Strukturmatrize nicht neu geklebt

Kündigung der Reckli GmbH folgte

Bei der Verwirklichung „anspruchsvoller Fassadendesigns“ durch Betonelemente legt das darauf spezialisierte Herner Unternehmen Reckli GmbH in seinem Werk II größten Wert auf Präzision, wie Rechtsanwalt von Vell jetzt Arbeitsrichter Nierhoff die Gründe erläuterte, warum die Firma einen seit vier Jahren beschäftigten Mitarbeiter am 10. September 2020 fristlos hilfsweise zum Monatsende Oktober 2020 gekündigt hatte.

Der Mann sei beim Aufkleben einer Matrize für den Guss eines Betonteils zunächst vom Qualitätsbeauftragten vergeblich und später vom Betriebsleiter ebenfalls vergeblich aufgefordert worden, die Matrize abzureißen und neu zu kleben. Bei der ersten Ablehnung soll es noch bei einem schlichten „Nein, das mache ich nicht“ geblieben sein, doch später sei gegenüber dem Betriebsleiter noch eine heftige Beleidigung gefolgt, bevor der Mitarbeiter „später das Gelände verließ und nicht mehr gesehen wurde,“ so der Firmenanwalt weiter.

Klägeranwältin Riemann wartete dagegen mit einer anderen Version auf. Ihr Mandant sei bei der Aufforderung, die Matrize neu zu kleben, mit dem beleidigenden Zusatz „Oder bist Du dazu zu dämlich“ bedacht worden, habe sich sehr darüber aufgeregt und habe deshalb vorsorglich den Betrieb verlassen, damit die Sache nicht eskaliere.

Der von der Geschäftsführung umgehend informierte Betriebsrat stimmte am 12. September 2020 der Kündigung zu. Das Einzige, was er der Klägerseite bei diesem Sachverhalt anbieten könne, so der Firmenanwalt, sei eine fristgerechte Beendigung zum 31. Oktober 2020 ohne Abfindung. Da auch die Klägeranwältin damit erst einmal einverstanden war, konnte Richter Nierhoff diesen Vergleich zu Protokoll nehmen.

Weil der Kläger aber persönlich nicht geladen war, bat sich seine Anwältin zwei Wochen Widerrufsfrist aus, um diese Lösung mit ihrem Mandanten zu besprechen. (AZ 5 Ca 1766/20)

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