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Das Projekt 'Youth for equality' will junge Menschen stärken.

Projekt 'Youth for equality' will Jugendliche sensibilisieren

Gleichberechtigung und Demokratiedenken stärken

In einer Zeit, in der schon Jugendliche Erfahrungen mit Gewalt, Diskriminierung, geschlechterspezifischer Ungleichheit oder auch fehlendem Demokratieverständnis machen müssen, ist es umso wichtiger, den jungen Menschen die Wichtigkeit von einem respektvollen und gesellschaftlichem Miteinander zu vermitteln. Hier setzt nun das Projekt „Youth for equality“ des Büros für Gleichstellung und Vielfalt der Stadt Herne in Kooperation mit der Frauen- und Mädchenberatungsstelle Schattenlicht und dem Verein Hennamond an.

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25.000 Euro Förderung aus der Krupp-Stiftung

25.000 Euro haben die Verantwortlichen aus dem Förderprogramm „150 Jahre Villa Hügel - 150 Projekte für das Ruhrgebiet“ der Krupp-Stiftung für die Umsetzung des Projektes, welches auf zwei Jahre ausgelegt ist, erhalten. Dafür hatten sich die Akteure bereits im vergangenen Jahr beworben und die Verantwortlichen der Krupp-Stiftung von ihrer Projektidee überzeugt.

„Wir kommen mit dem Projekt an die Schulen. Das Angebot richtet sich an Schulklassen ab der 8. Klasse. Wir wollen in Unterrichtsstunden mithilfe von Workshops auf Themen wie Rassismus, Diskriminierung, Wertevermittlungen, Gleichberechtigung, Demokratie, aber auch auf Zwangsverheiratung und falsches Verständnis von Ehre, aufmerksam machen“, berichtet Cordelia Neige, Leiterin des Büros für Gleichstellung und Vielfalt.

Rückkehr zu stereotypischen Rollenbildern

Freuen sich, das Projekt umzusetzen (v.l.): Cordelia Neige, Melanie Kampa (beide Büro für Gleichstellung und Vielfalt) und Annelie Gogolla (Beratungsstelle Schattenlicht).

Melanie Kampa, ebenfalls vom Gleichstellungsbüro, ergänzt: „Wir erleben leider gerade, dass auch die sozialen Medien dazu beitragen, dass für junge Mädchen stereotypische Rollenbilder immer wichtiger werden und sie an Schönheitsidealen, die sie im Netz sehen, festhalten. Aber auch Jungen werden maßgeblich durch das, was sie auf Social Media konsumieren, beeinflusst.“

Eine Erfahrung, die auch Annelie Gogolla von der Frauen- und Mädchenberatungsstelle Schattenlicht teilt. „Es ist, als würden wir eine Rolle rückwärts machen. Manchmal denke ich bei meiner Präventionsarbeit, dass wir doch schon mal viel weiter waren. Einige Mädchen nehmen kontrollierendes Verhalten bei ihrem Freund einfach so hin oder haben bereits Gewalterfahrungen erleben müssen“, berichtet Gogolla.

'Ich weiß wie sich Betroffene fühlen'

Ein weiterer Aspekt in dem Projekt ist die Thematik rund um Zwangsverheiratung oder arrangierter Ehe. Der Verein 'Hennamond' setzt sich für Aufklärungsarbeit ein und unterstützt junge Menschen, die von Zwangsehe, familiärer Gewalt oder auch angedrohtem „Ehrenmord“ betroffen sind. Die Autorin und Gründerin Fatma Sonja Bläser war selbst von einer Zwangsheirat betroffen und liest während der Workshops aus ihrem autobiografischen Buch „Hennamond“.

„Da ich selbst von Zwangsverheiratung betroffen war, weiß ich, wie sich die Jugendlichen fühlen und unter welchem Druck sie stehen. Wir wollen Mädchen und Jungen einen Raum schaffen, an dem sie geschützt sind. Überhaupt wollen wir mit dem Projekt Gleichberechtigung und das Demokratieverständnis stärken, denn nur so kann ein gesellschaftliches 'Wir'-Gefühl wirklich gelebt werden“, betont Fatma Sonja Bläser.

Es ist ein Thema, das Annelie Gogolla von Schattenlicht sehr berührt, da sie in ihrer Arbeit auch immer wieder mit Zwangsheirat oder arrangierter Ehe zu tun hat. „Es erfordert unglaublich viel Mut von den Mädchen, sich aus dieser Zwangsehe zu befreien. Denn vielfach verlieren die Mädchen dann ihre gesamte Familie und nicht selten müssen sie untertauchen“, macht Gogolla deutlich.

Jugendliche Multiplikatoren

Um vielleicht nochmals einen anderen Zugang zu den Jugendlichen während des Projekts zu gewinnen, wird Fatma Sonja Bläser von sogenannten Champs begleitet, jugendlichen Multiplikatoren im Alter zwischen 16 und 26 Jahren, die in Workshops mit den Jugendlichen arbeiten. Dafür werden die Champs ein Jahr lang wöchentlich trainiert.

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Los geht es mit dem Projekt Anfang Juli. 15 Schulen sind mittlerweile dabei. Wenn noch weitere Schulen Interesse an einer Kooperation mit dem Projekt haben, können sie sich an das Büro für Gleichstellung und Vielfalt wenden: Tel 02323 16-2629 sowie -2836 oder Mail gleichstellung-vielfalt@herne.de.

| Autor: Julia Blesgen
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