270 Nistkästen zur Förderung der Artenvielfalt

Wilko Köster, Julius Wandelt, Prof. Dr. Uli Paetzel und Martin Böllhoff.
Wilko Köster, Julius Wandelt, Prof. Dr. Uli Paetzel und Martin Böllhoff. Foto: Ilias Abawi

Castrop-Rauxel. Nomen est omen: In der Justizvollzugsanstalt „Meisenhof“ in Castrop-Rauxel – gelegen an der „Lerchenstraße“ – haben die dortigen Insassen 270 Vogelnistkästen hergestellt! Im Rahmen der Biodiversitätsinitiative von Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV) werden diese nun zur Förderung der Artenvielfalt auf den Anlagen der beiden Wasserverbände angebracht.

Natürliche Nistplätze vieler Vögel sind in unserer Landschaft rar geworden. Nistkästen können den verlorenen Lebensraum der Vögel ersetzen. Während der Wintermonate bieten sie sogar kleineren Säugetieren ein schützendes Heim. Doch Vogelnistkästen haben auch für uns Menschen einen Vorteil. Zahlreiche Beobachtungen untermauern, dass Meisen auch natürliche Bekämpfer des Eichenprozessionsspinners sind.

„Bereits seit vielen Jahren fördern Emschergenossenschaft und Lippeverband durch eine umweltbewusste Gewässerbewirtschaftung aktiv den Artenschutz“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender von EGLV. „Das bisherige Engagement erweitern wir mit unserer Biodiversitätsinitiative: Zahlreiche Maßnahmen werden zum Schutz bestehender und zur Schaffung neuer Lebensräume der im Emscher- und Lippegebiet heimischen Arten umgesetzt, unter anderem eben auch auf unseren eigenen Anlagen“, so Paetzel weiter. Der erste Nistkasten wurde übrigens gleich im Innenhof der Hauptverwaltung von EGLV in Essen angebracht.

Mit der erfolgreichen Zusammenarbeit mit der JVA Castrop-Rauxel gehen Emschergenossenschaft und Lippeverband einen weiteren Schritt in Richtung „Mehr Artenvielfalt in unserer Region“ und erfüllen ihre Biodiversitätsinitiative weiter mit Leben. Ganz herzlich bedanken sich die Verbände bei der JVA und den an der Kooperation Beteiligten für die wirklich tollen Nistkästen! Schon bald werden zahlreiche weitere Aktionen zum Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten an Emscher und Lippe folgen.

Hintergrund: Die Biodiversitätsinitiative

Der drastische, weltweite Rückgang der Artenvielfalt ist besorgniserregend. Der negativen Entwicklung wollen die sondergesetzlichen Wasserwirtschaftsverbände Emschergenossenschaft und Lippeverband entgegenwirken und die Biodiversität an Gewässern und auf verbandseigenen Anlagen weiter stärken.

Der ökologische Gewässerumbau in den Gebieten von Emscher und Lippe, die nachhaltige Nutzung vieler wasserwirtschaftlicher Anlagen und das gezielte Wiederansiedeln von verschiedenen, selten gewordenen Fischarten sind nur einige Beispiele für bereits laufende Maßnahmen.

Biodiversität ist ein Kernbestandteil des Programms „Lebendige Gewässer“, das im Emscher- und Lippe-Gebiet an Gewässern wie Auen sehr erfolgreich umgesetzt wird. Der Gewässerumbau wird dazu seit vielen Jahren durch ein intensives Monitoring begleitet, das zum Beispiel die Entwicklung der gewässertypischen Fauna und Flora, darunter auch seltene oder gefährdete Arten, beobachtet.

Insgesamt hat sich beispielsweise im Zuge der ökologischen Verbesserung der Emscher seit rund 30 Jahren die Artenzahl gewässerlebender wirbelloser Tiere im Emscher-Gebiet etwa verdreifacht. Durch das Programm „Lebendige Lippe“ schaffen EGLV neue Habitate für eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt. Dadurch ist an der Lippe die Biodiversität erheblich gestiegen – ein herausragendes Projekt ist die renaturierte Lippe-Mündung in Wesel mit mehr als 600 nachgewiesenen Tier- und 425 Pflanzenarten. Die Artenvielfalt wird außerdem indirekt auch durch die Verbesserung der Wasserqualität, das heißt die Ertüchtigung der Reinigungsleistung der Klär- und Regenwasserbehandlungsanlagen, gefördert.

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