Transkulturelle Pflege beugt Missverständnissen vor

EvK: Fachberatung Pflege entwickelt Konzept

Neslihan Cörten, Fachberatung Pflege, mit einem Kalender, der die wichtigsten Daten und Feiertage der großen Weltreligionen enthält und in der Kapelle des EvK hängt.
Neslihan Cörten, Fachberatung Pflege, mit einem Kalender, der die wichtigsten Daten und Feiertage der großen Weltreligionen enthält und in der Kapelle des EvK hängt. Foto: Ev. Krankenhausgemeinschaft Herne | Castrop-Rauxel

Kulturell bedingte Unterschiede können im Klinikalltag zu Missverständnissen führen. Das gilt für den Umgang mit den Patienten, aber in Einzelfällen auch für das Miteinander innerhalb der Pflege-Teams. Das nahm die Fachberatung Pflege der Evangelischen Krankenhausgemeimschaft Herne | Castrop-Rauxel zum Anlass, um einen Leitfaden zu entwickeln, der allen Beschäftigten in der Pflege als alltagspraktische Orientierungshilfe dient. Die Basis für das Konzept bildete die Abschlussarbeit einer Pflegekraft aus der Weiterbildung zur Stationsleitung.

Jeder Mensch ist geprägt durch seinen persönlichen kulturellen, religiösen, familiären und sozialen Hintergrund. So ist die Gesellschaft immer bunter und vielfältiger geworden. Doch gibt es immer wieder Situationen, in denen die Unterschiede zu Missverständnissen bis hin zu Unmut führen. „Da wir als Pflegende unseren Patient*innen besonders nahe kommen, prallen gerade in unserem Bereich manchmal echte Welten aufeinander“, sagt Karin Andrzejewski, Fachberatung Pflege, EvK Herne.

Der neu entwickelte Leitfaden gibt Aufschluss über folgende Bereiche: Grundzüge der jeweiligen Religion, Rolle der Geschlechter, Körperpflege, Essen und Trinken, Umgang mit Schmerz und Sterben, Beten und religiöse Feiertage. Erfasst wurden Islam, Judentum, Zeugen Jehovas, aber auch das Christentum, um allen Mitarbeitenden, die eine andere Religionszugehörigkeit haben, ebenfalls eine Orientierungshilfe zu bieten.

Ein Beispiel ist der unterschiedliche Umgang mit Schmerzen, je nach kulturellem Hintergrund. Erhält ein Patient ein Schmerzmedikament, äußert er danach im Regelfall keine Beschwerden mehr. Bei Muslimen hingegen ist es üblich, vor allem in Anwesenheit von Familienangehörigen, auch dann noch laut zu klagen, wenn das Symptom nach der Medikation nicht mehr vorhanden ist. Denn diese Schmerzdemonstration sichert dem Kranken eine gesteigerte Zuwendung durch die Familie. „Bei nicht-muslimischen Pflegekräften sorgt das für Irritationen, weil sie nicht verstehen, warum der Kranke noch klagt, obwohl er rein medizinisch betrachtet keine Schmerzen mehr spüren dürfte“, sagt Neslihan Cörten, Fachberatung Pflege, EvK Castrop-Rauxel.

Der Leitfaden zur transkulturellen Pflege erfüllt neben praktischen Handlungshinweisen noch einen weiteren Zweck. „Natürlich war uns immer klar, dass verschiedene kulturelle und religiöse Hintergründe Auswirkungen auf menschliches Verhalten haben. Aber in der konkreten Auseinandersetzung und der Gegenüberstellung dieser Unterschiede ist uns noch einmal bewusst geworden, wie wichtig es für uns alle ist, das richtige Verständnis füreinander zu entwickeln“, erklärt Beate Schlüter, Pflegedirektorin der Ev. Krankenhausgemeinschaft Herne | Castrop-Rauxel.

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