Anwerbung von Auszubildenden aus São Paulo
Herne kooperiert mit Brasilien
Der demografische Wandel, der mit dem Renteneintritt der sogenannten Babyboomer einhergeht, ist deutschlandweit spürbar. Auch in den Städten Herne und Bochum. Um dem Fachkräftemangel in den Verwaltungen sowie in den städtischen Tochtergesellschaften entgegenzuwirken, gehen sie nun einen ganz unkonventionellen Weg.
In einer Ausbildungspartnerschaft mit Brasilien werden in São Paulo ganz gezielt junge Menschen für die Arbeit in Herne und Bochum angeworben. Starten wird dieses Pilotprojekt schon zum Ausbildungsbeginn am 1. September 2026.
120 Bewerber, sechs Azubis setzen sich durch
Rund 120 junge Brasilianer hätten sich um eine Stelle in Herne bemüht und am Auswahlverfahren teilgenommen. Sechs werden nun bald in Herne und Bochum arbeiten. Dass dies nötig sei, berichten die Oberbürgermeister Hernes und Bochum, Dr. Frank Dudda, und Jörg Lukat sowie Christopher Meier, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Bochum bei einer gemeinsamen Pressekonferenz beider Städte am Montag (4.5.2026).
Allein die Stadt Herne werde bis zum Jahr 2030 circa 650 Mitarbeitende verlieren, die bis dahin in den Ruhestand gehen und immer weniger Azubis kommen nach. Ähnlich sehe es auch in Bochum aus, hier fehlen vor allem Nachwuchskräfte in der IT und in der Kinderpflege.
'Akquise von Auszubildenden im Ausland ist dabei nur ein Baustein'
„Wir müssen schlichtweg reagieren. Die Generation der sogenannten Babyboomer scheidet allmählich aus dem Erwerbsleben aus und diese Lücke müssen wir in der Stadtverwaltung mit diversen Maßnahmen schließen. Die Akquise von Auszubildenden im Ausland ist dabei nur ein Baustein“, macht Oberbürgermeister Dudda deutlich.
Diese nehmen aber den heimischen Azubis keine Plätze weg. Dies verdeutlicht auch nochmals der Bochumer OB Jörg Lukat. „Natürlich haben wir unseren heimischen Arbeitsmarkt im Blick, aber auch mit allen Bemühungen, die wir unternehmen, werden perspektivisch die bisher bewährten Instrumente der Nachwuchsgewinnung nicht mehr ausreichen, um den steigenden Bedarf zu decken. Es ist deshalb sinnvoll und fördert außerdem die Diversität der Belegschaft, wenn wir Auszubildende außerhalb des deutschen Arbeitsmarktes gewinnen“, so der Bochumer Verwaltungschef.
Dies sieht auch Christopher Meier ähnlich. „Um dem Fachkräftemangel nachhaltig zu begegnen, reichen die inländischen Kapazitäten langfristig nicht mehr aus. Auch in Bochum und Herne bleiben Ausbildungsplätze zunehmend unbesetzt. Internationale Nachwuchstalente sind ein wichtiger Teil der Lösung“, erläutert Meier.
Zusammenarbeit als Verbund
Die Stadtverwaltungen setzen bei der Anwerbung auf die Zusammenarbeit mit dem Goetheinstitut in Brasilien, der Agentur für Arbeit Herne und der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV) und weiteren Unternehmen wie der Straßenbahn Herne Castrop-Rauxel GmbH (HCR) und den Stadtwerken Herne. Die Bildung dieses Verbunds reduziert die Kosten und den organisatorischen Aufwand, zum Beispiel beim Einwanderungsverfahren.
„Senior Expert Service“ betreut Azubis
Die brasilianischen Auszubildenden werden in Deutschland dann von Mentordes „Senior Expert Service“ (SES) Bonn begleitet. Dabei handelt es sich um eine Entsendeorganisation für ehrenamtliche Fach- und Führungskräfte im Ruhestand oder in einer beruflichen Auszeit. Seit 1983 gebe er weltweit Hilfe zur Selbsthilfe - in allen Branchen und Sektoren. Zurzeit stellen dem SES mehr als 14.000 Experten aus allen beruflichen Richtungen ihr Wissen und ihre Erfahrung zur Verfügung.
Die sechs teilnehmenden jungen Menschen aus São Paulo werden folgende Berufe erlernen: Die Stadt Herne konnte eine Veranstaltungstechnikerin gewinnen, die HCR bietet eine Ausbildung zur KfZ-Mechatronikerin. Ein Fachinformatiker sowie eine Kinderpflegerin/Erzieherin werden bei der Stadt Bochum die Ausbildung beginnen. Bei den Stadtwerken Herne können zwei Projektteilnehmer eine Ausbildung als Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik starten. Los geht es für sie Anfang September in den Städten Herne und Bochum.