Den Corona-Ball flach halten

Kolumne von Dr. Gerd Dunkhase

Die Cool Cats raten: Unbedingt mit Panda-Bären unbedingt vermeiden.
Die Cool Cats warnen vor dem Kontakt mit chinesischen Pandabären. Illustrator: Jörg Lippmeyer

Die Grippewelle vor 2 Jahren (Dezember 2017 – April 2018) war die schlimmste seit 30 Jahren. Nach Angaben des Robert-Koch-Institutes erkrankten circa 350.000 Menschen, wobei eine bis zu 10-fach größere Dunkelziffer vermutet wird. 25.100 Menschen sollen an den Folgen der Infektion gestorben sein. Das sind eigentlich erschreckende Zahlen. Es war zwar in dieser Zeit eine gewisse Besorgnis in der Öffentlichkeit und in den Medien zu verzeichnen, von Panik und Hysterie waren wir aber noch weit weg.

Man erinnere das Frühjahr 2009

Harry und Sally fühlen sich sau-wohl.
Harry und Sally fühlen sich sau-wohl. Foto: Thomas Schmidt, Stadt Herne

Damals verursachte die „Schweinegrippe“ fast weltweit eine viel größere Aufregung. Was war geschehen? Im April/Mai 2009 tauchten erste Fälle in Mexiko auf. Nun ist die Grippe eine typische Erkrankung der kälteren Jahreszeit, weil die Influenza-Viren unter diesen Bedingungen besser überleben und infektiöser sind. Im April ist meistens schon die „Luft raus“. In den Frühjahrs- und Sommermonaten sind Grippeviren üblicherweise verschwunden. Deshalb wird in dieser Zeit bei moderat verlaufenden Infekten nicht gleich und schon gar nicht routinemäßig nach einem gefährlichen Virus gesucht. Es lag in der Natur der Sache, dass man eine Suche nach dem Erreger nur bei schweren Krankheitsverläufen, deren Ursache man nicht kannte, startete. Entsprechend entsetzt war man, als man bei diesen noch im späten Frühjahr Influenza-Viren fand. Grippeviren, die der warmen Jahreszeit trotzten, dazu kannte man bis dahin nur die schweren Verläufe – das waren die Auslöser weltweiter Hysterie und hektischer Gegenmaßnahmen. Es stellte sich aber rasch heraus, dass das Virus zwar ziemlich infektiös war, die dadurch ausgelösten Erkrankungen aber durchweg moderat verliefen. Wurde im Mai noch panisch die Entwicklung eines Impfstoffes gefordert (was ja auch innerhalb weniger Wochen geschah), kippte im August die Stimmung ins Gegenteil. Nun war in vielen Medien-Darstellungen die Impfung nur noch reine Geschäftemacherei und dazu noch gefährlich (was sich als unzutreffend herausstellte). Auch das Gesundheitsministerium war mit der millionenfachen Bereitstellung von „Tamiflu“ wahrscheinlich einer cleveren Werbung auf den Leim gegangen. Unter dem Strich konnten sich nach meiner Einschätzung die wissenschaftlichen Institute, die WHO, die Gesundheitsministerien in den meisten Staaten und auch die Pharmaunternehmen nach Maßgabe der zu den jeweiligen Zeitpunkten vorliegenden Erkenntnisse nicht anders verhalten. Aber – und auch das sollte nicht verkannt werden – auch die doch so harmlose Schweinegrippe hat zu einigen Hundert Todesfällen geführt.

Jetzt also 2019-nCoV

Seit nunmehr 4 Wochen versetzt das 2019-nCoV (2019 neuartiges Coronavirus) die Welt und insbesondere das Wirtschaftsleben in Aufruhr. Es liegt mir fern, die zahlreichen Schutzmaßnahmen weltweit zu kritisieren. Bei einem neuen Virus, dessen Infektiosität ebenso wenig eingeschätzt werden kann wie die Schwere der dadurch hervorgerufenen Erkrankung, ist das, was allenthalben geschieht, sicher sinnvoll und vertretbar. Dennoch sollte aber die „Kirche im Dorf“ bleiben. Im Vergleich zu der Grippewelle der Jahre 2017/2018 ist diese Erkrankung, sowohl was die Geschwindigkeit der Ausbreitung als auch die Schwere der ausgelösten Erkrankungen betrifft, offensichtlich deutlich weniger gefährlich.

Nach derzeitiger Einschätzung muss auch die bei uns derzeit grassierende Grippewelle als mindestens ebenso gefährlich eingestuft werden. Neben den üblichen Vorsichtsmaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen, sich nicht gegenseitig anzuhusten und Vermeiden von ständigem Händeschütteln wird nicht erwogen, Flughäfen zu schließen oder ganze Städte unter Quarantäne zu stellen. Dringend zu empfehlen ist allerdings auch jetzt noch eine Grippeschutzimpfung.

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