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Die Glaziologin Dr. Maria Hörhold mit einem eintausend Jahre alten Kern des Grönland-Eisschildes im Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven.

Kino-Tipp 'Das Gewicht der Welt'

Es ist fünf nach Zwölf

Vogelperspektive auf einen nicht nur kranken, sondern toten Wald: Prof. Dr. Sebastian Seiffert, Professor für Physikalische Chemie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, ist mit dem Rucksack durch seine Heimat, den Oberharz, unterwegs. Die Fichten-Monokultur ist nicht nur dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen, sondern vor allem dem Klimawandel: Nach langer Trockenperiode fehlt es den Bäumen an Saft und Kraft, den Fressfeinden zu trotzen.

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Schnitt. Eine Gruppe von Wissenschaftlern, darunter Dr. Maria Hörhold, Glaziologin im Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven, kleidet sich wie zu einer Expedition ein, um im Eiskernarchiv des Instituts einen bis zu eintausend Jahre alten Kern des Grönland-Eisschildes herauszuschneiden. Die Untersuchung dieses Kerns, in den die Atmosphäre der Vergangenheit eingeschlossen ist, belegt die rasante Erderwärmung, in deren Folge das Eis an den Polen ebenso rasch schmilzt wie die Gletscher in den Alpen.

Friedlich war gestern

Schnitt. Aktivisten der Gruppen „Letzte Generation“ und „Scientist Rebellion“, darunter mit Dr. Nana-Maria Grüning eine Molekularbiologin an der Berliner Charité, unternehmen eine Farbattacke auf das Bundesverkehrsministerium und kleben sich später am Asphalt einer vielbefahrenen Ausfallstraße fest. Was unter die Rubrik „Friedlicher ziviler Ungehorsam“ fällt, wird kaum noch von den Medien wahrgenommen, weshalb in Strategiediskussionen eine Radikalisierung künftiger Aktionen gefordert wird.

Wissenschaft soll sachlich sein: Fakten statt Gefühle. Aber die Naturwissenschaftler erleben schon seit geraumer Zeit, wie ihre Forschung durch den Klimawandel aus den Fugen gerät. Statt die Wunder der Natur zu entdecken und diese den Menschen nahezubringen, fühlen sich die drei Protagonisten des Dokumentarfilms „Das Gewicht der Welt“ zunehmend nur noch als Chronisten einer untergehenden Welt. Denn niemand hört auf sie, schon gar nicht in einer Zeit wie heute, wo Kriege und Krisen alle Aufmerksamkeit sowohl der Politiker als auch der völlig überforderten Bürger auf sich ziehen.

Rückzug ins Private

Florian Heinzen-Ziobs („Dancing Pina“) 94-minütige Doku, die parallel zum Kinostart am 7. Mai 2026 beim Dokfilmfest München uraufgeführt wurde, offenbart die Dringlichkeit des Problems für die Menschheit insgesamt, die Erderwärmung wie den rapiden Schrumpfungsprozess der Biodiversität zu stoppen.

Professor Dr. Sebastian Seiffert ist mit dem Rucksack in der apokalyptisch zerstörten Landschaft seiner Heimat, dem Oberharz, unterwegs.

Sie zeigt aber auch gleichzeitig die Sisyphusaufgabe einer sich der Aufklärung verpflichteten Wissenschaft, die sich dem Vorwurf – zumal von totalitären Regimen – erwehren muss, als grüne Kassandra aufzutreten. Die von einer Fakten-Vermittlerin zur politisch-gesellschaftlichen Aktivistin mutiert und sich so angreifbar macht. Zu beruflichen kommen familiäre Probleme, welche zumindest zeitweise einen Rückzug ins Private zur Folge haben.

Wir irren uns empor

„Naturwissenschaften in Zeiten des Klimawandels“ lautet der Untertitel eines unterm Strich doch eher pessimistischen, in Teilen gar resignativen und daher sehr realistischen Films, der besonders der jungen Generation nahegebracht werden sollte etwa durch den Einsatz in Schulen und Universitäten. Die Erkenntnis „Wir irren uns empor“, mit der Prof. Seiffert seinen Uni-Grundkurs Physikalische Chemie eröffnet, lässt hoffen. Sein Blick aus dem Fenster der Harzer Schmalspurbahn unterhalb des Brocken auf eine apokalyptisch zerstörte Landschaft, lässt uns eher verzweifeln.

„Das Gewicht der Welt“ läuft im Casablanca Bochum, im Sweetsixteen Dortmund, im Filmstudio Glückauf Essen sowie im Metropol Düsseldorf, ab Donnerstag, 21. Mai 2026 auch im Oberhausener Kino im Walzenlager.

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Mittwoch, 13. Mai 2026 | Autor: Pitt Herrmann