Mit OP-Roboter Speiseröhrenkrebs entfernt

Premiere in der St. Elisabeth Gruppe

v.l. Prof. Dr. Dirk Bausch, Direktor der Chirurgischen Klinik des Marien Hospitals. Dr. Sebastian Brinkmann, Oberarzt der Chirurgischen Klinik, entfernten den Speiseröhrenkrebs von Norbert Warzecha (m.) unter Einsatz des Operationsroboters.
v.l. Prof. Dr. Dirk Bausch, Direktor der Chirurgischen Klinik des Marien Hospitals. Dr. Sebastian Brinkmann, Oberarzt der Chirurgischen Klinik, entfernten den Speiseröhrenkrebs von Norbert Warzecha (m.) unter Einsatz des Operationsroboters. Foto: St. Elisabeth Gruppe

Auch bei kleinen Beschwerden zum Arzt gehen kann Leben retten – das hat kürzlich wieder ein Fall im Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum gezeigt. Denn nur so wurden Ärzte der Chirurgischen Klinik auf den Speiseröhrentumor des 64-jährigen Norbert Warzecha aufmerksam. Erstmalig in Herne und in der St. Elisabeth Gruppe konnten Prof. Dr. Dirk Bausch, Klinikdirektor, und Dr. Sebastian Brinkmann, Oberarzt, die Speiseröhre in einem mehrstündigen Eingriff durchgehend roboterassistiert entfernen und durch einen Teil des Magens ersetzen. Heute, etwa zehn Tage nach der OP, kann der Patient wieder einwandfrei in kleinen Portionen essen und trinken.

„Zunächst wird ein Teil des Magens in einen Schlauch umgeformt, der später die Speiseröhre ersetzt“, erklärt Dr. Brinkmann. „Anschließend wird der vom Krebs betroffene Teil der Speiseröhre entfernt und der Schlauchmagen mit dem Rest der Speiseröhre verbunden.“ Doch was so einfach klingt, ist in der Praxis ein kleinschrittiger und vor allem zeitintensiver Eingriff: „Die Entfernung der Speiseröhre ist eine sehr komplexe Operation“, ergänzt Prof. Bausch. Gemeinsam haben die Ärzte diese nun vollständig mit Hilfe des Operationsroboters durchgeführt – eine Premiere in der St. Elisabeth Gruppe.

Stiller Mitbewohner

Ohne die typischen Symptome, dafür mit unerklärlichen Bauchschmerzen, kam Norbert Warzecha aus Mülheim an der Ruhr zur Vorsorgeuntersuchung. Die Darmspiegelung war ohne Befund – stattdessen ergab die anschließende Magenspiegelung eine überraschende Diagnose: Speiseröhrenkrebs. „Durch einen Zwerchfellbruch hat sich der Magen verschoben, wodurch der Schließmuskel des Magens eingeschränkt war. Magensäure, die so zurück in die Speiseröhre fließt und dort die Schleimhaut reizt, begünstigt die Entstehung von Krebs stark“, erläutert Dr. Brinkmann. „In diesem Fall lag ein stiller Reflux vor, also ein Aufstoßen von Magensäure, das ohne die typischen Symptome wie beispielsweise Sodbrennen einhergeht. Durch die Reizung in der Speiseröhre hatte der Patient bereits eine Vorstufe des sogenannten Adenokarzinoms erreicht.“

Gute Möglichkeiten dank früher Diagnose

Zusätzlich konnte bei der Untersuchung ein bösartiger Tumor in der Speiseröhre entdeckt werden, das sogenannte Plattenepithelkarzinom. „Da diese Art von Speiseröhrentumor in den ersten Stadien zunächst symptomfrei bleibt, war es ein glücklicher Zufall, dass wir den Tumor durch die Untersuchungen so früh diagnostizieren konnten“, sagt Dr. Brinkmann. „Der Krebs war zum Zeitpunkt der Operation noch wenig ausgebreitet, so konnten wir die Operation optimal durchgehend roboterassistiert durchführen.“

Operationsverfahren früher und heute

Während sich Betroffene vor einigen Jahren noch einer vollständig offenen Operation unterziehen mussten, ist heutzutage die sogenannte Hybrid-Methode ein gängiges Verfahren, die in der Chirurgischen Klinik des Marien Hospital Herne bisher Anwendung gefunden hat. Dabei wird der Magen im ersten Teil zunächst minimalinvasiv operiert – also mittels kleiner Hautschnitte, durch die der Arzt die Operationsinstrumente einführt. Die Speiseröhre wird im zweiten Teil dagegen durch den offenen Brustkorb entfernt.

Vereinzelt wird die Operation mittlerweile komplett minimalinvasiv durchgeführt – so auch in der Chirurgie des St. Anna Hospital Herne. Das Besondere an der Operationsmethode, die die Chirurgen des Marien Hospital Herne nun erstmalig an dem Patienten angewendet haben, ist jedoch nicht nur das minimalinvasive Vorgehen, sondern auch der durchgehende Einsatz des Operationsroboters. „Besonders kleine Tumore in frühen Stadien können durch die feinen und präzisen Bewegungen des Roboters gut entfernt werden“, so Prof. Bausch. „Daher ist es wichtig, aufmerksam zu sein und jegliche Beschwerden frühzeitig mit einem Arzt zu besprechen.“

Schnelle Heilung durch den Roboter

Der Vorteil von robotergestützter Speiseröhrenchirurgie ist neben der schonenden und präzisen Arbeit die Möglichkeit für den Arzt, mit Hilfe der um 360 Grad drehbaren Gelenke an sonst nur schwer erreichbare Stellen zu gelangen. Patienten haben nach einer Operation weniger Schmerzen und einen schnelleren Heilungsprozess, da die Hautschnitte nur klein sind. „Ich bin sehr zufrieden und habe nur noch geringe Schmerzen in der Brust“, sagt Norbert Warzecha. „Auch Schlucken bereitet mir keine Probleme und ich konnte nach zehn Tagen sogar frühzeitig aus dem Krankenhaus entlassen werden. Damit hätte ich nicht gerechnet. Jetzt kann ich mich in meinem gewohnten Umfeld auskurieren.“ Zum Vergleich: Die Krankenhausverweildauer nach einer Speiseröhrenentfernung liegt im bundesweiten Durchschnitt über alle Operationsverfahren hinweg bei ca. 30 Tagen. Ebenso besteht bei Einsatz des Roboters ein geringeres Risiko, dass nach der Operation Komplikationen, wie etwa eine Pneumonie – also eine durch Bakterien, Viren oder dem versehentlichen Einatmen von Magensäure ausgelöste Lungenentzündung – auftreten.

Infokasten: Die zwei häufigsten Tumorarten der Speiseröhre sind das sogenannte Adenokarzinom (ca. 90 % der Fälle) sowie das Plattenepithelkarzinom (ca. 10 % der Fälle). Während die Hauptursache des Adenokarzinoms ein Reflux mit saurem Aufstoßen von Magensäure bis hoch in die Speiseröhre ist, findet das Plattenepithelkarzinom seine Ursachen hauptsächlich im überhöhten Konsum von scharfen Speisen, Zigaretten und Alkohol. Gehäuft tritt Letzteres bei Menschen mit entsprechender Lebensweise in einem Alter von 55 bis 75 Jahren auf.Norbert Warzecha wartet nun auf die Zusage für seinen Reha-Aufenthalt. Währenddessen kommt er von Tag zu Tag wieder mehr auf die Beine: „Ich fahre schon wieder langsam Fahrrad auf dem Home-Trainer im Wohnzimmer“, erzählt er. Ebenso hat er einen Rollator vom Krankenhaus zur Verfügung gestellt bekommen, der ihm beim Spazierengehen hilft. „Frische Luft beschleunigt bestimmt den Genesungsprozess“, sagt er zuversichtlich.

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