Ein Battle unter Fahnen

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Mitglieder des Bündnis Herne ziehen friedlich durch die Behrenssstraße. Foto: halloherne

Seit August 2019 marschieren sie regelmäßig dienstags durch die Herner City - die selbsternannten 'Besorgten Bürger'. Anfangs jeden Dienstag, mittlerweile schaffen sie es nur noch jeden zweiten Dienstag. Seit dieser Zeit formiert sich auch der Gegenprotest rund um das Herner Bündnis - jeden Dienstag. So versammelten sich auch am Dienstag (19.11.2019) rund 300 Gegendemonstranten - sie sind die wirklich besorgten Bürger - auf der Bahnhofstraße am roten Oval. Wer an diesem Dienstag frühzeitig kam, der glaubte seinen Augen und Ohren nicht zu trauen. Links vom Oval standen Menschen der MLPD, die Woche für Woche ihre roten Wimpel schwenken, rechts vom Oval hatten sich Menschen der Satire-Partei aus Recklinghausen versammelt und in der Mitte standen die Organisatoren vom Herner Bündnis. Drei verschiedene Gegen-Demos - eigentlich alle gegen die Aufmärsche gerichtet. Wohlgemerkt eine jede soll angemeldet gewesen sein.

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Plakate der Recklinghäuser "Partei", Foto: halloherne

Die Partei und die MLPD lieferten sich alsbald ein wortreiches und lautstarkes Battle. Die MLPD hatte dazu eine mobile Lautsprecheranlage dabei und die Partei konterte mit einem Megaphon und in der Mitte standen jetzt rund 20 Bereitschaftspolizisten um ein direktes Aufeinandertreffen dieser Kontrahenten zu verhindern. Hintergrund dieser verbalen Auseinandersetzung dürfte wohl die Tatsache sein, das Peter Weispfenning Strafanzeige gegen "Die Partei", Kreisverband Recklinghausen, gestellt hat. Der MLPD Funktionär fand die Satire-Aktion der Partei - die zu einem frei erfundenen Höcke-Weispfenning-Pakt aufgerufen hatte - wohl nicht ganz so lustig.

Nach diesem Zwischenspiel nahm die Bündnisveranstaltung ihren gewohnten Lauf. Doch zunächst wurde den MLPD-Vertretern per Mikrofondurchsage erklärt, dass ihre Parteifahnen hier unerwünscht sind. Auch diesmal zeigten sich die Vertreter der vom Verfassungsschutz beobachteten Kleinstpartei uneinsichtig. Der spontane Kommentar einer Demobesucherin und Mutter: „Trotzig wie Kleinkinder."

Rechtsextreme laufen am Dienstag (19.11.2019), in Herne (NW), auf dem Westring.Foto: Stefan Kuhn
Rechtsextreme laufen auf dem Westring unter einem Transparent her. Foto: Privat
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Rechtsextremisten in Polizeibegleitung auf der Freiligrathstraße. Wenig später kam es zur Spuckattacke. Foto: halloherne

Es folgten Wortbeiträge, unter anderem von Stefan Marx (DGB Ruhr-Mark) und Lieder. Im Anschluss zogen die Demonstranten wieder in geordneten Bahnen durch die City. Also keine besonderen Vorkommnisse? Nein, nicht ganz. Als sich auf der Markgrafenstraße, vor dem Eintreffen der Rechtsextremen, einige Gegendemonstranten auf die Straße setzen wollten, verhinderten dies Essener Bereitschaftspolizisten. Bislang eine unübliche Vorgehensweise angesichts des friedlichen Protestes. Wenige Meter weiter, vor dem Finanzamt, dort kommen sich seit Wochen die Marschierer und die Gegendemonstranten ganz nahe, konnte einer der 'Besorgten Bürger' nicht an sich halten, und spuckte einem Gegendemonstranten direkt ins Gesicht. Eine Strafanzeige folgte sofort. Diesmal waren es in der Summe deutlich weniger 'Besorgte'. Laut Polizeiangabe waren es rund 40 Personen.

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Die karitative Hütte des Bündnis Herne auf dem Weihnachtsmarkt am Robert-Brauner-Platz. Foto: halloherne

An diesem Abend stand dem Bündnis Herne auch die karitative Hütte auf dem Weihnachtsmarkt am Robert-Brauner-Platz zur Verfügung. Oder sollte es besser kreativ lauten? Hier konnten Kieselsteine mit Sprüchen verziert und Buttons geprägt werden. Und: es gab viele Gespräche mit Bürgern zum Auftreten der Rechtsextremen und dem Protest des breiten gesellschaftlichen Bündnisses dagegen.

Unterdessen versammelten sich bei dem ökumenischen Friedensgebet an der Kreuzkirche - trotz Kälte und Dunkelheit - wiederum 150 Personen. Gesungen wurde mit der musikalischen Unterstützung von Nina Schröder am Akkordeon. Pfarrer Thomas Poggel von der katholischen Dionysius-Gemeinde erinnerte an die Propheten des Alten Israels, die immer dann in Gottes Auftrag zum Frieden aufriefen, wenn politisches Reden und Handeln Gottes Wort widersprachen.

Aus Sicht der Bochumer Polizei verlief der Abend im Rückblick ohne weitere Zwischenfälle und damit weitgehend reibungslos.

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Bemalte Kieselsteine. Foto: halloherne
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