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Ein Tiny Forest bei der Entstehung und Pflanzung der Sträucher - hier bei Zichow (Brandenburg) in der Uckermark.

Verwaltung soll Konzept für Fläche am Emsring erstellen

Sodingen: Linken plädieren für 'Tiny Forest'

Die Fraktion der Linken in der Bezirksvertretung (BV) Sodingen möchte im Stadtteil für mehr Grünflächen sorgen. Laut eines Antrages, den Bezirksbürgermeister Mathias Grunert auf die Tagesordnung für die Sitzung am Mittwoch, 25. Januar 2023, um 17 Uhr setzen soll, schwebt der Linkspartei ein sogenannter „Tiny Forest“ (zu dt. Kleinwald oder Mikrowald) am Emsring, Ecke Werftstraße vor.

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Laut Definition ist es ein angepflanzter Wald auf einer relativ kleinen Fläche mit einer großen Dichte. Ziel solcher Neuanpflanzungen ist, in urbanen Räumen auf kleinen Flächen möglichst vielfältige, schnell wachsende und sich selbst erhaltende Habitate anzulegen und dadurch eine Verbesserung der Umweltsituation zu erreichen.

Mögliche Fördergelder überprüfen

Dabei überrascht, dass die Linken das nicht etwa erst einmal in der BV besprechen wollen, sondern direkt die Verwaltung bitten wollen, ein Konzept zur Errichtung zu erstellen. „Bei der Bepflanzung soll insbesondere berücksichtigt werden, klimaresiliente und für die Artenvielfalt besonders wertvolle Baum- und Sträucherarten zu verwenden. Der Tiny Forest soll harmonisch an den Gehölzrand südlich der Grünfläche anschließen, der diese von den Einfamilienhäusern auf der Werftstraße abtrennt“, heißt es von Kreissprecher Patrick Gawliczek im Antrag dazu. Ferner soll die Verwaltung beauftragt werden, zu prüfen, welche Fördergelder dazu zur Verfügung gestellt werden können, in einer der kommenden Sitzungen sollen dann die Ergebnisse vorgestellt werden.

Auch in Melle (Niedersachsen) in der Nähe von Osnabrück wurde ein Tiny Forest gepflanzt.

Zur Begründung heißt es von der Linken-Fraktion: „Die Grünfläche am Emsring, Ecke Werftstraße war bereits mehrfach Thema der Bezirksvertretung. Nachdem der Stadtrat das Grundstück aus dem Wohnentwicklungsplan herausgenommen hat und die BV Sodingen den Vorentwurf der Verwaltung zur Weiterentwicklung der Grünfläche vom 30. März 2022 abgelehnt hat, ist die zukünftige Nutzung dieser Wiese ungewiss. Hier gilt es eine Lösung zu finden, die sich positiv auf die Lebensqualität im Quartier Emsring auswirkt und ökologischen Aspekten wie der Artenvielfalt und Klimafolgenanpassung Sorge trägt. Dazu schlagen wir die Errichtung eines sogenannten Tiny Forest als kleine grüne Oase im Stadtgebiet vor.“

Auch in Belgien, den Niederlanden und Japan zu finden

Laut den Linken seien Tiny Forests ein Konzept, welches sich immer mehr in urbanen Räumen weltweit etabliert. Häufig wären sie in Belgien, den Niederlanden oder auch Japan zu finden. Die Umsetzung könne laut der Linken eine Strahlkraft haben, um weitere Projekte an anderen Stellen in Herne und im Ruhrgebiet anzustoßen. „Wichtig für das Gelingen eines solchen Projektes ist die Miteinbeziehung der Nachbarschaft in Planung, Pflanzung und Pflege des Tiny Forest“, heißt es. Dadurch würde auch der Zusammenhalt im Quartier gestärkt.

Auch wenn der Antrag der Linken nun relativ überraschend kommt und auch die Wahl des Standortes mit ordentlich Grün in der Nähe Fragen aufwirft – andere Stadtteile haben weniger Grünflächen und Wälder sowie Bäume in der Nähe, ist die Fläche nicht das erste Mal Gegenstand von Überlegungen. Auch die Bezirksfraktionen der CDU sowie SPD hatten 2020 und 2021 bereits ähnliche Vorschläge gemacht. Jedoch ist nun im Falle der Linken auch der Umstand überraschend, dass die Verwaltung direkt ein Konzept erstellen soll und andere Flächen gar nicht erst zur Diskussion gestellt werden.

Bezirksbürgermeister Grunert (SPD) möchte sich auf Nachfrage von halloherne im Vorfeld der Sitzung der BV nicht zum Sachverhalt äußern, um möglichen Diskussionen nicht vorzugreifen und weil noch nicht alle Parteien den Antrag kennen. Die Tagesordnung wird noch erstellt und ist noch nicht öffentlich einsehbar. Es wird sich auch noch zeigen, ob die Linken auch für die anderen Stadtbezirke „Tiny Forests“ planen.

| Autor: Marcel Gruteser