Neu im Kino: Die Agentin

Internationaler Spionage-Thriller

Martin Freeman und Diane Kruger.
Martin Freeman und Diane Kruger. Foto: Kolja Brandt/Weltkino

Über ein Jahr lang hat Mossad-Kontaktmann Thomas Hirsch (Martin Freeman), ein in Leipzig lebender australischer Jude, der zum inneren Kreis des israelischen Militär-Geheimdienstes Mossad gehört, nichts mehr von seiner Agentin Rachel Currin (Diane Kruger) gehört. Da erhält er beim Joggen an der Weißen Elster plötzlich einen kryptischen Anruf von ihr aus Tel Aviv. Ihr Vater sei gestorben, und das schon zum zweiten Mal. Dann legt sie auf.

Umgehend wird Thomas zu einem Krisentreffen in einer sicheren Wohnung in Köln beordert. Der Geheimdienst ist alarmiert, denn als ehemalige Mossad-Spionin verfügt Rachel, eine Frau ohne familiäre Wurzeln, die überall und nirgends zuhause und eher zufällig in Israel gelandet ist, wo sie sich dem Geheimdienst anschloss, über brisantes Insiderwissen. Mit großem Einfühlungsvermögen und echten Gefühlen, die bald in aufrichtiger Liebe gipfelten, hatte Thomas, Sohn einer deutschen Mutter, die in einem israelischen Kibbuz arbeitet, Rachel auf immer gefährlichere Missionen schicken können.

Zuletzt in den Iran, wo sie in Teheran als Englischlehrerin eine perfekte Tarnung genoss. Weil sich Rachel rasch voll akklimatisierte, die Stadt und die Menschen liebgewann. Und selbst so viel Vertrauen erweckte, dass sie an der Seite junger, westlich orientierter Iraner eintauchen konnte in eine bunte, offene Parallelwelt zum reaktionären Gottesstaat des Mullah-Regimes. Fast zwangsläufig hat sich Rachel in eine Zielperson verliebt, Farhad Razari (der kanadische Bühnen- und Filmschauspieler Cas Anvar).

Es geht um einen Elektronik-Deal des Unternehmens, dem Razari angehört. Unter Umgehung der Boykottregelungen der USA und anderer westlicher Staaten soll Material für die iranische Atomwirtschaft ins Land geschmuggelt werden. Der Mossad will auf dem Weg dorthin die bestellten Güter mit kaputter Ware austauschen, sodass Iran den Schaden hat. Rachel hat sich nachts einschließen lassen und den Server des Elektronik-Konzerns manipuliert, dass dabei ein Wachmann sein Leben lassen muss, bucht die Agentin als ungewollten Kollateralschaden ab. Aber dann ist sie von Farhad Razari schwanger – und Thomas soll sie möglichst auf den rechten Weg zurückführen...

Die Agentin, eine internationale Koproduktion mit Firmen aus Deutschland, Israel, Frankreich, USA und der Schweiz, die am 10. Februar 2019 im Wettbewerb der 69. Berlinale außer Konkurrenz uraufgeführt worden ist mit Martin Freeman auf dem Roten Teppich, fesselte das Berliner Publikum auch mit der authentischen Sprachvielfalt der Originalfassung, weshalb ich zumindest zur Kinoversion mit deutschen Untertiteln rate. Entstanden ist der Thriller nach dem 2016 erschienenen israelischen Bestseller The English Teacher von Yiftach Reicher Atir, einem ehemaligen Mossad-Mitarbeiter, der aus erster Hand Einblick in die Arbeit global agierender Spionageorganisationen gewähren konnte. Unter dem Filmtitel Die Agentin erscheint das Buch in deutscher Übersetzung am 10. Oktober 2019 bei Zweitausendeins.

In seinem nach Bethlehem, uraufgeführt 2013 auf den Int. Filmfestspielen Venedig und mit zahleichen Auszeichnungen bedacht, zweiten Spielfilm erzählt der gebürtige Israeli und seit langem in New York lebende Drehbuchautor, Regisseur und Produzent Yuval Adler zusammen mit dem renommierten deutschen Team aus Kolja Brandt (Kamera) und Hansjörg Weißbrich (Schnitt) eine geradezu klassische Dreiecksgeschichte: Thomas soll Rachel wieder auf den richtigen Pfad zurückholen – und will sie gleichzeitig vor den Auftragskillern der eigenen Organisation beschützen. Mit Diane Kruger und Martin Freeman hochkarätig besetzt trägt gerade auch der in seiner kanadischen Heimat durch TV-Serien bekannte Shakespeare-Bühnendarsteller Cas Anvar entscheidende Leinwandpräsenz bei zu einem nicht nur durch ständige Verschränkung der Zeitebenen mysteriösen Verwirrspiel um Wahrheit und Berechnung, Loyalität und Liebe. Dass etwa türkische Kurden Rachel darin unterstützen, Bomben gegen das iranische Atomwaffenprogramm über die Grenze zu schmuggeln, erschließt sich mir nicht. Aber was ist schon logisch im Nahost-Konflikt? Deutscher Kinostart des knapp zweistündigen hochspannenden Thrillers ist der 29. August 2019, zu sehen u.a. im Casablanca/Metropolis Bochum.

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