Kino-Tipp: 'Der Fall Richard Jewell'

Polit-Krimi aus den USA auch in der Filmwelt

Die Hauptdarsteller mit dem Regisseur Clint Eastwood.
Die Hauptdarsteller mit dem Regisseur Clint Eastwood (re.). Foto: Warner Bros.

Mit „Der Fall Richard Jewell“ von Regisseur Clint Eastwood startet coronabedingt verspätet am Donnerstag, 25. Juni 2020, bundesweit ein so brisanter wie spannender Polit-Krimi aus den USA, der auf erschreckend wahren Begebenheiten beruht und sowohl die Polizeibehörde FBI als auch die Mediengiganten bloßstellt. Katy Bates, welche die Mutter des Titelhelden spielt, wurde als beste Nebendarstellerin für den Oscar 2020 nominiert. Ein Film von 2019, der durch jüngste Ereignisse auch diesseits des Großen Teichs nichts an Aktualität verloren hat.

Richard Jewell (Paul Walter Hauser), der mit seiner Mutter Bobi (Katy Bates) zusammenlebt, ist Mitarbeiter einer privaten Wachfirma. Als ehemaliger Polizist verbringt er einen großen Teil seiner Freizeit mit Übungen am Schießstand und verfügt über eine große Waffensammlung. Was in den USA nicht verboten, sondern unter Waffennarren geradezu gang und gäbe ist. Im Sommer 1996 werden die Olympischen Spiele unter anderem im Centennial Olympic Park in Atlanta ausgetragen, wo Jewell seinen Dienst verrichtet.

Als am Abend des 27. Juli 1996 im Olympic Park der Warnruf eines bevorstehenden Bombenanschlags eingeht, dreht Richard Jewell seine Runde mit besonderer Aufmerksamkeit. Er bemerkt einen herrenlosen Rucksack und räumt den weiteren Bereich, das ihm zunächst großes Lob für sein schnelles Handeln einbringt. Doch der Bundespolizist Tom Shaw (Jon Hamm) ist wie seine Vorgesetzten überzeugt, dass Jewell selbst hinter dem Anschlag steckt. Die nächsten 88 Tage werden für den Wachmann und nicht weniger für seine Mutter zur Hölle: Die in der Wohnung gefundene Waffensammlung bestärkt das FBI, ihr ehemaliger Angehöriger könnte ein Terrorist sein.

Paul Walter Hauser als Richard Jewell.
Paul Walter Hauser als Richard Jewell. Foto: Warner Bros.

Sogleich wird in den Medien der Fall landesweit hochgespielt, von einer Unschuldsvermutung kann bei dieser skandalösen Vorverurteilung voller persönlicher Angriffe keine Rede sein. Mit Watson Bryant (Sam Rockwell) nimmt sich ein junger, aufstrebender Anwalt der Sache an: Der Nobody ist eigentlich eine Verlegenheitslösung, weil sich Jewell keinen teuren Rechtsbeistand leisten kann. Doch Bryant hängt sich richtig 'rein und zwingt das FBI nach drei Monaten zum Eingeständnis, einen Unschuldigen an den öffentlichen Pranger gestellt zu haben.

Billy Ray hat das Drehbuch geschrieben nach dem im Februar 1997 in der Zeitschrift „Vanity Fair“ veröffentlichten Report „American Nightmare: The Ballad of Richard Jewell“ von Marie Brenner, die minutiös recherchiert beschreibt, wie Richard Jewell durch sein beherztes Eingreifen möglicherweise zahlreichen Menschen das Leben rettete und dennoch ins Fadenkreuz voreingenommener FBI-Ermittler geriet. Auch wenn es viel zu hoch gegriffen ist, das spektakuläre Bombenattentat von 1996 in Atlanta mit heutigen Auseinandersetzungen in Europa und den USA zu vergleichen: „Der Fall Richard Jewell“, zum Bundesstart auch in der Filmwelt Herne zu sehen, ist zumindest in der ersten Hälfte seiner 129 Minuten ein spannender Thriller und insgesamt ein aktuelles Lehrbeispiel für das Verhalten von Politik und Gesellschaft, aber insbesondere auch für die Verantwortung der Medien.

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