklegen, zum Beispiel zu Fuß oder per Rad. Die Stadt möchte nun mit einem Arbeitskreis an allen 41 Schulen individuell prüfen, wie Verbesserungen möglich sind.

Arbeitskreis entwickelt Möglichkeiten für mehr Verkehrssicherheit

Stadt sagt Elterntaxis an Schulen den Kampf an

Verstopfte Straßen, Kinder die zwischen Autos auf die Fahrbahn laufen, zu wenig Fahrradstellplätze und vieles mehr: Diese Hindernisse und Gefahren, die oftmals an Herner Schulen durch sogenannte Elterntaxis ausgelöst werden, sollen in der nahen Zukunft verringert und bestenfalls vermieden werden. Deshalb hat sich im Auftrag des Rates kürzlich der „interfraktionelle Arbeitskreis zur Förderung der Mobilität und Verkehrssicherheit an Schulen“ gebildet und zum ersten Mal getagt.

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An diesem Treffen nahmen neben mehreren Ratsfraktionen vor allem Vertreter der städtischen Fachbereiche Schule und Weiterbildung, Tiefbau und Verkehr und der Öffentlichen Ordnung teil, aber auch Experten der Polizei und der HCR – insgesamt 35 Leute tauschten sich am Freitag (12.4.2024) zwei Stunden lang aus. Einstimmiges Echo: An den Schulen, aber auch möglicherweise an den Kindergärten und Kitas, muss etwas passieren, daher wollen alle anpacken.

Zusammenarbeit mit Bauingenieuren der HS Bochum

Das soll so funktionieren: Die Verwaltung möchte zunächst vier Schulen – welche genau und auch welche Schulformen, steht noch nicht fest – aussuchen, an denen erste Veränderungen erprobt werden. Bis 2026 oder 2027 sollen alle der 41 Schulen dann durch sein und ein neues Mobilitätskonzept haben. Dabei hilft der Fachbereich Bau- und Umweltingenieurwesen des Instituts für Mobilität und Verkehrssysteme der Hochschule Bochum unter der Leitung von Prof. Iris Mühlenbruch.

Frank Michalowski aus dem Büro Andreas Merkendorf kündigt flächendeckende Elternhaltestellen an.

Sie habe bereits einen interessanten Vortrag über die Kinder- und Jugendmobilität gehalten. Helfen sollen auch Studierende in Bachelor- und Masterstudiengängen: Als ein Praxisbeispiel können sie sich, möglicherweise als wissenschaftliche Mitarbeiter der Stadt, für ihre Abschlussarbeiten mit gezielten Schulen auseinandersetzen und Verbesserungen ausarbeiten.

Plädoyer für einen Weg zu Fuß, per Rad oder ÖPNV

„Der zunehmende Verkehr an Schulen fällt uns nicht auf die Füße, sondern fährt uns über die Füße“, betont Schuldezernent Andreas Merkendorf. „Kinder sind nach einem Fußweg aufnahmefähiger. Gleiches gilt für eine selbstständige Mobilität, entweder per Fahrrad oder per ÖPNV. Daher wollen wir schon in den Grundschulen damit anfangen – erst ab den weiterführenden Schulen ist es zu spät.“

In der Vergangenheit habe sich Erfolg nur zu Aktionstagen oder -wochen eingestellt (halloherne berichtet) oder wenn es entsprechende Elterninitiativen oder engagierte Schulleitungen gab, berichtet der Stadtrat. Doch spätestens, wenn die Kinder die Schule wechseln, hört das Engagement auf, so zum Beispiel, sagt Merkendorf, an der Schillerschule. Ein negatives Beispiel für die aktuelle Situation sei das Pestalozzi-Gymnasium am Harpener Weg. „Hier ist morgens regelmäßig ein Verkehrskollaps zu beobachten“, sagt Merkendorf.

Rund 50 Prozent werden im Winter per Pkw zur Schule gebracht

In der dunklen Jahreszeit sei es an allen Herner Schulen noch schlimmer als im Sommer – kalte Temperaturen und Niederschlag würde dazu führen, dass mehr Autos mit Schülern ankommen, um sie abzusetzen. Analysen einer Bochumer Grundschule von 2017 zeigen folgende Zahlen: 33 Prozent der Schüler wurden im Sommer mit dem Auto gebracht, im Winter 50 Prozent - bei einer Grundschule also rund 150 von 300 Schülern. Der Anteil der Fußgänger sank im Winter von 45 auf 36 Prozent.

Zwar nur eine Aktionstag, aber ein Anfang: Der autofreie Vormittag an der Grundschule Josefschule. Den Kindern wurde gezeigt, wie sie auch ohne Auto sicher zur Schule kommen können - dafür wurde die Straße vor der Schule für einige Stunden gesperrt (Archivbild).

Ähnliche Zahlen für Herne erwartet Frank Michalowski aus dem Büro von Merkendorf. „Daher wollen wir hier Verbesserungen herbeiführen. Das Thema hat die Verwaltung auch schon länger auf der Agenda, zum Beispiel wurden einige Elternhaltestellen eingerichtet (halloherne berichtete). Diese wollen wir nun flächendeckend anlegen“, kündigt Michalowski an.

Eine weitere Möglichkeit sind sogenannte Elterntaxistraßen. „Allerdings ist eine Sperrung der Straße das letzte Mittel.“ Dies könne wenn per Schranke, Pylonen oder über Verkehrszeichen geschehen – jedoch müsse man auch immer an die Anwohner denken. Klar sei aber bereits jetzt: Jede Schule muss einzeln betrachtet und bewertet werden.

Anreize zum Verzicht auf Elterntaxis schaffen

Tanja Wasmuth, Leiterin des Fachbereichs Schule und Weiterbildung, ergänzt: „Wir müssen schauen, was Anreize bietet, auf Elterntaxis zu verzichten. Wichtig ist, dass die Schulen die Veränderungen auch umsetzen. Vielleicht können die Kinder selbst auch ihre Eltern dazu motivieren, umzudenken.“

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Allerdings brauche das alles Zeit. Der Arbeitskreis selbst wird drei bis vier Mal pro Jahr tagen, erste Umsetzungen von Ideen könnten im Frühjahr 2025 starten. Dennoch sind die Verantwortlichen motiviert, Verbesserungen einzuleiten. Sie sind sich einig: „Wir möchten etwas Nachhaltiges schaffen und keinen Aktionismus betreiben.“

So sieht es an vielen Schulen morgens aus: Hier eine frühmorgendliche Kontrollaktion an der Grundschule Jürgenshof an der Langforthstraße (Archivbild).
| Autor: Marcel Gruteser
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