Droste-Hülshoff-Preis 2020 für Michael Roes

LWL verleiht dem Schriftsteller Michael Roes den Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis.
LWL verleiht dem Schriftsteller Michael Roes den Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis. Foto: Privat

Münster (lwl). Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) verleiht seinen mit 12.800 Euro dotierten „Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis“ in diesem Jahr an den in Rhede (Kreis Borken) geborenen und heute in Berlin lebenden Michael Roes. Unter dem Vorsitz von LWL-Direktor Matthias Löb hat eine neunköpfige Jury diesen „Westfälischen Literaturpreis“ dem Schriftsteller zuerkannt. Der LWL verleiht seinen Literaturpreis seit 1953 alle zwei Jahre im Wechsel mit dem „Konrad-von-Soest-Preis“ (Bildende Kunst) und dem „Hans-Werner-Henze-Preis“ (Neue Musik).

„Michael Roes' 13 Romane, aber auch seine Film- und Theaterarbeiten haben die Literatur um neue Themen bereichert. Sie bringen den Lesern fremde Lebens- und Kulturkreise auf eindringliche Art und Weise nahe. Roes hat hierfür offene, multiperspektivische Erzählformen gefunden, die nahezu alle literarischen Gattungen, vom Roman bis zur Reportage, einschließen“, heißt es in der Begründung der Jury. Die existentielle Selbsterfahrung des Reisenden sei bei ihm die des queeren Lesers und Autors, dessen Blick immer schon der des „Anderen“ sei. In seinen ethnopoetischen Texten stelle er so kulturell tradierte Wahrnehmungsweisen in Frage und erkunde die Grenzregionen der Sprache neu. „Die Begegnung mit dem Fremden, etwa mit einer Gruppe gehörloser Jugendlicher im Jemen, nutzt er, um zu lernen, wie wir miteinander reden und einander zuhören können“, so die Jury weiter.

Sein Romandebüt feierte Roes 1996 mit dem 800 Seiten starken Monumentalroman „Rub' Al-Khali“ (deutsch: "Leeres Viertel") - gemeint ist damit die jemenitische Wüste, die größte Sandwüste der Welt. Der Roman war eines der meistbesprochenen Werke des Jahres 1997. Roes hielt sich zuvor ein Jahr im Jemen auf. Solch lange Auslandsaufenthalte sind für den Autor ein Muss, dessen Romane zum Beispiel in der saudischen Wüste, in Mali, am Mississippi, in Afghanistan oder in Albanien spielen. Denn nur so könne er seine Geschichten lebensecht erzählen, erklärt er. Körperliches, Gerüche, Atmosphäre, Geschlechterbeziehungen - all das könne man nicht am Schreibtisch erfahren, das müsse man vor Ort erleben.

Für seine Arbeiten wurde er mit zahlreichen Stipendien und Auszeichnungen geehrt, die vom Else-Lasker-Schüler-Preis und dem Literaturpreis der Stadt Bremen über den Alice-Salomon-Poetik-Preis bis hin zum Jahresstipendium des Deutschen Literaturfonds reichen, das er gleich zweimal erhielt.

Michael Roes wurde 1960 in Rhede/Westfalen geboren. Sein Studium der Philosophie, Psychologie und Germanistik schloss er mit der Promotion ab. Gastprofessuren führten ihn unter anderem nach Budapest und Bern. Zuletzt erschienen die Romane „Zeithain“ (2017) und „Herida Duro“ (2019). Er lebt als freier Autor in Berlin.

Quelle: