Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur

Tag des offenen Denkmals in Herne und Umgebung

Die Löwenkirche.
Die Pfarrkirche St. Joseph in Wanne heißt sie nur: Löwenkirche. Foto: Wolfgang Quickels

Am Sonntag, 8. September 2019, steht der jährliche Tag des offenen Denkmals anlässlich des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums unter dem Thema Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur. Bereits seit 25 Jahren koordiniert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz Deutschlands größte Kulturveranstaltung, an der bundesweit rund 8.000 Baudenkmale, Parks und archäologische Stätten besichtigt werden können. Zu den Aktionen gehören in Herne eine Führung im Schloss Strünkede und ein musikalischer Vortrag in der Kapelle im Schlosspark, im benachbarten Bochum etwa ein architektonisches Kleinod: die von Hans Scharoun, der unter anderem das Kulturforum Potsdamer Platz in Berlin baute, entworfene Johannes-Kirche am Glockengarten (Führungen 12-18 Uhr).

Schloss Strünkede

ARTbag-Workshop im Schloss Strünkede
Das Adelsgeschlecht derer von Strünkede. Foto: Carola Quickels

Das Herner Wasserschloss aus dem 16. und 17. Jahrhundert, ein Renaissance-Bau des Adelsgeschlechts Strünkede, hat am 8. September 2019 von 11-17 Uhr geöffnet. Die heimische Kunsthistorikerin Ulrike Most führt durch das Gebäude und die Sammlungen des Emschertalmuseumns. In der gegenüber im Schlosspark von Bernd von Strünkede 1272 errichteten Schlosskapelle greift um 16 Uhr die Sopranistin Jessica Burri das Thema Denkmale musikalisch auf: in Märchen des Mittelalters – Schlösser in Märchen erzählt sie Geschichten und begleitet sich selbst mit Musik, gespielt auf einem sog. Dulcimer.

Flottmannhallen

Flottmannhallen.
Flottmannhallen. Foto: Wolfgang Quickels

Erika Porsch und Falko Herlemann führen um 11 bzw. um 14 Uhr durch die Flottmann-Hallen an der Straße des Bohrhammers in Herne-Süd. Das im späten Jugendstil erbaute fünfschiffige Gebäude ist der noch erhaltene und denkmalgeschützte Teil eines der ehemals größten Zulieferbetriebe des deutschen Bergbaus, der Flottmann-Werke, die bis 1984 Kompressoren und Bohrhämmer fertigten. Seit 1986 wird es von Sportvereinen des Stadtteils sowie kulturell für Ausstellungen und theatrale Veranstaltungen aller Art genutzt.

Kreuzkirche

Zwischen 14 und 17 Uhr öffnet sich die Kreuzkirche am Europaplatz für interessierte Besucher, Ansprechpartner sind im Eingangsbereich zu finden. Sie wurde 1875 geweiht, die Fenster wurden 1951-53 nach Entwürfen des Malers Rudolf Fuchs gestaltet, die Orgel wartet mit historischem Pfeifenmaterial auf. Die Gemeinde offeriert am Tag des offenen Denkmals Kaffee und Kuchen.

Löwenkirche

In der Pfarrkirche St. Joseph an der Hauptstraße 140 in Wanne-Süd beginnt das Rahmenprogramm bereits am Vorabend: Am Samstag, 7. September, wird um 21 Uhr zu einem Abendkonzert in die aufgrund von Berg- und Kriegsschäden abgerissene und 1984 neu erbaute Kirche eingeladen. Ihre klassizistische Schleifladenorgel mit ursprünglich neun Registern stammt aus dem Jahr 1810, der Orgelprospekt mit Pfeifenstockgesims ist aus Eiche. Die vergoldeten Profile, Schleierwerke und Konsolen bilden mit der frühklassizistischen Dekorschnitzerei den dreitürmigen Prospekt. Führungen werden dann am Denkmal-Tag des 8. September 2019 um 14 und 16 Uhr durch H. Knipp und Pfarrer Thomas Horsch angeboten.

Siedlung Teutoburgia

Zechen-Siedlung Teutoburgia.
Zechen-Siedlung Teutoburgia. Foto: Wolfgang Quickels

Durch die Siedlung Teutoburgia in Börnig führt um 11 Uhr Susan Kowalski von der Unteren Denkmalbehörde, Treffpunkt ist die Schlägelstraße. Sie gehört zu den bedeutendsten Zechensiedlungen im Ruhrgebiet. Zwischen 1909 und 1923 erbaut, weist sie die typischen Gestaltungsmerkmale einer Arbeitersiedlung mit gartenstädtischem Charakter auf. Die städtebauliche Gesamtanlage, das architektonische Erscheinungsbild der Wohnhäuser sowie die Grünräume sind bis heute zum Großteil in ihrer historischen Form überliefert.

Von 12 bis 18 Uhr durchgehend geöffnet in die Baukauer St.-Marien-Kirche an der Bismarckstraße. Der neugotische Bau, in der heutigen Gestalt weitgehend ausgeführt in den Jahren 1907-09 nach Entwürfen von Johannes Franziskus Klomp, verfügt über eine sehr kunstvolle Ziegelfassade mit zwei Türmen. Heute ist sie Gemeindekirche der Mariengemeinde in der neu gegründeten Pfarrei St. Dionysius Herne.

Schäferstraße

Mirjana Schiller führt von 12-14 Uhr durch eine für einen Brauereidirektor errichtete Villa an der Schäferstraße 24 in Herne-Mitte. Das sonst nicht öffentlich zugängliche Gebäude bezeugt die Ausformung repräsentativer Bürgerhäuser in Herne in der Zeit um 1900. Die straßenseitige Fassade des zweieinhalbgeschossigen Wohnhauses wurde 1928 grundlegend verändert und ist nun deutlich durch die Gestaltungsmerkmale des frühen Expressionismus geprägt. Im Innern und auf der Gartenseite haben sich die bauzeitliche Jugendstil-Gestaltung sowie einige bauzeitliche, teilweise in grünem Glas ausgeführte Butzenverglasungen erhalten.

Waldschule

Markus Lülf von studyarts führt zwischen 12 und 14 Uhr durch die sonst öffentlich nicht zugängliche Waldschule an der Wiescherstraße 184 in Constantin. Sie wurde als Kleinkindschule um 1907 nebst Beamtenwohnung für die Gewerkschaft Constantin der Große in Bochum erbaut. Das Gebäude diente nicht nur schulischen Zwecken. Im Sockelgeschoss befanden sich Duschräume, die ganz offensichtlich den Einwohnern der angrenzenden Bergarbeitersiedlung zur Reinigung zur Verfügung standen. Nachdem das Gebäude rund 50 Jahre lang als staatliche Grundschule genutzt wurde, beherbergt es seit 2013 die private studyarts Schule.

In der Nachbarstadt Gelsenkirchen kann u.a. die traditionsreiche Glückauf-Kampfbahn an der Kurt-Schumacher-Straße 145 besichtigt werden. Das klassische Fußballstadion mit Spielfeld und einer Zuschauertribüne mit Freistufen entstand 1936 mit 2700 Sitzgelegenheiten sowie symmetrischen Anbauten mit Stehplätzen von 1953. Die Führung beginnt um 14:30 Uhr, Treffpunkt ist am ehemaligen Haupteingang, heute Ernst-Kuzorra-Platz. Um 15 Uhr beginnt eine Führung durch die älteste Kirche Gelsenkirchensm die Evang. Bleckkirche („Kirche der Kulturen“) an der Bleckstraße 56 in Bismarck. Ihr zweijochiger Gewölbesaal stammt von 1735, ihre Erweiterung von 1889. Im Mittelpunkt der Grimberger Altar, ein Steinaltar mit Abendmahlrelief von 1574.

Die Zeche Erin in Castrop-Rauxel.
Die Zeche Erin in Castrop-Rauxel. Foto: Wolfgang Quickels

In Castrop-Rauxel schließlich wird rund um den Hammerkopfturm Erin-Schacht 3 an der Bodelschwingher Straße 3 in Schwerin von 11-18 Uhr ein Turmfest gefeiert mit halbstündigen Führungen durch Christian Schneider und Jürgen Wischnewski. Ab 1889 wurde der Schacht 3 der Zeche Erin abgeteuft, 1929/30 das alte Fördergerüst abgerissen und der von der Dortmunder Zeche Tremonia stammende Hammerkopfturm aufgebaut. Heute ist er das älteste erhaltene Beispiel in Westfalen. Die Fördermaschine befand sich im Hammerkopf über dem Schacht und wurde für Standorte mit geringem Platz und entsprechenden Elektrofördermaschinen entwickelt. Der Hammerkopfturm ist 38 Meter hoch und verfügt heute wie der Teutoburgia-Förderturm in Herne-Börnig über eine Lichtinstallation.

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