Mehr als nur Tanken

LWL gibt neuen Atlasband heraus

Titelbild des neuen Atlasbandes.
Titelbild des neuen Atlasbandes. Foto: LWL

Westfalen (lwl). Der aktuelle Band des neuen Atlas von Westfalen, den die Geographische Kommission des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) herausgibt, widmet sich der Geschichte der Mineralölwirtschaft in Deutschland und der Entwicklung des Tankstellennetzes vor allem in Westfalen. Tankstellen gibt es in Deutschland seit etwa 100 Jahren. In den 1920er und 1930er Jahren, vor allem aber nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs ihre Zahl rasant. Bereits 1969 wurde mit über 46.000 die höchste Tankstellenzahl in der Bundesrepublik erreicht. Seitdem hat das Tankstellennetz einen durchgreifenden Strukturwandel erfahren. Durch Konzentrationsprozesse ging die Zahl der Tankstellen bis heute um zwei Drittel zurück - obwohl sie deutlich mehr Benzin und Diesel verkauft haben.

In dem neuen Buch beleuchtet der Autor Karl Heinz Maurmann (Dortmund) die Hintergründe dieses strukturellen Wandels. Da das Thema eng mit der Mineralölwirtschaft und ihrer Infrastruktur verwoben ist - schließlich stehen Tankstellen am Ende der Produktions- und Logistikkette dieses Sektors -, darf in diesem Zusammenhang eine genauere Betrachtung der Entwicklung der Mineralölwirtschaft nicht fehlen. Außerdem untersucht Maurmann, welche räumlichen und wirtschaftlichen, aber auch baulichen und ökologischen Auswirkungen mit den Veränderungen in der Tankstellenbranche im Laufe der Zeit einhergingen.

Der Atlasband rückt Westfalen und seine Teilregionen als Untersuchungsgebiet in den Fokus. Allerdings bindet Maurmann seine Erkenntnisse stets in den überregionalen und bundesweiten Kontext ein. Der Band endet mit einem Ausblick auf neue Tankstellenkonzepte als sogenannte Multi-Service-Hubs oder serviceorientierte Mobilitätszentren. „Während es in der Vergangenheit immer schnell gehen musste, wird sich in Zukunft die Aufenthaltsdauer verlängern, zum Beispiel durch das Aufladen eines E-Autos“, so Maurmann. Diese Zeit soll dann zum Einkaufen und Essen, für Serviceangebote wie Paketshop, Reinigung oder Lottoannahme, genutzt werden. Die Westfalen AG in Münster nennt dieses Konzept „Genuss mit Plus!“ und nahm aktuell in Gelsenkirchen neben einer Tankstelle den sogenannten Food-Court „Zum Glück“ in Betrieb.

Die Texte werden ergänzt durch eine Vielzahl an Karten, Diagrammen, Fotos und Tabellen. Darüber hinaus ist dem Band die zentrale „Hauptkarte“ zusätzlich als großmaßstäbige und faltbare Variante beigefügt. Unabhängig von der aktuellen Diskussion um Fahrverbote, Dieselskandal und Verkehrswende liefert der 4. Band des „Atlas von Westfalen“ Grundlageninformationen, die für eine sachliche Debatte hilfreich sein können.

Das Buch von Karl-Heinz Maurmann - Mineralölwirtschaft und Tankstellen in Westfalen Atlas von Westfalen hat 46 Seiten, 8 Karten, 12 Abbildungen, 14 Tabellen, 11 Fotos, 1 Kartenbeilage. ISBN 978-3-402-14973-7, Preis: 9,95 Euro.

Quelle: