Letzte Hilfe vom Palliativ-Netzwerk

v.l. Dr. Katrin Linthorst, Dr. Axel Münker, Karin Leutbecher.
v.l. Dr. Katrin Linthorst, Dr. Axel Münker, Karin Leutbecher. Foto: Arne Pöhnert

Erste Hilfe kennt beinahe jeder, Letzte Hilfe hoffentlich bald auch. In vierstündigen Seminaren werden zertifizierte Trainerinnen und Trainer des Palliativ-Netzwerkes Herne, Wanne, Castrop- Rauxel ab Juli 2019 zum Beispiel in Vereinen, Initiativen oder Kirchengemeinden das Einmaleins der Sterbebegleitung vermitteln – verständlich, einfühlsam und fundiert. 15 Netzwerkmitglieder durchlaufen gerade eine Kursleiterausbildung, um später in Zweierteams die Workshops durchführen zu können. Die Kosten für die Ausbildung teilt sich das Palliativ-Netzwerk mit dem Förderverein des Lukas-Hospiz. „Das Wissen um Letzte Hilfe und die Umsorgung von schwerkranken und sterbenden Menschen sollte zum Allgemeinwissen gehören“, sagte Karin Leutbecher, Vorsitzende des Palliativ-Netzwerkes am Donnerstag (16.5.2019) über das jüngste Projekt des gemeinnützigen Vereins. Wer einen solchen Kursus anbieten oder daran teilnehmen möchte, kann sich schon jetzt beim Palliativ-Netzwerk unter Tel 0800/9009191 oder per E-Mail anmelden.

Lukas Hospiz.
Lukas Hospiz. Foto: Wolfgang Quickels

Seit zehn Jahren steht das fachübergreifende Palliativ-Netzwerk Herne, Wanne-Eickel, Castrop- Rauxel in der Region für eine ganzheitliche Versorgung unheilbar kranker Menschen am Ende ihres Lebens. 31 Mitglieder – plus zwei Einrichtungen mit Gaststatus – haben sich unter diesem Dach mittlerweile zusammengeschlossen. Zum Wohle der Sterbenskranken und ihrer Angehörigen arbeiten spezialisierte Mediziner, Krankenhäuser, ambulante und stationäre Hospizeinrichtungen, ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen, Apotheken sowie andere Dienstleister in dem gemeinnützigen Verein Hand in Hand. Gemeinsam erreicht das Netzwerk pro Jahr in beiden Städten mehr als 1.200 Patienten – Tendenz steigend. Schirmherr über das Jubiläumsjahr ist der Herner Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda. Den Gründungsimpuls für das Palliativ-Netzwerk gab 2007 das Lukas Hospiz gemeinsam mit dem Ambulanten Hospizdienst Herne. Nachdem man zwei Jahre lang am Runden Tisch das gemeinsame Fundament gelegt hatte, kam es 2009 zur Gründung eines gemeinnützigen Vereins unter der Schirmherrschaft des damaligen Oberbürgermeisters Horst Schiereck.

Hospizliche Begleitung in Heimen

Zwei Arbeitsgruppen des Netzwerkes haben in der Vergangenheit mit ihren Ergebnissen zum Teil überregionales Interesse geweckt. Die AG Heime – eine Kooperation aus AWO, DRK, Ev. Johanneswerk, GEROS, ASB, St. Elisabethgruppe und Ferdinand-Dienst-Haus mit den Ambulanten Hospizdiensten und den Trägern der Wiedereingliederungshilfe - veröffentlichte eine Informationsbroschüre mit acht Leitsätzen und 13 praktischen Tipps für den Umgang mit stationär untergebrachten sterbenskranken Menschen, die bundesweite Beachtung fand. Innerhalb weniger Monate war der Leitfaden vergriffen, er wird im Jubiläumsjahr aktualisiert und neu aufgelegt. Augenblicklich befasst sich die Arbeitsgruppe mit dem Thema Gesundheitliche Versorgungsplanung, einer neuen Entwicklung innerhalb des Hospiz- und Palliativgesetzes, und bereitet dazu eine Veranstaltung mit der Stadt Herne vor.

Ambulantes Ethik-Komitee

Ein zweiter Meilenstein war im November 2018 die Gründung eines ambulanten Ethik-Komitees unter der Schirmherrschaft des Herner Oberbürgermeisters Dr. Frank Dudda. Das Komitee – bestehend aus Sozialarbeitern, Pflegekräften, Heimleitern, Vertretern der Stadt, Palliativmedizinern, einem Juristen und einer Physiotherapeutin – unterstützt Menschen in ethisch schwierigen Situationen. Nicht nur Angehörigen fällt die Entscheidung schwer, ob ein Mensch am Ende seines Lebens künstlich ernährt, einer Dialyse oder einer Operation unterzogen werden soll, auch Ärzte und Pflegekräfte fühlen sich nicht selten überfordert. Zehn zertifizierte Ethikberater stehen für solche Fälle in Herne, Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel mit einem strukturierten Beratungsangebot bereit. In ganz NRW gibt es bisher nur fünf ähnlicher Projekte. Bisher konnten fünf ambulante Ethikberatungen durchgeführt werden.

Veranstaltungen im Jubiläumsjahr

Eröffnung des neuen Wewole Forums im City Center, an der Bahnhofstraße 7 a-c, in Herne (NW), am Freitag (18.01.2019).
Wewole Forum. Foto: Stefan Kuhn

Zum zehnjährigen Bestehen hat das Palliativ-Netzwerk ein kleines Jubiläumsprogramm aufgelegt, dass das ehrenamtliche Engagement wertschätzt und inhaltlich-fachlichen Input vermittelt. Ein fröhliches Fest für die Haupt- und Ehrenamtler findet am Freitag, 6. September 2019, im historischen Maximilian-Kolbe-Haus zu Henrichenburg statt, einem an das alte Kirchenschiff der St. Lambertus-Gemeinde angebauten Pfarrheim. Die offizielle Jubiläumsveranstaltung ist für Mittwoch, 6. November 2019, um 17 Uhr im wewole Forum im CityCenter Herne angesetzt. Grußworte sprechen an diesem Tag der Herner Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda und sein Castrop-Rauxeler Amtskollege Bürgermeister Rajko Kravanja. Den Festvortrag hält Dr. Gerlinde Dingerkus von ALPHA NRW, einer Ansprechstelle des NRW-Gesundheitsministeriums für Palliativversorgung, Hospizarbeit und Angehörigenbetreuung. Für eine Lesung konnte die Bochumer Schauspielerin Maria Wolf gewonnen werden.

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