Der König von Köln

Karnevalsauftakt mit Joachim Król

Klüngeln beim Karneval: Joachim Król und Serkan Kaya.
Klüngeln beim Karneval: Joachim Król und Serkan Kaya. Foto: ARD

Dem gebürtigen Herner Schauspieler Joachim Król ist als langjährigem Wahl-Kölner diese Rolle auf den Leib geschneidert: Zwischen Kölschem Klüngel und Karneval spielt er in Richard Hubers realsatirischer Fernsehkomödie „Der König von Köln“ den städtischen Baudezernenten Lothar Stüssgen an der Seite eines erlesenen Ensembles. Der Film läuft zum Karnevalsauftakt am Mittwoch, 11. November 2020, um 20:15 Uhr im WDR-Fernsehen und wird am 15. November 2020 dort auch wiederholt, leider aber nicht in die Mediathek eingestellt.

„Wer soll das bezahlen...?“: Haussuchung beim Freiherrn von Hoppenheim zu gänzlich unkommoder frühen Stunde, der Blaublüter muss sich rasch noch das Gebiss in den Mund stecken, bevor er im Morgenmantel einer jungen Ermittlerin, die sich später als aus Düsseldorf hinzugezogene Staatsanwältin entpuppt, und ihrem Team das Tor zur hochherrschaftlichen Villa öffnet: Alina Behrens (Eva Meckebach) lässt sich durch Herrn von und zu und seine Kontakte zur Stadtspitze nicht beeindrucken. Währenddessen wird Hoppenheims Sohn in seiner Galerie für zeitgenössische Kunst verhaftet – und der Baudezernent Stüssgen lässt sich von seinem Stellvertreter Di Carlo eilig ins Rathaus fahren, um Akten zu schreddern. Wenig später muss der nur „Polier“ genannte Bauunternehmer Asch sein Golfspiel unterbrechen...

„Inspiriert von wahren Ereignissen“ sei der dennoch fiktionale Film von Autor Ralf Husmann („Stromberg“, „Doktor Psycho“) und Regisseur Richard Huber („Club der roten Bänder“, „Danny Lowinsky“), heißt es im Vorspann zu „Der König von Köln“. Allein die sprechenden Namen ziehen Verbindungen zu den Skandalen der jüngeren Vergangenheit um Madeleine Schickedanz und Thomas Middelhoff. Der Neunzigminüter beginnt mit dem aus rechtsstaatlicher Sicht keineswegs beruhigenden Ende, bei dem der Hauptstrippenzieher allzu glimpflich davongekommen ist: „Bleiben Sie locker, es geht doch nur um Geld“ hat Asch der forschen Ermittlerin schon bei seiner Verhaftung auf dem Golfplatz entgegnet. Die Handlung kehrt dann immer wieder zurück zu den Anfängen einer ganz alltäglichen Korruptionsaffäre – aus Sicht des in Deutschland geborenen italienischstämmigen Sachbearbeiters Andrea Di Carlo (Serkan Kaya). Dessen Eltern vor vierzig Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sind. Was ihm schon durch seinen Namen immer noch anhängt unter den Kollegen im Kölner Baudezernat.

Di Carlo entwickelt keinen großen Ehrgeiz, will eigentlich nur seinen Job ordentlich machen. Zum Leidwesen seiner Gattin Simone (Katrin Röver), die nach ihrem gemeinsamen Sohn Leon (Vico Magno) nun ihr zweites Kind erwartet und dringend ein zusätzliches Zimmer für die bald größere Familie benötigt. Ein Antrag zum Ausbau des Reihenhauses hat angesichts der Einsprüche ihrer Nachbarn keine Aussicht – und ein Neubau kommt aus finanziellen Gründen nicht in Frage. Zumal Simone, Verkäuferin in der Abteilung Koffer und Leder im Kaufhaus Osthoff, wie ihre Kollegen um den Arbeitsplatz bangt.

Als ihn sein Chef, der Baudezernent Stüssgen (Joachim Król), zum Kölner Karneval einlädt, muss Di Carlo mit schunkeln, ob er will oder nicht. Zwischen Unmengen Kölsch, Verbrüderungen und Verabredungen staunt Di Carlo nicht schlecht, als ausgerechnet er zum Kronprinzen des Bauamtes aufsteigt („Er wird 'mal einer von uns“) und mit Stüssgens Lebensmaxime vertraut gemacht wird: „Hilfst du dem Polier, hilft der Polier auch dir.“ Gesagt, getan. Schon anderntags lässt der Bauunternehmer und Finanzier Josef „Jupp“ Asch (Rainer Bock) Maß nehmen für den Ausbau des Hauses. Zu diesem Zeitpunkt liegt Di Carlo noch verkatert im Bett: die närrische Nacht endete im „Pascha“ gemäß Stüssgens Motto: „Wer weiterkommen will, muss feiern können.“

Doch die letzte Viagra-Pille war offenbar eine zu viel und Stüssgen bricht im Bordell zusammen. Was Di Carlo über Nacht wenn auch zunächst nur vorübergehend auf den Stuhl des Bauamtsleiters hievt. Jupp Asch lässt sich die Chance nicht entgehen, weiterhin unmittelbaren Einfluss auf Verwaltung und Politik nehmen zu können. Hier wird ein Bauantrag beschleunigt bewilligt, dort eine gesetzlich vorgeschriebene öffentliche Ausschreibung umgangen. Di Carlo steckt mitten drin im Netz des Kölschen Klüngels, dirigiert von der Spinne Asch.

Gattin Simone freut sich nicht nur über die finanziellen Vorteile und den raschen Baufortschritt im Reihenhaus, sondern auch über den gesellschaftlichen Aufstieg ihres Mannes. Sie selbst bangt weiterhin um ihren Kaufhaus-Job, der nicht nur durch den zunehmenden Onlinehandel bedroht ist: die weltfremde, leicht zu beeinflussende Osthoff-Erbin Valerie Dickeschanz (Judith Engel) interessiert sich nicht die Bohne für die Belegschaft. Hinzu kommt, dass auch hier „der Polier“ seine Finger im Spiel hat: Die Immobilien des Kaufhauskonzerns sind Milliarden wert. Asch gelingt es, den geltungssüchtigen Nikolaus von Hoppenheim (Ulrich Brandhoff) auf die kunstinteressierte Valerie anzusetzen.

Der ständig von seinem Vater niedergemachte Sohn des Privatbankiers Alfred von Hoppenheim (Ernst Stötzner), der bewusst Kunstgeschichte studiert hat und eine Galerie für zeitgenössische Kunst unterhält (die Bochumer Schauspielerin Johanna Wieking, unter anderem Theater Kohlenpott Herne, in einer kleinen Episodenrolle), um nicht in die Fußstapfen des Über-Vaters treten zu müssen, überredet die Kaufhauserbin nicht nur zu riskanten Finanzmanövern, sondern auch zur Einstellung des smarten Tom Middeldorf (der Dortmunder „Tatort“-Kommissar Jörg Hartmann in ungewohnter Rolle als „gelackter Strahlekaspar“) als neuen Manager der Osthoff-Kette. „Die Karawane zieht weiter...“: Unterlagen, die belegen, dass das jüngste Asch-Projekt ohne öffentliche Ausschreibung den Stadtrat passiert hat, lässt Staatsanwalt Vogel (Felix Vörtler) im Archiv unter verstaubten Aktendeckeln verschwinden.

Doch dann bekommen übergeordnete Behörden Wind von Manipulationen – und das Landeskriminalamt Düsseldorf nimmt die Ermittlungen auf. Alina Behrens stößt im System Asch auf die schwächste Stelle, weil einzige ehrliche Haut Di Carlo. Am Ende ist sie zur Oberstaatsanwältin in Köln aufgestiegen, der Whistleblower nun offiziell Bauamtsleiter und „der Polier“ zu einer aus seiner Sicht lächerlichen Geldstrafe verurteilt worden. „Gegen die Zweifel hat der liebe Gott das Kölsch erfunden“: Nach seiner Genesung kann sich Lothar Stüssgen nun gänzlich dem Karneval widmen. Letztlich ist also alles beim Alten geblieben zu Willy Millowitschs Evergreen vom „Kölschen Jung“...

Überhaupt die Musik, für die Dürbeck & Dohmen verantwortlich zeichnen. Sie haben ausschließlich existierende Songs und (Karnevals-) Lieder bearbeitet, dabei herausgekommen ist, so Autor Ralf Husmann völlig zurecht, „eine Art Best-Of-Köln-Album“ - große Liebesbekenntnisse an die Domstadt, die auch jenseits des Rheinlandes bestens bekannt sind. Unbedingt noch zu nennen Kameramann Robert Berghoff, der mitten im närrischen Treiben des Jahres 2018 gedreht hat – hautnah sozusagen.

Der Herner Schauspieler über seine Rolle als rheinische Frohnatur und alten Hasen im Bauamt, der gerne den weltlichen schönen Dingen frönt: „Jeder in Köln kennt einen ‚Lothar Stüssgen‘. Er gehört zu dem Offiziers-Corps, das den alten Dampfer Colonia seit Jahrzehnten seelenruhig dem Abgrund entgegensteuert. Sehr bald, kurz bevor er endgültig von der Erdscheibe kippt, wird er sein Kölsch Glas erheben und ‚Et hätt noch immer jot jejange‘ rufen. Nach fast vierzig Jahren Köln habe ich die Einladung, mich im Kölner Idiom zu versuchen, mit Begeisterung angenommen. Ich hoffe von Herzen, dass es mir gelungen ist.“ Drehbuchautor Ralf Husmann war’s jedenfalls zufrieden: „Wir wollten beim Baudezernenten Stüssgen unbedingt jemanden haben, der glaubwürdig Kölsch spricht, da lag Joachim Król als gebürtiger Ruhrgebietler überhaupt nicht nah, aber er hat sich akribisch da reingefuchst und ist grandios in der Rolle, finde ich.“

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