Pluto für die Ewigkeit

Wasserhaltung auf Pluto.
Der Förderturm auf Pluto ist und bleibt das Wahrzeichen. Foto: Stadt Herne, Thomas Schmidt

Auch wenn in Herne und Wanne-Eickel schon seit Jahrzehnten keine Zeche mehr in Betrieb ist, wird hier ein Herzstück des Steinkohlebergbaus bleiben – voraussichtlich für immer. Die Wasserhaltung ist eine der drei Ewigkeitsaufgaben der RAG. Auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Pluto entsteht derzeit die neue Leitwarte, von der aus die Wasserhaltung für das gesamte Ruhrgebiet und auch für die Zechen am Rhein, in Ibbenbüren und im Saarland gesteuert wird.

„Wasserhaltung ist keine neue Aufgabe. Seit 150 Jahren, seit es Bergbau unter Tage gibt, müssen wir Wasser pumpen. So lange eine Zeche in Betrieb ist, natürlich um keine nassen Füße zu bekommen. Wenn die Zeche stillgelegt ist, darf das Grubenwasser nicht zu hoch steigen, damit es sich nicht mit dem Grundwasser vermischt“, erklärt RAG-Bereichsleiter Stefan Roßbach. Mindestens 150 Meter Abstand müssen zwischen dem Grundwasser und dem Grubenwasser bleiben, denn im Grubenwasser sind oft Stoffe gelöst, die nicht ins Trinkwasser gelangen dürfen.

Wasserhaltung auf Pluto.
Das Ruhrgebiet ist in verschiedene Wasser-Provinzen unterteilt. Foto: Stadt Herne, Thomas Schmidt

Neu ist allerdings die Höhe, bis zu der das Grubenwasser ansteigen darf. Musste es bisher auf 1000 Metern unter Normalnull bleiben, wo die Bergleute gearbeitet haben, darf es nun bis zu 600 Meter unter Normalnull ansteigen. Der Grund dafür ist, dass in den Halterner Sanden das Trinkwasser in 400 Metern Tiefe beginnt. Mit Hilfe der sogenannten Tauchmotorkreiselpumpentechnik wird das Grubenwasser daran gehindert, höher zu steigen. „Seit wir Schächte graben, ist noch nie Grubenwasser ins Trinkwasser gekommen“, sagt RAG-Direktor Dirk Ostermann. Selbst wenn eine Pumpe ausfallen sollte, würde es Monate dauern, bis das Grubenwasser dem Trinkwasser gefährlich nahe käme. Damit das so bleibt, wird die Technik aus Pumpen, Sensoren und Software auf den neuesten Stand gebracht.

Wasserhaltung auf Pluto.
Stefan Roßbach erklärt, wie in Zukunft Wasser gepumpt wird. Foto: Stadt Herne, Thomas Schmidt

Bisher haben auch in stillgelegten Zechen Bergleute gearbeitet. „Es ist wie ein kleines Bergwerk ohne Förderung. Und wenn sich die Förderung schon nicht mehr rentiert, dann rentiert sich eine Grube ohne Förderung erst recht nicht“, erklärt Ostermann. Von Grubengebäuden, die instand gehalten werden mussten, über Sicherheitstechnik, Bewetterung bis hin zur Grubenwehr halten derzeit 700 Bergleute alle Funktionen aufrecht. In Zukunft soll keiner mehr unter Tage gehen. Stattdessen werden die Pumpen von der Oberfläche aus gesteuert und gewartet.

Wasserhaltung auf Pluto.
Hier laufen Daten aus den Schächten und Stollen ein. Foto: Stadt Herne, Thomas Schmidt

Nach und nach, bis zum Jahr 2021, werden die alten Schächte verfüllt. Dazu wird unten im Schacht eine Plattform aus Stahl eingebaut, die ihn von den Stollen trennt und verhindert, dass Flüssigkeit oder Gase durchdringen können. Dann werden senkrechte Hüllrohre eingezogen, in denen die Pumpen arbeiten und das Wasser nach oben drücken. Damit der Schacht verschlossen ist, wird der Schacht drum herum mit Beton verfüllt. Für Wartung oder Reparaturen werden die Pumpen in den Rohren nach oben gezogen.

Wie die Pumpen arbeiten, kontrollieren die Mitarbeiter der Leitwarte von Pluto aus. „Hier schlägt das digitale Herz der RAG“, so Roßbach. Auf einer Reihe großer Monitore ziehen Zahlenkolonnen durch das Bild, rote und grüne Balken. Hier überwachen die Mitarbeiter unter anderem die Menge des Wassers, das die Pumpen fördern, die Drehzahl, das Tempo, in dem das Wasser fließt. Sobald ein Wert nicht mehr in Ordnung ist, informieren die sogenannten Leitwartenfahrer ihre Kollegen, die das Problem beheben. Um die komplexe Technik auch in Zukunft zu überwachen, wird derzeit auf Pluto eine neue Leitwarte gebaut. Eine verbesserte Software soll alle Daten übersichtlich darstellen. Wie genau, können die Leitwartenfahrer mit entscheiden.

Wasserhaltung auf Pluto.
Hier laufen Daten aus den Schächten und Stollen ein. Foto: Stadt Herne, Thomas Schmidt

Außer dem ewigen Pumpen des Grubenwassers gibt es noch zwei weitere Ewigkeitsaufgaben: Das Poldern und die Reinigung von Grundwasser. Wer im Norden von Herne an der Emscher steht, wird sehen, dass das Land hinter dem Deich tiefer liegt als die Oberfläche der Emscher. Hier ist der Boden durch den Bergbau abgesackt. Damit das Ruhrgebiet nicht zu einer großen Seenlandschaft wird, müssen Polderpumpen permanent durchsickerndes Wasser zurück in die Emscher leiten.

Die dritte Aufgabe für die Ewigkeit betrifft ehemalige Industriestandorte, zum Beispiel von Kokereien. An einigen Stellen ist der Boden so stark mit Schadstoffen belastet, dass das Grundwasser dort gereinigt werden muss, damit es die Gifte nicht verteilt. Auch für diese Aufgabe ist kein Ende abzusehen.

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