Noch einmal mit dem Schulbus fahren

Magdalenas Herzenswunsch

Magdalena Mönigs Herzenswunsch ging Erfüllung, sie ist noch einmal mit dem Schulbus gefahren.
Magdalena Mönigs Herzenswunsch ging Erfüllung, sie ist noch einmal mit dem Schulbus gefahren. Foto: Carola Quickels

Magdalena Mönig (19) ist krank, schwer krank. Magdalena hat einen Gendefekt am Herzen, ist austherapiert und als wenn das alleine nicht reichen würde, überstand Magdalena im letzten Monat noch zwei Schlaganfälle. Magdalena hat noch einen letzten Herzenswunsch: Sie würde gerne noch einmal mit dem Schulbus fahren, der sie jahrelang zu ihrer Schule am Schwalbenweg fuhr.

Bei der Erfüllung dieses Herzenswunschs halfen zwei Menschen aktiv mit: Monika Wiede, eine Freundin der Familie, die sich dachte, das muss doch machbar sein. Sie kannte zum Glück „eine nette Frau, die bei der Firma Graf Reisen & Spedition arbeitet. Der habe ich von Magdalenas Wunsch erzählt, und schon einige Tage später kam prompt eine Einladung.“ Der zweite aktive Herzenzwunsch-Erfüller war Michael Thüring, der Geschäftsführer von Grafs Reisen: „Es ist nicht das erste Mal, dass ich solch eine 'Sonderfahrt' übernehme. Das ist doch etwas, was wir leicht erfüllen können. Wenn wir die Freude in den Gesichtern sehen, freuen wir uns auch."

Magdalena Mönigs Herzenswunsch: Noch einmal mit dem Schulbus fahren.im Bild Geschäftsführer der Firma Anton Graf: Michael Thüring. Magdalena und Heike Mönig im Schulbus. Magdalena Mönigs Herzenswunsch: Noch einmal mit dem Schulbus fahren - Magdalena und Heike Mönig.

Noch einmal mit dem Schulbus fahren

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Am Mittwoch (14.10.2020), pünktlich um 15 Uhr, schob Mutter Heike Mönig, gemeinsam mit Bruder Antonio, Magdalena in ihrem Rollstuhl auf das Gelände der Firmengelände an der Edmund-Weber-Straße. Mit dabei war natürlich Monika Wiede und eine weitere Freundin, Garcia Lorencki, die Mutter Heike als die gute Fee der Familie vorstellte. Begrüßt wurden sie von Geschäftsführer Michael Thüring, der diese besondere Busfahrt übernahm.

Gemeinsam ging es über das Firmengelände auf den Schulbus zu, den Magdalena natürlich schon von Weitem erkannte. Nachdem Thüring die Rollstuhl-Rampe herunter gelassen hatte, wurde eine sichtlich aufgeregte Magdalena in den Bus geschoben. Nur gemeinsam mit der Mutter schaffte es Magdalena bis zur 4er-Sitzgruppe im Bus. „Seit den beiden Schlaganfällen“, erklärte die Mutter, „kann Magdalena gar nicht mehr laufen.“ Zum „Warmfahren“, wie Michael Thüring sagte, ging es einmal über das Betriebsgelände, auf dem die unterschiedlichsten Busse parkten. Das alleine war für Magdalena schon ein kleines Abenteuer. Mutter Heike: „Meine Tochter liebt Busse, große Fahrzeuge und vor allem Bagger.“

Die Familie: Heike, Antonio und Magdalena Mönig. Erfüllung eines Herzenswunsch: Noch einmal mit dem Schulbus fahren.
Die Familie: Heike, Antonio und Magdalena Mönig. Erfüllung eines Herzenswunsch: Noch einmal mit dem Schulbus fahren. Foto: Carola Quickels

Das bekamen alle Mitfahrenden auf der anschließenden Fahrt mit, da Magdalena lautstark jeden Bus, jeden Lkw und erst recht jede Baustelle mit einem Bagger kommentierte. „Als es Magdalena noch ein wenig besser ging, hat sie bei ihrem Vater im Sauerland sogar einen „Bagger-Führerschein“ gemacht. Damals konnte sie noch laufen“, erklärte Heike Mönig. Michael Thüring fuhr mit der Busgesellschaft eine 'extra-super-große' Runde: von Röhlinghausen aus ging es Richtung Wanne, durch Holsterhausen, nach Herne und zum Herner Bahnhof. Anschließend ging es über die Heerstraße - am Cranger Kirmes Platz vorbei - zurück zum Firmen-Gelände in Röhlinghausen.

Magdalena hat einen Gendefekt am Herzen, der nicht sofort erkannt wurde. Mutter Heike: „Magdalena war ein ganz normales Kind und ist in eine ganz normale Schule gegangen. Im 1. Schuljahr ist sie zusammengebrochen. Damals wurde eine Entzündung am Herzen diagnostiziert und sie bekam Medikamente." Als diese nach einem halben Jahr abgesetzt wurden, ist Magdalena zu Hause wieder zusammengebrochen und wurde von der Mutter reanimiert. Durch diesen erneuten Zusammenbruch, der mit einer Sauerstoffunterversorgung einher ging, erlitt sie einen hypoxischen Hirnschaden und lag ein viertel Jahr im Wachkoma, bevor sie ein halbes Jahr später wieder nach Hause durfte. Heute ist sie austherapiert und wird vom Kinderpalliativzentrum Datteln betreut.

Magdalena Mönigs Herzenswunsch: Noch einmal mit dem Schulbus fahren.
Magdalena Mönigs Herzenswunsch: Noch einmal mit dem Schulbus fahren. Foto: Carola Quickels

Das Kinderpalliativzentrum hat vor zwei Jahren den Kontakt zum Verein Herzenswünsche Münster hergestellt, der den Mönigs einen Familien-Wunsch erfüllte: Einmal gemeinsam in Urlaub fahren und das Meer sehen. Der Verein Gulliver for Kids, der unbürokratisch Transporte für schwerst erkrankte Kinder übernimmt, hat dazu beigetragen, das die Fahrt ans Meer möglich wurde. „Das würde Magdalena heute nicht mehr schaffen“, sagt die Mutter. „Ja, zu anstrengend“, ergänzt Magdalena.

In der letzten Lebensphase können selbst kleinste Wünsche zu unüberwindbaren Hindernissen mutieren. Dabei sind 'letzte Wünsche' oftmals so unterschiedlich wie Tag und Nacht: Noch einmal am Meer die steife Brise durch die Haare wehen lassen; noch einmal mit dem Riesenrad fahren; noch einmal ein Spiel des Lieblingsvereins Live erleben; noch einmal Kaffee und Kuchen mit der Familie zuhause genießen. Oder: Noch einmal mit dem Schulbus fahren.

Wie schön ist es dann, wenn einem beste Freunde, gute Feen oder freundliche Busfahrer zur Seite stehen und die Wünsche wahr werden lassen.

Magdalena Mönigs Herzenswunsch: Noch einmal mit dem Schulbus fahren. im Bild v.l. v.l. Gracia Lorencki, Monika Wiede, Graf Geschäftsführer Michael Thüring, Heike, Antonio und Magdalena Mönig.
v.l. Gracia Lorencki, Monika Wiede, Graf Geschäftsführer Michael Thüring, Heike, Antonio und Magdalena Mönig. Foto: Carola Quickels
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