Schlieker-Haus: Von und nach Procida

Das Schlieker-Haus in Bochum-Querenburg.
Das Schlieker-Haus in Bochum-Querenburg. Foto: Sabine Herrmann

Die Arbeitsaufenthalte des Informel-Künstlers Hans-Jürgen Schlieker Ende der 1970er Jahre auf der Insel Procida im Golf von Neapel waren von entscheidender Bedeutung für seine spätere Malerei. Der Bildband „Schlieker - Von und nach Procida“, zusammengestellt von Dr. Wolfgang Zemter, dokumentiert diese Zeit und ist der Ausgangspunkt einer neuen Ausstellung im Bochumer Schlieker-Haus, zu der auch einige Fotos von Angelika Herker-See gehören. Ähnlich wie 20 Jahre zuvor der Aufenthalt in Spanien, wurde „Procida“ absolut prägend für Schlieker, geradezu eine Befreiung zur Malerei seines reifen Alterswerks.

Claudia Buckup-Schlieker.
Claudia Buckup-Schlieker. Foto: Sabine Herrmann

Im am Rande des Bochumer Univiertels unserer südlichen Nachbarstadt gelegenen ehemaligen Wohn- und Atelierhaus hält Künstler-Tochter Claudia Buckup-Schlieker das Andenken an ihren Vater wach. Die Papierarbeiten und Malereien umfassen den Zeitraum von 1977 bis 1997. Wahrscheinlich erstmalig gezeigt werden die sehr privaten, gegenständlichen Werke, die 1976, 1978 und 1979 auf Procida entstanden, dem damals gänzlich unbekannten, armen Nachbar-Eiland von Ischia. Schlieker hatte sie auf einer Tagesfahrt von Ischia aus für sich entdeckt und sollte sie noch dreimal zu längeren Arbeitsaufenthalten besuchen. Die morbide Ästhetik der ehemals von Wohlstand erzählenden Häuser und Kirchen im Zusammenklang mit der Lebhaftigkeit des italienischen Lebens traf sein Lebensgefühl, das romantisch-melancholisch, wehmütig und euphorisch war, immer auf der Suche nach sich selbst und seiner malerischen Erfüllung.

Die abstrakten Arbeiten auf Papier, die auf Procida entstanden sind, haben landschaftliche Anmutungen durch Andeutungen von Horizontlinien. Die vorgefundenen Rhythmen und Stimmungen in der Natur sind Anlass für diese eher meditativ gestimmten malerischen Übersetzungen, welche Landschaft nicht abbilden aber im Betrachter Landschaftsvorstellungen wachrufen, wie Sepp Hiekisch-Piccard, Vize-Direktor des Bochumer Kunstmuseums, einmal befand.

„Der Aufenthalt auf Procida war für meinen Vater von besonderer Bedeutung, weil die Prägung, die dort im unbewussten und auch im bewussten Bereich seiner künstlerischen Existenz ihren Niederschlag gefunden hat,“ sagt Buckup-Schlieker. Und weiter: „Seit Procida können in seiner Malerei der landschaftliche Aspekt und die informel-gestischen Strukturen symbolisch gesehen werden, wenn man bereit ist Landschaft begrifflich zu verstehen. Sie ist nicht nur als eine Formation zu begreifen, die aus einer Horizontalen besteht, die Erde oder Wasser vom Firmament trennt. Sie kennzeichnet sich auch durch Strukturen aus, Felsen, Gräser, Sandverformungen und anderes.“

Auf Procida machte der Informel-Künstler die Erfahrung, dass er Landschaft nicht mehr ganzheitlich zu sehen braucht. „Es braucht kein Oben oder Unten, keinen Horizont, keine Staffelung des Tiefenraums, sondern nur die sinnliche und atmosphärische Wahrnehmung.

Es bleibt der Ausschnitt mit Fläche, Form und Farbe allein oder in Kombination als ein Teil für alles, als Erinnerung von spezifischer Landschaft. Der Betrachter mag es erkennen, nachempfinden, sich erinnern an eigene Seherlebnisse,“ erläutert die Maler-Tochter.

Das Schlieker-Haus am Paracelsusweg 18 in Bochum-Querenburg (in U35-Nähe gelegen, Haltestelle Hustadt) wird bis zum 1. November 2020 immer sonntags von 15-18 Uhr geöffnet sein. Nach Absprache ist auch jeder andere Termin möglich. Es wird darum gebeten, sich an die Coronavorgaben zu halten. Anmeldung erbeten unter Tel 0234/9 789 511.

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