Ghostbusters: Legacy

Neu auch in der Filmwelt Herne

Mit dem Feuerstrahl aus dem Protonen-Rucksack geht’s Muncher an den Kragen in den Straßen des verschlafenen Summerville.
Mit dem Feuerstrahl aus dem Protonen-Rucksack geht’s Muncher an den Kragen in den Straßen des verschlafenen Summerville. Foto: Sony

„Das war die Geschichte, die ich erzählen wollte“, zitiert das Sony-Presseheft Jason Reitman, „die Geschichte eines Kindes, dass einen Protonen-Rucksack gefunden hat und entdeckt, wer sie ist, was ihr Vermächtnis ist und warum sie einzigartig ist.“ Gemeint ist Phoebe, die Enkelin eines der New Yorker Parapsychologen, die von der Universität geworfen werden und eine private Geisterjäger-Agentur gründen. Der Regisseur war sechs Jahre alt, als ihn sein Vater Ivan Reitman 1984 mit zum Set des ersten „Ghostbusters“-Films nahm und er sah, wie der Marshmellow-Mann mitten in Manhattan explodierte. Mit einem kleinen Splitter dieser Figur kehrte er nach Hause zurück: der Talisman begleitete ihn die ganze High-School-Zeit über.

Aus dem Sechsjährigen ist inzwischen ein erfolgreicher, auf Familienkomödien („Juno“, „Up in the Air“) spezialisierter Regisseur geworden, der nie daran gedacht hätte, einmal von seinem Vater, der nun auf dem Produzentenstuhl sitzt, nach einem „Ghostbusters“-Nachfolger gefragt zu werden. Jason Reitman, der den Journalisten vor der Pressepreview am Berliner Potsdamer Platz in einer Videobotschaft ans Herz gelegt hat, nicht zu spoilern, im Presseheft: „Ich will eine Generationengeschichte erzählen über eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern, die noch nicht wissen, wer sie sind, und herausfinden, dass sie durchaus besonders sind.“

Die jungen Geisterjäger Trevor (Finn Wolfhard), Phoebe (McKenna Grace) und Podcast (Loghan Kim) am Ecto-1.
Die jungen Geisterjäger Trevor (Finn Wolfhard), Phoebe (McKenna Grace) und Podcast (Loghan Kim) am Ecto-1. Foto: Sony

Die in unserer Gegenwart spielende Geschichte beginnt in Chicago, wo Callie (Carry Coon) die Wohnung nicht mehr bezahlen kann und daher mit ihren beiden Kindern, dem 15-jährigen Trevor (Finn Wolfhard) und der 12-jährigen Phoebe (McKennaa Grace) nach Oklahoma zieht. Genauer gesagt in das verschlafene Nest Summerville, wo das heruntergekommene Farmhaus ihres Vaters Dr. Egon Spengler steht, der sich New York hierher zurückgezogen hat. Und an den sich Callie nicht wirklich erinnert. Der umtriebige Großstadt-Teenager Trevor ist entsetzt über die provinzielle Einöde - bis er im einziger Diner der Gegend mit Lucky (Celeste O’Connor) auf eine Kleinstadt-Schönheit trifft, die sich als Tochter des Sheriffs Domingo (Boheem Woodbinde) alle Freiheiten herausnehmen kann.

Seine jüngere Schwester stöbert dagegen mit wachsender Begeisterung in verstaubten Schuppen und finsteren Kellern des Farmhauses herum. Ihr geradezu unbändiger Forschergeist, der auch ihrem Lehrer Mr. Grooberson (Paul Rudd) positiv auffällt – wie übrigens Phoebes attraktive, wenn auch gestresste Mutter Callie, steckt sogleich den Schulkameraden Podcast (Newcomer Logan Kim) an. Beide finden nicht nur Egon Spenglers alten Cadillac-Ambulanzwagen Ecto-1, sondern auch den Protonen-Rucksack und allerhand weiteres altertümliches Gerät zur Geisterjagd.

Die ikonische technische Ausrüstung wird knapp vierzig Jahre später auf Hightech-Niveau (Ecto-1 verfügt jetzt über einen ausfahrbaren Feuerstuhl) aufgepeppt, um den Mini-Marshmallows im Supermarkt oder dem Vernichter Gozer samt seinen Wächtern, den Terror-Hunden, Paroli bieten zu können. Wie der ganze gut zweistündige Film, der auf den ersten Blick „wie ein altes Familienrezept“ (Jason Reitman) nostalgische Gefühle weckt, gedreht wurde mit den heutigen Möglichkeiten computergesteuerter visueller Effekte. Und die, soviel darf verraten werden, haben es in sich. In kurzen Einblendungen als Gäste aus der Animationsfilm-Steinzeit tauchen noch einmal Bill Murray als Dr. Peter Venkman, Dan Aykroyd als Dr. Raymond Stantz und Ernie Hudson als Dr. Winston Zeddemore auf, auch Sigouney Weaver ist als Dana Barrett zu sehen.

Mehr wird über diesen filmischen Liebesbrief Jason Reitmans an seinen Vater, an das Original von 1984 und an die ganze „Ghostbusters“-Fangemeinde hier aber nicht verraten. Das hohe Lob des ursprünglichen Erfinders Dan Aykroyd, nach dem Jason Reitman seinen Film an die beiden ersten Blockbuster von 1984 und 1986-91 („The Real Ghostbusters“) angeschlossen hat und dabei doch eine völlig eigene Geschichte erzählt, kann ich sehr nachvollziehen. Also: jetzt unbedingt ins Kino gehen, allen Corona-Auflagen zum Trotz – zum Beispiel in die Filmwelt Herne. Diese großartige Hollywood-Produktion für die ganze Familie gehört auf die große Leinwand! Uraufgeführt wurde sie am 8. Oktober 2021 bei der Fan-Convention „New York Comic Con“ übrigens unter dem Titel „Ghostbusters: Afterlife“. Der aus der Religion stammende Begriff meint das Leben nach dem Tod. Der deutsche Zusatztitel „Legacy“ ist schwächer konnotiert, man könnte ihn mit „Nachlass“ oder „Erbe“ übersetzen.

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