Herner TV-Duell

Möhring gegen Król

Gottfried Binder (Joachim Król) ist an Lungenkrebs erkrankt. Die empathische Doktorantin Pat Wyss (Lale Türkan Yavaş) lässt ihn heimlich seine Krankenakte studieren.
Gottfried Binder (Joachim Król) ist an Lungenkrebs erkrankt. Die empathische Doktorantin Pat Wyss (Lale Türkan Yavaş) lässt ihn heimlich seine Krankenakte studieren. Foto: 3-Sat/Lisa Film

Am Sonntag, 31. Juli 2022, kommt es zur Prime-Time zu einem Herner TV-Duell zwischen den beiden Herner Schauspielern Wotan Wilke Möhring und Joachim Król, bei dem rein zeitlich gesehen Letzterer die Nase vorn hat: „Tod eines Keilers“ beginnt um 20.15 Uhr auf 3-Sat, während der NDR-Tatort „Die goldene Zeit“ aufgrund des Finales der Frauen-Europameisterschaft im Fußball zwischen Gastgeber England und Deutschland erst um 20.35 Uhr im „Ersten“ beginnt.

Tod eines Keilers

Gottfried Binder (Joachim Król) ist ein bescheiden-unscheinbarer, freundlich-kollegialer, aber, vor allem seit seine Frau gestorben ist, ein zumeist recht introvertierter Mensch. Zwei Wochen vor seiner Pensionierung erfährt der Pathologieassistent und überzeugter Nichtraucher, dass er an Lungenkrebs erkrankt ist und nur noch wenige Monate zu leben hat.

Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring, l.) und Julia Grosz (Franziska Weisz, r.) sind angesichts von Prostitution und modernem Menschenhandel jede Nostalgie vergangen. Was ist Voica (Emma Drogunova) zugestoßen?
Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring, l.) und Julia Grosz (Franziska Weisz, r.) sind angesichts von Prostitution und modernem Menschenhandel jede Nostalgie vergangen. Was ist Voica (Emma Drogunova) zugestoßen? Foto: NDR/Christine Schroeder

Seine junge Kollegin, die Doktorantin Pat Wyss (Lale Türkan Yavaş), lässt ihn heimlich seine Krankenakte studieren, was Binders Vorgesetzten, den Oberarzt Dr. Horst Götze (Stefan Kurt), derart in Rage versetzt, dass er damit droht, Pats Promotion und Facharzt-Prüfung platzen zu lassen. „Macht macht blöd“ kommentiert Pat den Vorfall, der sie die wissenschaftliche Karriere kosten könnte.

Denn auch der Züricher Institutsleiter Professor Charles Bernbeck (Friedrich von Thun) ist keine Hilfe. Obwohl im Dauerstreit mit dem allzu ehrgeizigen Oberarzt liegend, will er an seinem Institut keine Unruhe aufkommen lassen, zumal der arrogante Patriarch, der daheim seine „aus Argentinien mitgebrachte“ Frau Maria nur als bessere Hausdame und Köchin hält, seine zwielichtigen Gutachter-Geschäfte mit seinem Freund, Professor Eugen Rusterholz (Hans-Michael Rehberg), nicht in Gefahr bringen will.

Götze macht Binder unmissverständlich klar, dass er schon bald ganz aus dem Lebens-Spiel heraus sein wird. Auch Binders Gespräche mit dem philosophierenden Kneipenwirt Conny („Balance der Natur“: Robert Hunger-Bühler) machen ihn eher noch melancholischer und so beschließt er, sich einen alten Traum zu erfüllen: Einmal den Kilimandscharo besteigen und dann dort sterben…

Die goldene Zeit

Ein vielleicht 14-jähriger Junge mit Kapuze über dem Kopf klingelt an der Tür eines anonymen Wohnblocks auf St. Pauli. Als niemand aufmacht, wartet er geduldig auf der Treppe, bis ein bulliger Mann mittleren Alters die Wohnungstür aufschließt. In diesem Moment sticht der Junge zu, erst von hinten, dann mehrfach von vorn. Ganz offenbar die Affekthandlung eines Wütenden - freilich nicht im juristischen Sinn.

Das Landeskriminalamt geht von einem Auftragsmord im Rotlichtmilieu aus, war das Opfer Johannes Pohl (Till Butterbach) doch Inhaber des fünfstöckigen „Lovedome“, einem offenbar gewinnbringenden Puff-Hochhaus im Hamburger Kiez. Weshalb der LKA-Mitarbeiter Thomas Okonjo (Jonathan Kwesi Aikins) das Bundespolizei-Ermittlergespann Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz) zur Seite gestellt bekommt. Auf einem Überwachungsvideo ist der jugendliche Täter zu sehen, der seine Jacke am Tatort zurückgelassen hat – mit der erst vor kurzem ausgestellten Quittung eines Bukaresker Kiosks. Er muss also gerade erst aus Rumänien eingereist sein, was die Recherche auf die Transportwege fokussiert, die Polizei aber nicht wirklich weiterbringt.

Was auch daran liegt, dass Michael Lübke (Michael Thomas) dem schwerkranken Vater des Opfers, dem einstigen „König von St. Pauli“ Egon Pohl (Christian Redl), verspricht, die Tat, welche nur von den sich seit geraumer Zeit im Milieu breit machenden Albanern in Auftrag gegeben worden sein kann, zu rächen. Ein von ihm im Hausflur gefundenes blutverschmiertes Handy führt „Eisen-Lübke“, so sein Spitzname zu deutlich besseren Tagen, ins Elbhostel zum Täter: Es ist der noch minderjährige Rumäne Matei Dimescu (Bogdan Iancu), der für 2.000 Euro zum Mörder geworden ist, nur um seinem Vater daheim ein neues Fernsehgerät kaufen zu können…

Autor: