Tunnelvortrieb startet im Kreuz Herne

Arbeiten mit schwerem Gerät unter den Bahngleisen an der A42/43

Start für den Tunnelvortrieb im Autobahnkreuz in Herne (NW), am Montag (13.09.2021). Der rund 60 Meter lange Tunnel ist Bestandteil der künftigen Abbiegespur von der A43 aus Wuppertal kommend auf die A42 in Fahrtrichtung Duisburg.
Mit schwerem Gerät: Start für den Tunnelvortrieb im Autobahnkreuz in Herne. Foto: Stefan Kuhn

Im Kreuz Herne ist ab sofort unter der Erde buddeln angesagt: Da, wo seit geraumer Zeit die Bauarbeiten für den Umbau des Autobahnkreuzes der A42 und A43 laufen, startete am Montag (13.9.2021) der Vortrieb für den Tunnel Baukau. Dieser soll künftig den Verkehr, der auf der A43 aus Richtung Bochum kommt, auf die A42 in Richtung Duisburg führen. Das Stück ist rund 550 Meter lang und wird größtenteils offen gebaut. Doch nun geht es unterirdisch weiter.

Dafür müssen die Arbeiter sich in einem rund 60 Meter langen Teilstück Stück für Stück nach vorne arbeiten und buddeln. Dieser Abschnitt führt dazu unter Bahngleisen durch - daher muss besondere Vorsicht gegenüber den Zügen und den Gleisen gewährleistet sein, die mit Sensoren überwacht werden und bei Gefahr Alarm auslösen.

im Bild: Guido Meinzer, Projektleiter Ausbau A43. Start für den Tunnelvortrieb im Autobahnkreuz in Herne (NW), am Montag (13.09.2021). Der rund 60 Meter lange Tunnel ist Bestandteil der künftigen Abbiegespur von der A43 aus Wuppertal kommend auf die A42 in Fahrtrichtung Duisburg. Im Bild: Guido Meinzer, Projektleiter Ausbau A43.
Guido Meinzer, Projektleiter Ausbau A43. Foto: Stefan Kuhn

„Wir haben hier dazu keinen reinen Boden und kein natürliches Gestein. Wir befinden uns in einer Halde, die nach dem Krieg aus unterschiedlichsten Materialien an dieser Stelle aufgeschüttet worden ist“, erläutert Guido Meinzer, Projektleiter beim A43-Ausbau der Autobahn Westfalen.

'Rohrschirm' errichtet

Diese Besonderheiten erforderten auch spezielle Vorarbeiten. Damit der Tunnel hält, das Erdreich nicht absackt und sich auch die Gleise nicht bewegen, wurde der Berg „schnittfest“ gemacht. Das bedeutet, dass 20 zwischen 50 und 60 Meter lange Rohre mit einem Durchmesser von 1,60 Meter ins Erdreich geschoben worden sind - die Fachleute nennen das „Rohrschirm“. Diese wurden zudem mit Beton verfüllt. Darunter wird nun mit einer speziellen Maschine geschuftet - 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche. Fünf Arbeiter, die mit der Maschine vertraut sind, wechseln sich in Zwölf-Stunden-Schichten ab. Zusätzlich wurde flüssiger Beton in die Erde gepresst.

Start für den Tunnelvortrieb im Autobahnkreuz in Herne (NW), am Montag (13.09.2021). Der rund 60 Meter lange Tunnel ist Bestandteil der künftigen Abbiegespur von der A43 aus Wuppertal kommend auf die A42 in Fahrtrichtung Duisburg. im Bild: Guido Meinzer, Projektleiter Ausbau A43. Start für den Tunnelvortrieb im Autobahnkreuz in Herne (NW), am Montag (13.09.2021). Der rund 60 Meter lange Tunnel ist Bestandteil der künftigen Abbiegespur von der A43 aus Wuppertal kommend auf die A42 in Fahrtrichtung Duisburg.  Im Bild: Guido Meinzer, Projektleiter Ausbau A43. Start für den Tunnelvortrieb im Autobahnkreuz in Herne (NW), am Montag (13.09.2021). Der rund 60 Meter lange Tunnel ist Bestandteil der künftigen Abbiegespur von der A43 aus Wuppertal kommend auf die A42 in Fahrtrichtung Duisburg. Start für den Tunnelvortrieb im Autobahnkreuz in Herne (NW), am Montag (13.09.2021). Der rund 60 Meter lange Tunnel ist Bestandteil der künftigen Abbiegespur von der A43 aus Wuppertal kommend auf die A42 in Fahrtrichtung Duisburg.

Tunnelvortrieb Autobahnkreuz Herne

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Ganz so „einfach“ ist es dann trotzdem nicht: Die Tunnelbauer arbeiten sich immer nur für fünf Meter nach vorne vor. Dann werden zunächst Tunnelwände und Decken betoniert, bevor es - planmäßig dank Spezialbeton alle sieben Tage - an den nächsten kurzen Abschnitt geht. Das alles braucht Zeit: Rund 16 Monate sind für drei Tunnelstücke im Autobahnkreuz laut Meinzer angepeilt.

Start für den Tunnelvortrieb im Autobahnkreuz in Herne (NW), am Montag (13.09.2021). Der rund 60 Meter lange Tunnel ist Bestandteil der künftigen Abbiegespur von der A43 aus Wuppertal kommend auf die A42 in Fahrtrichtung Duisburg.
Zunächst werden Betonpfähle 'durchgeknabbert', bevor es in die Halde geht. Foto: Stefan Kuhn

Der technisch schwerste Punkt

„Hier ist schon altes Bergbauwissen gefragt“, räumt Meinzer beim Pressegespräch ein, „wir sind hier am technisch schwersten Punkt.“ Doch den Projektleiter stört das nicht. Schon jetzt ist auch klar, dass der Ausbau im Kreuz Herne rund ein Jahr länger als ursprünglich veranschlagt dauert. Auch die eingeplanten Kosten in Höhe von 800 Millionen Euro werden - auch aufgrund der deutlich gestiegenen Materialpreise - kaum zu halten sein, sagt Meinzer.

Bis die ersten Pkw durch den Tunnel auf die A42 fahren können, wird es aber noch dauern. Im Anschluss an die Tunnelarbeiten müssen noch zwei Bahnbrücken gebaut werden, die über die A42 führen. „Erst wenn diese fertig sind, können wir den Tunnel für den Verkehr freigeben“, heißt es vom Projektleiter. Das könnte 2023 oder 2024 soweit sein - schon vorher sollen jedoch Baustellenfahrzeuge den Tunnel nutzen können.

Als Ziel, bis alle Arbeiten am Kreuz Herne, inklusive der Verbreiterung der A43 auf dem 28 Kilometer langen Teilstück zwischen Marl-Sinsen und Witten-Heven, fertig sind, wurde bereits das Jahr 2030 angegeben.

Start für den Tunnelvortrieb im Autobahnkreuz in Herne (NW), am Montag (13.09.2021). Der rund 60 Meter lange Tunnel ist Bestandteil der künftigen Abbiegespur von der A43 aus Wuppertal kommend auf die A42 in Fahrtrichtung Duisburg.
Links Autobahn, darüber Eisenbahn, darunter Tunnelvortrieb. Foto: Stefan Kuhn
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