OP-Roboter hilft nun im EvK Herne

Innovative Spitzentechnik erhält Einzug ins Krankenhaus

Chefärztin Luljeta Korca, Chefarzt Prof. Dr. Matthias Kemen und Chefarzt Dr. Erich Hecker (v.l.) und ihre neueste OP-Technik: Roboter HUGO.
Chefärztin Luljeta Korca, Chefarzt Prof. Dr. Matthias Kemen und Chefarzt Dr. Erich Hecker (v.l.) und ihre neueste OP-Technik: Roboter HUGO. Foto: Volker Beushausen

Roboter sind mittlerweile in vielen deutschen Operationssälen auf dem Vormarsch. Das spiegelt sich auch in der stetig anwachsenden Zahl der Medizintechnik-Anbieter, die immer differenziertere Programme präsentieren können. „Nach langer Überlegung haben auch wir nun ein System gefunden, das alle in unserem Haus überzeugt, die ihre chirurgischen Eingriffe zukünftig mit Hilfe eines Robotik-Systems durchführen möchten“, sagt Dr. Erich Hecker, Ärztlicher Direktor des EvK Herne, in einer Mitteilung von Dienstag (26.7.2022).

Als Chefarzt der Thoraxchirurgie gehört er ebenso zu den beteiligten Fachdisziplinen wie Luljeta Korca, Chefärztin der Frauenklinik, und Prof. Dr. Matthias Kemen, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Die entstandenen Investitionskosten belaufen sich auf 1,6 Mio. Euro.

Standort in Eickel

Hugo heißt der neue OP-Kollege, der in dem aufwändig umgebauten OP-Zentrum am Standort Herne-Eickel seinen Platz erhält. Hugo ist ein System, das von der irischen Medizintechnik-Firma Medtronic entwickelt wurde und nun am EvK Herne als bundesweit erster Klinik in Betrieb genommen wird. „Vorteil dieses Systems gegenüber vergleichbar anderen ist, dass es eine taktile Komponente hat“, stellt Prof. Dr. Matthias Kemen fest.

Während der Operateur z.B. beim Schieben von Gewebe oder beim Vernähen von Fäden bei allen anderen Robotik-Systemen nur durch optisches Abschätzen die richtigen Abstände oder den richtigen Druck erahnen muss, bietet Roboter Hugo die Möglichkeit, das Gewebe nicht nur zu sehen, sondern auch einen Berührungskontakt zu spüren. Dadurch ergibt sich für den Operateur eine ähnlich authentische Arbeitssituation, als stehe er wie bei den herkömmlichen Techniken persönlich am OP-Tisch.

Einsatz bei Tumoren

Zum Einsatz kommt Hugo vor allem, wenn es um die Operation von Tumoren geht. Ob Lungenkrebs, Enddarmkrebs, Speiseröhrenkrebs, Gebärmutterschleimhaut- oder Gebärmutterhalskrebs sowie Beckenbodenchirurgie, hier stellt Hugo eine bedeutende Weiterentwicklung dar. „Um möglichen Ängsten entgegenzuwirken, ist es wichtig zu wissen, dass diese Technik nur als Assistenz eingesetzt wird und niemals selbständig arbeitet. Nach wie vor bleibt der Operateur derjenige, der die entsprechenden Aktionen ausführt, auch wenn er an einem Monitor sitzt und nicht direkt am OP-Tisch steht“, erklärt Chefärztin Luljeta Korca die praktische Umsetzung.

Für Dr. Erich Hecker ist die neue Technik ein weiterer Schritt in Richtung Perfektionierung des Organisationsergebnisses. „Schon heute können wir darauf stolz sein, dass die Komplikationsrate bei unseren chirurgischen Eingriffen weit unter den Vorgaben der jeweiligen Fachgesellschaften liegt. Mit Einsatz der Robotik streben wir nun eine Rate gegen Null an“, sagt der Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie. Dr. Heckers Klinik ist von der Firma Medtronic als weltweit erstes Ausbildungszentrum für Robotik in der Thoraxchirurgie ausgewählt worden.

Wichtiger Faktor für den Nachwuchs

„Dies ist ein wichtiger Faktor für den ärztlichen Nachwuchs“, betont Prof. Dr. Matthias Kemen, der am EvK Herne als PJ-Koordinator Ansprechpartner für Medizinstudenten ist. Gemeinsam mit Dr. Hecker wird er junge Ärzte in der Robotik ausbilden. Bei beiden Chefärzten treffen eine langjährige praktische chirurgische Erfahrung mit umfangreichen Fachkenntnissen in der offenen Chirurgie, der minimalinvasiven Chirurgie und jetzt auch noch in der Robotik zusammen. Das Gleiche gilt für Chefärztin Luljeta Korca, die ebenfalls auf eine langjährige Erfahrung im Bereich sowohl der offenen als auch der minimalinvasiven gynäkologischen Chirurgie zurückblickt.

Robotik ist in der Chirurgie die medizinische Technik der Zukunft. Davon ist Heinz-Werner Bitter, Geschäftsführer der Ev. Krankenhausgemeinschaft, überzeugt. Seiner Meinung nach bedeutet die Einführung der Robotik für die Chirurgie einen ähnlichen Quantensprung wie vor rund 20 Jahren die Einführung der minimalinvasiven Operationstechnik. „Deshalb war es für uns auch aus strategischer Sicht keine Frage, den Weg für eine solche Innovation frei zu machen“, erklärt der Geschäftsführer.

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