Falscher Umgang mit Antibiotika

10. Hygienetag - Kritik an Verordnungspraxis

v.l. Prof. Dr. Sebastian Lemmen, Wolfgang Merkens, Prof. Dr. Eckgard Müller, Prof. Dr. Dr. André Gessner und Prof. Dr. Martin Mielke.
v.l. Prof. Dr. Sebastian Lemmen, Wolfgang Merkens, Prof. Dr. Eckgard Müller, Prof. Dr. Dr. André Gessner und Prof. Dr. Martin Mielke. Foto: EvK

Der richtige Umgang bei der Verordnung von Antibiotika ist entscheidend, damit die Patienten die Infektion überleben, aber nicht gleichzeitig noch mehr resistente Bakterien entstehen. Auf diesen gemeinsamen Nenner konnten sich alle Experten einigen, die im November 2019 beim 10. Herner Hygienetag im Seminarzentrum am Evangelischen Krankenhaus Herne über wirksame Möglichkeiten zur Vorbeugung gegen eine Ansteckung durch Krankenhauskeime diskutierten.

Drei Kardinalfehler gebe es im Umgang mit Antibiotika, laut Prof. Dr. Eckhard Müller, Organisator des Kongresses und Vorsitzender der Hygienekommission der Ev. Krankenhausgemeinschaft Herne | Castrop-Rauxel: falsche Diagnose, falsche Dosierung, falsche Therapiedauer. Vor allem im ambulanten Bereich, der mit 85 % den Löwenanteil bei der Verordnung von Antibiotika ausmacht, gelte es umzudenken. Dafür plädierte Prof. Dr. Martin Mielke vom Berliner Robert-Koch-Institut, der dazu die hohe Zahl stationärer Aufnahmen dafür verantwortlich machte, dass Deutschland im europaweiten Vergleich im Spitzenfeld der Erkrankung an Krankenhausinfektionen liegt.

Dass auch die Hygienebedingungen in den Krankenhäusern darüber hinaus zu dieser Entwicklung beitragen, daraus machte Wolfgang Merkens, Hamburg, keinen Hehl. Mit seiner „Psychologie der Hygiene“ stellte er heraus, dass das Problem nicht bei mangelnden Hygienevorschriften oder Schulungen zu suchen sei. Das Wissen und die entsprechenden Möglichkeiten seien vorhanden. Das Problem liege vielmehr bei der Einzelperson, die ihre individuelle Verantwortung für ihr Handeln am Patienten erkennen müsse.

Einen Einblick in die Medizin von morgen bot Prof. Dr. Dr. André Gessner, Regensburg, mit seinem Vortrag „Mikrobiom 2019“. Mikrobiome sind in den letzten Jahren in den Fokus der wissenschaftlichen Forschung gerückt. Dabei handelt es sich um Organismen, die in und auf unserem Körper existieren und eine wichtige Schutzfunktion haben. Prof. Dr. Dr. Gessner stellte im Zusammenhang mit dem Einsatz von Antibiotika fest, dass diese nachweisbar dem Mikrobiom Schaden zufügen und dadurch den Weg frei machen für Erkrankungen jeder Art.

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