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Der ewige 2. Vorsitzende Matthias Scholz (Friedrich Mücke), der Berliner Neuzugang Torsten Pfaff (Christoph Maria Herbst) und der ewige Patriarch Heribert Bräsemann (Hape Kerkeling, v.l.) bei der Lagebesprechung in der Umkleide.

Klasse Besetzung mit Hape Kerkeling und Christoph Maria Herbst

'Extrawurst' ist eine hintergründige Realsatire

„Abgehakt und Streusand drüber“: Eigentlich ist es reine Formsache am Ende einer überlangen Jahreshauptversammlung des TC Lengenheide, in der es bisher um die geplante und völlig unstrittige Grundsanierung des Vereinsheims gegangen ist. Dass Heribert Bräsemann (Paraderolle für Hape Kerkeling), der seit 25 Jahren stets einstimmig gewählte Vorsitzende des Tennisclubs vor den Toren Kölns, seinem Schwager Peter Lohr (Andreas Windhuis) den Auftrag zugeschustert hat, führt bei den Clubmitgliedern noch nicht einmal zum Achselzucken.

„Im Frieden und im Krieg bringt Einigkeit den Sieg“: Sie sind es gewohnt, dem einerseits zwar jovialen, andererseits aber höchst selbstherrlich regierenden Patriarchen Bräsemann ohne Widerrede zu folgen – etwa bei der einheitlichen Tenniskleidung in Weiß.

Seinem sich seit Jahr und Tag übergangenen fühlenden Stellvertreter Matthias Scholz (Friedrich Mücke), dem seine ehrgeizige Mutter Elisabeth Scholz (Gaby Dohm) im Nacken sitzt, bleibt da nur, nach der ermüdenden Powerpoint-Präsentation der geplanten Umbaumaßnahmen den Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ aufzurufen. Welcher in der Regel schnell abgehakt ist, weshalb der Koch (Stefano Zarrella) des Vereinsheims bereits die Platten für den gemütlichen Teil der Versammlung auffahren lässt.

Erol will keine Extrawurst

Zur Überraschung aller meldet sich Melanie Pfaff (Anja Knauer) mit einem Vorschlag zu Wort, der allgemeines Stirnrunzeln erzeugt: Die vor noch nicht langer Zeit zusammen mit ihrem Gatten, dem hippen, stets den witzigen Intellektuellen herauskehrende Werbetexter Torsten Pfaff (Christoph Maria Herbst), von Berlin in die rheinische Provinz gekommene aktive Tennisspielerin schlägt vor, zum bereits beschlossenen neuen Super-Gasgrill mit vier Etagen samt Pizza-Stein bis zum nächsten Sommerfest einen zweiten, ruhig einfacheren Holzkohlen-Grill anzuschaffen.

Erol Oturan (Fahri Yardim) will gar keine Extrawurst, die ihm seine höchst erfolgreiche Doppelpartnerin Melanie Pfaff (Anja Knauer) mit Vehemenz zuschustern will zum Entsetzen des Vorsitzenden Heribert Bräsemann (Hape Kerkeling, v.l.).

Und zwar für ihren Doppelpartner Erol Oturan (Fahri Yardim), dem einzigen muslimischen Mitglied des Vereins, und dessen Familie: Gläubige Muslime dürfen ihre Grillwürste bekanntlich nicht auf einen Rost legen, auf dem zuvor Schweinefleisch gebrutzelt hat. Melanies Wort hat Gewicht, ist sie doch innerhalb kurzer Zeit zu einem sportlichen Aushängeschild des Vereins geworden. Doch der von ihr angesprochene Erol, seit Teenagertagen voll integriertes Vereinsmitglied und überdies deutscher Staatsbürger, will für sich und die Seinen keine Extrawurst gebraten bekommen und daher auch künftig keine Extrawürste grillen.

Turbulenter Schlagabtausch

Während der Platzwart Hans Günther Schnippering (Milan Peschel) die Ballmaschine repariert mit durchaus schmerzhaften Folgen für das eine oder andere Vereinsmitglied, entspannt sich rasch ein turbulenter Schlagabtausch u.a. mit dem bisherigen „Mehrheitsbratwurst“-Lieferanten, Metzgermeister Heinz Gumberger (Patrick Joswig), bei dem die Protokollführerin Anne Ackermeier (Katrin Röver) bald nicht mehr mitkommt.

Zumal sich die immer persönlicher geführte Debatte gefährlich zuspitzt und tiefgreifende gesellschaftliche Konflikte offenbart, die auch von Melanies grenzenloser Toleranz und Torstens trockenen verbalen Einwürfen nicht zugekleistert werden können. Dabei waren die Pfaffs doch vor Hundekacke, Drogenexzessen, Spielplatz-Schlägereien und nerviger Parkplatz-Suche bewusst aus der Hauptstadt tief in den Westen geflüchtet! Bald spielt der zweite Grill für die „Türkenwurst“ gar keine Rolle mehr…

Hintergründig-witzige Realsatire

„Extrawurst“ von Dietmar Jacobi und Moritz Netenjakob war in der Spielzeit 2021/22 das meistgespielte deutsche Stück auf den Theaterbühnen. Das naturgemäß nur im Vereinslokal des TC Langenheide spielte, während Marcus H. Rosenmüller für seine Leinwand-Adaption mit erweitertem Figurenarsenal vom 14. April bis 28. Mai 2025 das gesamte Vereinsgelände des RTHC (Ruder-Tennis-Hockey-Club) Bayer Leverkusen einschließlich des Clubhaus-Restaurants Rococo zur Verfügung stand. Wobei das Eigenheim des Präsidenten Bräsemann, Ort eines makabren Treppenlift-Unfalls, in Köln gefunden wurde.

Es bleibt bei diesem einzigen Spoiler, um den knapp hundertminütigen Spaß an dieser ungemein hintergründig-witzigen, nichts und Niemanden schonenden realsatirischen Komödie nicht zu verderben, die nicht zuletzt der Klasse-Besetzung zu verdanken ist.

Preview in der Filmwelt Herne

Vor dem Kinostart am Donnerstag, 15. Januar 2026 sind zahlreiche Previews nicht nur in den Multiplexen angekündigt: Am Sonntag, 11. Januar 2026, im Capitol Bochum und der Schauburg Gelsenkirchen (beide 13 Uhr) sowie in der Lichtburg Essen (17.30 Uhr), am Montag, 12. Januar 2026, im Atelier Düsseldorf (19 Uhr) und im Casablanca Bochum (20.15 Uhr) sowie am Mittwoch, 14. Januar 2026 um 17.40 Uhr in der Filmwelt Herne.

Vergangene Termine (4) anzeigen...
  • Sonntag, 11. Januar 2026, um 13 Uhr
  • Montag, 12. Januar 2026, um 19 Uhr
  • Mittwoch, 14. Januar 2026, um 17:40 Uhr
  • Donnerstag, 15. Januar 2026
Freitag, 9. Januar 2026 | Autor: Pitt Herrmann