Konjunkturelle Erholung ausgebremst

Ruhr-Handwerk: 2. Lockdown

Frisörmeister Andreas Janik hat seinen Salon in der Altenhöfener Straße in Herne (NW), wegen des Coronavirus, vorübergehend geschlossen. Aufnahme vom Montag (23.02.2020).
Personenbezogenen Dienstleistungen, zu denen unter anderem die Friseure gehören, sind stark durch die pandemiebedingten Einschränkungen und Verbote betroffen. Foto: Stefan Kuhn

'Das Handwerk steht im Ruhrgebiet derzeit robust da', heißt es in einer Pressemeldung der Handwerkskammern an der Ruhr: In der aktuellen Konjunkturumfrage der drei Handwerkskammern Dortmund, Düsseldorf und Münster bleibt das Geschäftsklima mit 113 Punkten stabil. Das Bild ist allerdings gespalten: Im Bauhauptgewerbe und im Ausbaugewerbe liegt das Geschäftsklima bei stolzen 129 Punkten, auch bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf, darunter Gebäudereiniger und Metallbauer, gibt es mit 114 Punkten einen klaren Aufwärtstrend. Dramatisch ist die Lage dagegen bei den Personenbezogenen Dienstleistungen, zu denen mit Friseuren, Kosmetikern, Maßschneidern und Fotografen viele Gewerke gehören, die besonders stark durch die pandemiebedingten Einschränkungen und Verbote betroffen sind.

„Gerade in diesen Gewerken haben wir viele Soloselbständige, deren wirtschaftliche Existenz massiv gefährdet ist“, erklärte dazu Hans Hund, Präsident der Handwerkskammer Münster. „Diese Betriebe brauchen endlich verlässliche Perspektiven, wie sie arbeiten können.“

Nur 17 Prozent aller Handwerksbetriebe berichten über gestiegene Umsätze im vergangenen halben Jahr, aber 46 Prozent der Betriebe mussten Umsatzrückgänge verkraften. Damit war der Saldo der Antworten deutlich ungünstiger als im Landesdurchschnitt (minus 23 Prozentpunkte): „Neben den Personenbezogenen Dienstleistungen leidet derzeit insbesondere das Kfz-Gewerbe“, so Hund. „Hier kommen die rückläufige Nachfrage, die Schließung von Verkaufsräumen und die schleppende Arbeit vieler Kfz-Zulassungsstellen zusammen.“ Leicht negativ ist aktuell die Beschäftigungssituation: 13 Prozent der Betriebe haben Beschäftigung aufgebaut, 17 Prozent haben Beschäftigung abgebaut – besonders stark im Lebensmittelgewerbe. Herausforderungen im größeren Maße melden die Betriebe aus der Emscher-Lippe-Region: Hier sank das Geschäftsklima deutlich von 110 auf 96 Punkte, während im östlichen und im westlichen Ruhrgebiet sogar ein ganz leichter Aufwärtstrend gegenüber der Herbstumfrage zu verzeichnen ist.

Neben den akuten Folgen der erneuten Lockdown-Maßnahmen leidet das Ruhr-Handwerk derzeit auch unter gestörten Lieferketten: „Auch Branchen, in denen es eigentlich gut laufen könnte, berichten uns von Materialengpässen, von steigenden Rohstoffkosten und von Störungen im Projektmanagement und bei der Auftragsabwicklung, die sich daraus ergeben“, berichtete Hund. „Handwerk ist zwar auf den ersten Blick binnenmarktorientiert. Aber in der Wirtschaft hängt alles mit allem zusammen. Auch das Handwerk ist auf reibungslose Lieferketten, resiliente Industrieproduktion und Freihandel angewiesen. Da sitzen wir alle im selben Boot.“

Sorgen macht sich das Handwerk in der Region Ruhr um die Ausbildung: „Die Corona-Krise hat zu einem deutlichen Rückgang bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnissen geführt. Deshalb müssen wir jetzt alle Anstrengungen unternehmen, dass wir in den Schulen die Berufsorientierung trotz Corona forcieren. Sonst vergibt sich das Ruhrgebiet durch den verschärften Fachkräftemangel große Innovations- und Wachstumschancen“, so Hund und die Präsidenten der Handwerkskammern Dortmund und Düsseldorf, Berthold Schröder und Andreas Ehlert bei der Veröffentlichung der Konjunkturdaten für das Ruhr-Handwerk unisono.

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