Monsieur Paillot und das Pumpernickel

Reviergeschichte(n) aus dem Leben

Ein starkes Team: Die Bottroper Werner Boschmann und Werner Bergmann.
Ein starkes Team: Die Bottroper Werner Boschmann und Werner Bergmann. Foto: Sabine Hermann

Corona-Zeit ist Schmökerzeit: Zwei Bücher gilt es vorzustellen, die auf reizvolle Art und Weise mit dem Leben unserer Ahnen zwischen Emscher und Ruhr vertraut machen. Monsieur Paillot im Nirgendwo berichtet von den Geschehnissen um einen französischen Gerber und Kaufmann zu Zeiten der Französischen Revolution, der im vorindustriellen Revier mit seiner Familie Zuflucht fand. Die Geschichte machen – Helden und Schurken im Ruhrgebiet von anno dazumal bis heute spannt einen weiten Bogen über Jahrhunderte und zwei Jahrtausende hinweg von mehr oder weniger bekannten Persönlichkeiten, denen die Historie einen Platz in der zweiten Reihe zuwies. Autor und Historiker Werner Bergmann rückt ein wenig zurecht, wie Männer und Frauen „aus der Zweiten Liga“ in ihrem Wirken vor Ort besondere Bedeutung erlangt haben und somit herausragten.

Pierre-Hippolyte-Léopold Paillot, rechtschaffener französischer Bürger und Exilant in Westfalen, schildert in einem Erlebnisbericht so akribisch wie kritisch seine kleinen und großen Abenteuer auf der Flucht vor den Wirren der Revolution in Frankreich. Mitte der 1790er Jahre dauerte sein „Besuch“ in einer bäuerlich-dörflichen und auch klösterlichen Gegend um Huckarde, Hörde und Hagen herum, die den Namen Ruhrgebiet erst viel später bekommen sollte, 16 Monate. Herausgeber dieses sorgsam editierten 90-seitigen Büchleins im Querformat sind die Bottroper Werner Boschmann und Werner Bergmann. Beide der Historik zugetan wollen sie mit diesem Buch „die vielen oft ungewöhnlichen und überraschenden Eindrücke“ Paillots der Vergessenheit entreißen. Dazu gehört auch, man staune, die Vorliebe der Altvorderen am Vorabend des Reviers für schwarzes Brot, das Pumpernickel, und Kaffee als bevorzugtes „Gesöff“. Blicken wir auf die Jetztzeit unserer Gegend, so ist uns das heute noch vertraut. Bergmann hat ein einführendes Vorwort geschrieben, Luc le Gall neu übersetzt und Boschmann beschreibt, wie er dieses authentische Stück Zeitgeschichte während seines Studiums „entdeckte“ (ISBN978-3-942094-34-4).

Werner Bergmann entfaltet auf rund 240 Seiten in Die Geschichte machen ein breit angelegtes und bunt gefächertes Kaleidoskop von Gestaltern und Tüftlern, Kapitalisten und Kulturschaffenden. Wohltäter und „schlimme Finger“, Opfer und Verlierer: Menschen, die hier zwischen Duisburg und Dortmund, Haltern und Hagen Hervorragendes, aber eben auch manchmal Fürchterliches abgerichtet haben. Sachlich-informativ ist Bergmanns Blick, nennt viele Namen. Der apl-Professor für mittelalterliche Geschichte erinnert an Gerhard Mercator, Gustav Heinemann, Gottschalk Diedrich Baedeker und Luise Albertz. Natürlich darf auch ein Toni Turek nicht fehlen. Herausgeben wurde diese Lektüre ebenfalls im Verlag Henselowsky Boschmann (ISBN978-3-942094-2).

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