AWO fordert nachhaltiges Vorgehen gegen Kinderarmut

Serdar Yüksel.
Serdar Yüksel. Foto: Michael Grosler

Das Problem der Kinderarmut wächst weiter. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung leben in Deutschland rund 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche in wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen. Das Problem betrifft auch Herne in einem besonderen Maße. Denn auch hier steigen die Zahlen. Lag der Anteil der Kinder unter 18 Jahren in Familien im SGB II-Bezug 2014 noch bei 27,6 Prozent, waren es 2019 31,2 Prozent.

„Die Kinderarmut ist damit weiter eine liegen gebliebene Baustelle und eine Herausforderung, der wir uns dringend stellen müssen“, legt Serdar Yüksel, Vorsitzender der AWO Ruhr-Mitte, den Finger in die Wunde. Auch die AWO beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit diesem Thema, legte erst Anfang 2020 die Ergebnisse einer Langzeitstudie vor, die 1999 in AWO-Kitas startete. Ergebnis: Etwa ein Drittel der betroffenen Kinder lebt auch im Erwachsenenalter noch in Armut.

Doch gab die Studie auch Grund zur Hoffnung: An unterschiedlichen Wendepunkten ihres Lebens wie Schul-, Ortswechsel oder Ausbildungsbeginn konnten noch mehr junge Menschen der Armutsspirale entkommen. „Wir brauchen daher weitreichende und ganzheitliche Ansätze, um Kinderarmut dauerhaft zu bekämpfen“, betont Serdar Yüksel. So wird sich die AWO Ruhr-Mitte weiter für die Einführung einer einkommensabhängigen Kindergrundsicherung einsetzen. „Wir brauchen aber genauso einen Ausbau der sozialen Infrastruktur, Investitionen in Bildungsgerechtigkeit sowie eine gezielte Förderung junger Menschen beim Übergang in Ausbildung und Arbeit, um an den genannten Wendepunkten gezielte Unterstützung leisten zu können.“ Das zu oft verwendete „Prinzip der Gießkanne“ verkenne hingegen die besonderen Herausforderungen der Armutsbekämpfung.

„Sowohl auf der Landes- als auch auf der kommunalen Ebene muss vielmehr das Prinzip ,Ungleiches ungleich‘ behandeln gelten“, fordert Serdar Yüksel für die AWO. Zudem müsse die Querschnittsarbeit ausgebaut werden, die auch die AWO Ruhr-Mitte in besonderer Weise bereits leistet. „Ziel muss eine optimale Vernetzung von Akteuren aus den Bereichen Kita, Schule, Familien- und Sozialberatung sein. Dafür braucht es die finanzielle Hilfe der öffentlichen Hand. Nur so können wir gemeinsam dafür sorgen, dass die Kinderarmut grundsätzlich zurückgeht.“

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