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Katja Panner-Thorack ist die neue bevollmächtigte Schornsteinfegermeisterin im Kehrbezirk Herne 10 (Eickel).

Schöne Aussicht garantiert

Ein Arbeitsplatz in luftiger Höhe

Katja Panner-Thorack ist die neue 'Bevollmächtigte Schornsteinfegermeisterin' im Kehrbezirk Herne 10 und steigt somit den Eickelern aufs Dach. Aber das Dach ist nur ein Teil ihres Arbeitsplatzes. Neben dem Dach ist der Keller der bevorzugte Arbeitsort von Katja Panner-Thorack.

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Der Bezirk Herne 10 ist ihr wohl vertraut. Hier hat sie 14 Jahre als Mitarbeiterin ihres Vaters, Karl Panner, gearbeitet, der für diesen Bezirk seit 2002 der bestellte Schornsteinfegermeister war. Als sich abzeichnete, dass der Vater Anfang 2022 in den Ruhestand geht, bewarb sich die Tochter um den Bezirk und bekam den Zuschlag. Seit dem 1.3.2022 ist es nun also ihr Bezirk - nicht mehr auf Lebenszeit, wie früher üblich, sondern für sieben Jahre, dann muss sie sich bei der Bezirksregierung Arnsberg neu bewerben. Panner-Thorack freut sich: „Es fühlt sich ein klein wenig an, wie nach Hause kommen. Die Menschen hier sind mir alle noch vertraut.

Katja Panner-Thorack mit Vater Karl Panner.

Schornsteinfegerin, das war nicht der erste Berufswunsch, der ihr in den Sinn kam, als es in der 10. Klasse darum ging, eine Praktikumsstelle zu finden. „Ich hatte mir einen Platz in einem Kindergarten besorgt und dachte, och, das ist bestimmt schön mit den lieben Kleinen.“ Allerdings war ihr schon nach dem ersten Tag klar: „Nein, das ist nicht schön“. Nur was tun? Vielleicht Hotelfachfrau oder doch das Fachabi machen?

„Ich werde Schornsteinfegerin!"

Vater Karl riet: „Probiere es doch einmal mit einem Schornsteinfeger-Praktikum.“ Und siehe da: „Das gefiel mir vom ersten Tag an so gut, da stand für mich fest: Ich werde Schornsteinfergerin.“ Fest stand auch, es sollte nicht der väterliche Ausbildungsbetrieb sein. „Das war im pubertären Alter von zarten 16 für mich nicht vorstellbar“, lacht Katja beim halloherne-Gespräch. Auch der Vater wollte das nicht, das wäre ihm zu nah gewesen. Er wusste aber einen Kollegen, der bereit war, eine Frau auszubilden. „2001, als ich die Ausbildung begann, war das noch ein Novum“, erzählt Katja Panner-Thorack.

Selbst drei Jahre später, als fertige Gesellin, fand sie keine Anstellung: „Beworben habe ich mich unzählige Male, allein, keiner wollte eine Frau einstellen.“ Die Gründe einer Absage reichten von der eifersüchtigen Ehefrau, „man arbeitet ja schon eng zusammen“, über Arbeitsausfall durch eine mögliche Schwangerschaft, bis dahin, dass die schwere körperliche Arbeit für eine Frau nicht zu leisten sei.

Schornsteinfegermeisterin Katja Panner-Thorack.

Schornsteinfegermeister Karl Panner kennt diese Gründe, konnte sie aber noch nie verstehen. Als er seine erste Gesellin anstellte, kam nicht nur ein Kollege mit der Frage um die Ecke: „Ja Karl, was sagt denn deine Frau dazu?“ Das ruft heute noch ein Kopfschütteln bei Karl Panner hervor. Mittlerweile hat sich diese Sicht grundlegend geändert. Katja Panner-Thorack weiß zum Beispiel von einem Kollegen, der nur noch Frauen einstellt, da sie im Kundenkontakt einfach besser ankommen, oft feinfühliger und herzlicher sind.

Fragt man Katja Panner-Thorack was sie an ihrem Beruf liebt und schätzt, kommt die Antwort prompt: „Es ist die Vielseitigkeit, die Mischung von Büro, Handwerk und Technik. Es ist auch der Kundenkontakt und die Gespräche, daraus sind schon Freundschaften entstanden. Aber das Allerschönste ist dieses Freiheitsgefühl, das ich habe, wenn ich oben auf dem Dach stehe. Diese Weite und dieser Blick, das genieße ich jedes Mal“, schwärmt sie und verrät, dass sie immer noch so manch ein Frühstücksbrot hoch oben auf dem Dach essen würde. „Das ist einfach zu schön.“

Das Auto der bevollmächtigten Schornsteinfegermeisterin.

Auf halloherne-Nachfrage, ob man denn besonders fit sein muss für den Beruf, antworten Vater und Tochter unisono: „Eine Grundfitness sollte schon vorhanden sein, denn schließlich müssen wir in jedem Haus rauf aufs Dach und wieder runter in den Keller. Zudem müssen wir manchmal vom Dachboden aus durch eine kleine Luke aufs Dach, da gehört auch eine gewisse Gelenkigkeit einfach dazu.“

Seit Anfang der der 1980er Jahre viele der Kohleöfen durch Gas- und Ölheizungen verdrängt wurden, sei der Beruf immer technischer geworden. Heute wird nicht mehr nur auf Häusern rumgeklettert und die Kugel geschwungen, sondern es sind Werte der Abgasanlagen zu kontrollieren und es werden jede Menge Beratungen durchgeführt. Ein weiteres wichtiges Thema sei der Brand- und Umweltschutz.

DER Glücksbringer schlechthin

Schornsteinfegermeisterin Katja Panner-Thorack.

Was sich aber nicht geändert hätte, ist der Glaube der Leute daran, dass die Schornsteinfeger vermeintlich das Glück im Gepäck haben. In Vor-Corona-Zeiten wurden Vater und Tochter tagtäglich angefasst, in der Hoffnung dass das Glück bringt. Heute fragen die Menschen im Vorfeld, ob sie die schwarzen Gesellen einmal anfassen, oder vielleicht auch am goldenen Jackenknopf drehen dürfen, denn das soll besonders viel Glück bringen. Katja erzählt: „Ein Küsschen auf die Wange, war vor Corona auch sehr beliebt."

Der Ursprung dieses (Aber-) Glaubens liegt im Mittelalter. Schon damals befreiten die Kaminkehrer die Schornsteine vom Ruß, denn viel Ruß bedeutete auch damals schon Brandgefahr und bei den eng stehenden Hütten, konnte aus einem brennenden Schornstein ein Brand entstehen, der ein ganzes Dorf vernichtete.

Der Start ist kein ruhiger

Ihr Start als neue bevollmächtigte Schornsteinfegermeisterin im Bezirk 10 ist kein ruhiger. Putins Angriffskrieg und ein damit verbundener möglicher Gaslieferstopp macht sich im Terminkalender der Schornsteinfegerin bemerkbar. „Ich habe im Augenblick unheimlich viele Termine mit Kunden, die Beratungsbedarf bezüglich Kaminöfen haben. Ich flitze quasi von einem Termin zum anderen. Die Menschen wollen vorbereitet und autark sein. Viele wollen umstellen und mit Holz oder Pelletts heizen.“

Zudem fallen im Augenblick auch noch zwei Mitarbeiter krankheitsbedingt aus, darum ist Vater Karl auch wieder vermehrt im Einsatz. Der hatte für seinen Ruhestand eigentlich andere Tätigkeiten als Kaminkehren auf der Agenda: Fußballspielen, Fahrradfahren und mit dem Wohnmobil durchstarten. „Aber, das kann alles auch noch zwei, drei Monate warten“, sagt er und knipst seiner Tochter ein Auge zu. Und so ganz scheint er um die „Arbeitsverlängerung“ nicht böse zu sein, denn so hat er noch ein wenig länger Zeit sich von 'seinen Kunden' in Eickel zu verabschieden. „Ich habe hier eine schöne Zeit gehabt, mit diesen vielen netten Menschen.“

Hoheitliche Tätigkeiten im Kehrbezirk

Katja Panner-Thorack mit Vater Karl Panner.

Aber, was macht eigentlich eine Bevollmächtigte? Eine bevollmächtigte Bezirksschornsteinfegerin ist für hoheitliche Tätigkeiten wie insbesondere die Feuerstättenschau, die Bauabnahme neuer Feuerstätten und die Überprüfung der Feueranalagen hinsichtlich ihrer Betriebs- und Brandsicherheit verantwortlich. Während ihrer siebenjährigen Bestellung hat sie zweimal sämtliche Feuerungsanlagen in ihrem Kehrbezirk zu überprüfen. Wohingegen die Messungen und das Kehren der Brandanlagen seit 2013 privatwirtschaftliche Tätigkeiten sind und von jedem Schornsteinfegermeister durchgeführt werden können.

| Quelle: Carola Quickels