Junge Positionen NRW 2021: Aktien und Kunst

Yoana Tuzharova auf Unser Fritz

Yoana Tuzharova hat abstrakte Zahlen des Deutschen Aktien-Index in sinnlich erfahrbare Kunst transformiert.
Yoana Tuzharova hat abstrakte Zahlen des Deutschen Aktien-Index in sinnlich erfahrbare Kunst transformiert. Foto: Pitt Herrmann

Dass der Kunstmarkt in weiten Teilen mehr mit Geld als mit Kunst zu tun hat, ist eine Binse. Dass frau Aktienkurse, genauer gesagt den Kursverlauf des Deutschen Aktien-Index (DAX), der die aktuelle Leistung unserer Volkswirtschaft spiegelt, zu Kunst machen kann, ist eine staunenswerte Novität, die ab Samstag, 9. Oktober 2021, in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 mit beinahe allen Sinnen, der haptische muss naturgemäß ausgeschlossen bleiben, erfahren werden kann.

Die 35-jährige Bulgarin Yoana Tuzharova hat sich während ihres einjährigen Atelier-Stipendiums in Mülheim/Ruhr mit dem Revier und seinem Transformationsprozess vom durch Kohle und Stahl dominierten Industriegebiet zur innovativen Dienstleistungsregion beschäftigt. Und auch mit den Verwerfungen, die das Internet und nicht zuletzt die Corona-Pandemie stark beschleunigt haben. Dazu zählt sie Leerstände in den Innenstädten ebenso wie vernachlässigte Stadtbezirke zumeist im Norden der Hellweg-Metropolen.

v.l. Francesco Marzano, Thea Henken und Leon Eckard sorgen nicht nur für den Sound der Ausstellung, sondern auch für eine Performance bei der Eröffnung.
v.l. Francesco Marzano, Thea Henken und Leon Eckard sorgen nicht nur für den Sound der Ausstellung, sondern auch für eine Performance bei der Eröffnung. Foto: Pitt Herrmann

1986 im bulgarischen Russe geboren lag der Fokus ihres Interesses stets bei der Kunst im öffentlichen Raum. Nach ihrem Studium der Wandmalerei bei Prof. Dr. Oleg Gochev in ihrem Heimatland hat sie die Kunstakademie Münster absolviert und in der Klasse für Kunst im öffentlichen Raum bei den Professoren Maik und Dirk Löbbert studiert. Inzwischen arbeitet Yoana Tuzharova, die in Köln und Münster lebt, freiberuflich.

Die Gewinnerin des Förderpreises „Junge Positionen NRW 2021“ hat sich seit diesem Sommer mit den beiden Ausstellungsräumen der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 auseinandergesetzt und ihrer performativen Ausstellung den Titel „weiss kaue schwarz kaue“ gegeben. Ein kleiner Kasten gleich vorn linkerhand in der Weißkaue bildet das Zentrum: Aktuelle Werte des DAX werden zum einen durch in Schwingung gebrachte kleinste Partikel von Kohle, Salz, Erde und Holzasche visualisiert und zum anderen sowohl durch Sinustöne akustisch als auch durch Licht optisch übersetzt. Die Erde im ersten Raum stammt übrigens aus Unser Fritz.

In der Schwarzkaue wird die in eine Klangform gebrachte DAX-Kurve des Jahres 2020 collagiert und mit Keramikplatten in skulpturale Formen übertragen. Die Rasenstücke dazwischen stehen, so Yoana Tuzharova, für die Prozesshaftigkeit und das Wachstum, mithin für einen Begriff, der in der Wirtschaft wie in der Natur verwandt wird. Zudem hat die Künstlerin mit Erde aus Unser Fritz und dem Bindemittel Kalkkasein einen schmalen Fries in traditioneller a-secco-Technik aufgetragen, der die Klangform ins Ornamentale überträgt. Das Fries-Motiv findet sich in der Weißkaue als großflächige Wandmalerei wieder.

Wichtiger technischer Partner der Preisträgerin für das Datenmaterial ist der Programmierer Dominik Kissmann, während die Musiker Francesco Marzano, Thea Henken und Leon Eckard für den Sound der Ausstellung gesorgt haben – und die Vernissage mit einer Performance bereichern. Diese beginnt am Samstag, 9. Oktober 2021, um 17 Uhr, einführende Worte spricht Georg Imdahl, Professor an der Kunstakademie Münster.

„weiss kaue schwarz kaue“ vom 9. bis 31. Oktober 2021 in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3, Zur Künstlerzeche 10 in Herne-Wanne, geöffnet mittwochs und samstags jeweils von 15 bis 18 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei, es gelten die aktuellen Hygienerichtlinien.

Oktober
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Samstag
Samstag, 09. Oktober 2021, um 17 Uhr
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