Die Flagge gegen Rechts

Sie weht in Herne

Protest gegen den erneuten Aufmarsch von Rechtsextremisten in Herne (NW), am Donnerstag (23.01.21020). Diese ziehen nun nichts mehr Dienstags sondern Donnerstags vom Bahnhof durch die westliche Innenstadt. Foto: Stefan Kuhn
"Jeder Meter zählt." Foto: halloherne

Zum zweiten Mal in dieser Woche mobilisierten das überparteiliche Bündnis Herne und die Kirchen am Donnerstag (23.1.2020) die Menschen zum Gegenprotest. Gemeinsam Flagge zu zeigen, dafür ist den Hernern anscheinend kein Wetter zu kalt. Nachdem sich am Dienstag (21.1.2020) schon rund 300 Menschen am Robert-Brauner-Platz und rund 150 Menschen zum Friedensgottesdienst vor der Kreuzkirche versammelt hatten (halloherne berichtete), zeigten zwei Tage später wieder rund 250 (Bündnis) und 120 (Kirche) Menschen, dass Herne bunt ist und dass sie rechtes Gedankengut in ihrer Stadt nicht dulden.

...meinen Frieden gebe ich euch

Ab sofort immer donnerstags! - Zuerst läuteten vor der Kreuzkirche um 17:30 Uhr wieder minutenlang die Kirchenlocken, bevor Dechant Norbert J. Walter von der katholischen Kirche und Pfarrerin Melanie Jansen von der evangelischen Kirche gemeinsam den ökumenischen Friedensgottesdienst abhielten. Dechant Walter nahm in seiner Ansprache Bezug auf das Johannes-Evangelium 14.27, in dem Jesus zu seinen Jüngern sprach: Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Pfarrerin Melanie Jansen, erklärte den Teilnehmern kurz, dass sich das Orga-Team bei der Verlegung des Friedensgottesdienstes auf den Donnerstag einig war: „Wir wollen weiter ein Zeichen setzen gegen Fremdenfeindlichkeit und Hass. Dieser Platz ist unser, und so soll es auch bleiben.“ Und so sangen die rund 120 Christen das erste Lied: Sonne der Gerechtigkeit.

Auch ohne Programm lustig

Ab sofort immer donnerstags! - Am Robert-Brauner-Platz hatte das Bündnis Herne für diesen zweiten Demo-Tag in einer Woche im Vorfeld schon gesagt: „Am Donnerstag werden wir kein großes Programm machen. Es wird etwas Musik aus der Konserve geben und ansonsten werden wir den 'Spaziergängern' einen herzlichen und bunten Empfang bereiten.“ So war es dann auch: Die rund 150 Teilnehmer hörten vom Bündnis-Moderator Gedichte, zum Beispiel von Kurt Tucholsky - Deutschland erwache! -, oder auch Zitate von Bernd Höcke (oder war es jetzt von Björn? Ach is' egal). Er las aber auch Zitate von Eberhardt Alexander Gauland oder von Beatrix von Storch vor. Zur kurzweiligen Unterhaltung der Anwesenden ging der Moderator bei diesen Zitaten in einen fiktiven Dialog und hatte die Lacher auf seiner Seite.

Protest gegen den erneuten Aufmarsch von Rechtsextremisten in Herne (NW), am Donnerstag (23.01.21020). Diese ziehen nun nichts mehr Dienstags sondern Donnerstags vom Bahnhof durch die westliche Innenstadt. Im Bild: Polizisten der Bereitschaftspolizei begleiten die 40 Rechtsextremen durch die Bebelstraße.Foto: Stefan Kuhn
Bereitschaftspolizisten begleiten die "besorgten Bürger" durch die Bebelstraße. Foto: halloherne

Wann geht's denn endlich los?

Ja, das fragten sich immer mehr Herner. „Wir wollen die Marschierern doch sehen und begrüßen und ihnen unser buntes Herne zeigen“, sagte eine Teilnehmerin neben mir. Doch es sollte noch etwas dauern, die Gruppe lies auf sich warten. Ein Bündnis-Mitglied, das vom Bahnhof kam, sagte: „Sie stehen am Bahnhof und wissen wohl nicht so recht, ob sie loslaufen sollen. Vielleicht wissen sie auch nicht wohin.“ Derweil wurden vom Bündnis Plakate mit Comic gegen Rechts oder auch mit „netten“ Sprüchen verteilt, sie sollten den Marschierern entgegen gehalten werden. So war zum Beispiel zu lesen: KEVIN LACH MAL, DU WIRST FOTOGRAFIERT! Als gegen 18:45 Uhr die Ansage kam, dass die Marschierer am Bahnhof gestartet sind, setzte sich der Demo-Zug in Richtung Post- Ecke Bahnhofstraße in Bewegung. Dort trafen über 200 Herner auf eine Gruppe von knapp 40 Marschierern - flankiert und abgeschirmt von 120 Polizisten.

Die "Besorgten"

Seit dem Sommer 2019 marschieren sie durch Herne - jeden Dienstag. Die Gruppe setzt sich aus den unterschiedlichsten rechten Gruppierungen, der Rocker- und der Hooligan-Szene zusammen. Seit dieser Woche wollen sie jetzt donnerstags durch unsere Stadt marschieren. Dienstags können sie nicht mehr, da müssen sie immer in Essen aushelfen und die Gruppe um die Steeler Jungs vergrößern. Bei ihren letzten Märschen in 2019 durch Herne war die Gruppe schon auf rund 35 Personen geschrumpft. Darum hatten sie sich für diesen ersten Donnerstag Verstärkung von der AfD Herne und der Sippe NRW geholt. Das hat auch fast geklappt, sie haben sich auf 40 Personen gesteigert.

Protest gegen den erneuten Aufmarsch von Rechtsextremisten in Herne (NW), am Donnerstag (23.01.21020). Diese ziehen nun nichts mehr Dienstags sondern Donnerstags vom Bahnhof durch die westliche Innenstadt. Foto: Stefan Kuhn
Urkunden für den Spendenlauf. Foto: halloherne
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