Ruhrfestspiele: Macht und Mitgefühl

Herner Renegade ist dabei

Ruhrfestspiele 2020: Intendant Olaf Kröck (m.) und Chefdramaturg Jan Hein (r.) mit den Programm-Mitarbeiterinnen Anne Liebtrau, Lilja Kopka und Janine Ahmann.
Intendant Olaf Kröck (m.) und Chefdramaturg Jan Hein (r.) mit Programm-Mitarbeiterinnen Anne Liebtrau, Lilja Kopka und Janine Ahmann. Foto: Pitt Herrmann

Recklinghausen. Bei den Ruhrfestspielen, die wie gewohnt am 1. Mai 2020 (Freitag) mit einem großen Kulturvolksfest rund um das Festspielhaus auf Recklinghausens Grünem Hügel starten, ist das Herner Renegade Theatre eingeladen worden, Christian „Robozee“ Zacharas' Choreographie „Robozee vs. Sacre“ zweimal zu zeigen. Für Produktionsleiter und Renegade-Chef Zekai Fenerci nicht nur ein Prestigegewinn, sondern zugleich auch ein Ansporn, bei der Herner Politik eine adäquate eigene Spielstätte einzufordern.

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Renegade-Chef Zekai Fenerci. Foto: Stefan Kuhn

Unter dem diesjährigen Motto „Macht und Mitgefühl“ stehen vom 1. Mai bis zum 13. Juni 2020 insgesamt 90 Produktionen mit rund 220 Veranstaltungen auf dem Programm, davon vier Uraufführungen, eine Premiere und sieben Deutschland-Premieren. Genutzt werden wieder zahlreiche Spielstätten über das Ruhrfestspielhaus hinaus, so die Halle König Ludwig 1/2 in Recklinghausen Süd und das Theater Marl, aber auch die Recklinghäuser Innenstadt und die Christuskirche. „Im Mai kommt die Welt vorbei“ heißt es auf den Werbeplakaten der zweiten Spielzeit des Intendanten Olaf Kröck: Beteiligt sind mehr als 760 Künstler aus rund zwanzig verschiedenen Ländern.

Erste große internationale Koproduktion ist „Tao of Glass“ von Philip Glass und Phelim McDermott, die Deutschlandpremiere findet am 3. Mai 2020 statt, drei weiteren Aufführungen folgen. Spektakulär geht’s weiter mit den Deutschlandpremieren „Why?“, der neuen Arbeit des 95-jährigen Peter Brook aus Brüssel (ab 4. Mai) und „Die Jakobsbücher“ nach dem 1.200-seitigen Roman der Nobelpreisträgerin Olga Tokarczukin aus Warschau (ab 21. Mai). Premiere feiert am 15. Mai Werner Wölbern als Dorfrichter Adam in Lisa Nielebocks Kleist-Inszenierung, eine Koproduktion mit dem Schauspiel Hannover. Zu den Schauspiel-Stars, die nach Recklinghausen kommen, gehören Lars Eidinger, Stefanie Reinsperger, Ulrich Matthes, Wolfram Koch, Constanze Becker, August Diehl, Judith Engel, Nico Holonics und Sophie Rois.

Ruhrfestspiele 2020: Spektakulärer Auftakt: „Tao of Glass“.
Ruhrfestspiele 2020: Spektakulärer Auftakt: „Tao of Glass“. Foto: Tristram Kenton

Zwei absolute Highlights markieren den hohen Stellenwert des Tanzes: Anne Teresa De Keersmaeker, die größte lebende Choreographin, stellt ihre weltweit gefeierte Arbeit „Rain“ vor – live mit 18 Musikern unter anderem an vier Flügeln. Eine solche logistische Meisterleistung können der belgischen Ausnahmekünstlerin nur wenige Gastgeber bieten. Und noch eine Deutschlandpremiere, deren Uraufführung erst im Mai 2020 in Athen über die Bühne geht: ein neuer Tanzabend von Dimitris Papaioannou (ab 11. Juni). In der Literatur setzen die Ruhrfestspiele die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Denis Scheck fort. Eingeladen sind heuer Saša Stanišić, Christoph Ransmayr und Judith Schalansky, es lesen unter anderem Barbara Nüsse, Caroline Peters, André Jung und Devid Striesow.

Auch der Neue Zirkus wartet mit einer Uraufführung auf: „Sacre“ des Circa Contemporary Circus aus Australien. Erstmals gibt es eine Kooperation mit der „Fidena“, dem renommierten Figurentheaterfestival aus Bochum: drei Produktionen, darunter zwei Deutschlandpremieren, werden im Theater Marl bzw. im Festspielzelt gezeigt. Ein theatrales Porträt von drei Frauengenerationen aus Arbeiterfamilien im Ruhrgebiet und in Niederschlesien feiert unter dem Titel „Arbeiterinnen / Pracujące kobiety“ als Koproduktion mit werkgruppe2, Schauspiel Essen und Teatr Polski Breslau am Donnerstag, 28. Mai, im Kleinen Haus seine Uraufführung. An einer weiteren wirkt die Herner Opernsängerin und Schauspielerin Kerstin Pohle im Rahmen des Bochum Kainkollektivs mit: „Gaia-Projekt. Eine Cyborg-Oper“ (ab Freitag, 5. Juni).

Der Film ist seit jeher ein Nischengenre der Ruhrfestspiele. Am Samstag, 9. Mai, aber wird – in Anwesenheit des Regisseurs Bernhard Sinkel – ganztägig zwischen 12 und 23 Uhr der TV-Vierteiler „Väter und Söhne“ aus den späten 1980er Jahren im Multiplexkino Cineworld gezeigt. Wenn danach Gesprächsbedarf herrscht, kann dieser am Sonntag, 10. Mai, um 11 Uhr in der Reihe „Reden mit...“ in der Bar 42 im Ruhrfestspielhaus befriedigt werden. Die nunmehr 70. Kunstausstellung präsentiert mit Mariechen Danz die bisher jüngste Bildende Künstlerin in der Kunsthalle am Recklinghäuser Hauptbahnhof, Vernissage ist am Samstag, 2. Mai, um 17 Uhr. Zudem beziehen die Ruhrfestspiele die zweite Ausgabe des „Ruhr Ding“ von Urbane Künste Ruhr, die sich auch in Herne dem Thema Klima widmet mit Projekten, Skulpturen und Installationen im öffentlichen Raum, mit ein. zum Programm-Download

Live-Musik gibt’s unter anderem von Markus Stockhausen zusammen mit der WDR Big Band und dem WDR Funkhausorchester, von Chilly Gonzales, den Tiger Lillies und Jan Plewka. Im Bereich Kabarett sind unter anderem Sven Pistor, Storno und Idil Baydar zu sehen. Über das Kinder- und Jugendtheaterprogramm hat Halloherne bereits ausführlich berichtet. Der Kartenvorverkauf für die Ruhrfestspiele 2020 beginnt am Freitag, 31. Januar, um 9 Uhr in der Kartenstelle an der Martinistraße 28 in Recklinghausen, unter Tel 0231 – 92 180 oder auf der Homepage. Alle Tickets gelten erstmals als Fahrkarten für den gesamten Verkehrsverbund Rhein-Ruhr.

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