Herne: Höchste Schuldnerquote im Revier

Neue Zahlen vom SchuldnerAtlas zeigen leichte Senkung seit 2019

Die Schuldnerzahl in Herne ist angestiegen.
Die Schuldnerzahl in Herne ist leicht zurückgegangen. Foto: Pixabay

Die Schuldnerquote in Herne ist im Jahr 2020 leicht auf 18,21 Prozent gesunken. Das geht aus der Veröffentlichung des SchuldnerAtlas von Creditreform am Donnerstag (19.11.2020) hervor. Trotzdem ist Herne damit im Ruhrgebiet Spitzenreiter. Deutschlandweit steht Herne auf dem viertletzten Rang. 2019 betrug die Quote noch 18,26 Prozent.

Nach Postleitzahlen gefiltert führt 44629 das stadtinterne Ranking mit 22,28 Prozent an, am niedrigsten ist die Quote im PLZ-Bereich 44625 mit 14,23 Prozent.

Knapp hinter Herne folgen für das Jahr 2020 Gelsenkirchen (18,05 Prozent) und Duisburg (17,53 Prozent). Am niedrigsten ist die Quote im Ennepe-Ruhr-Kreis mit 11,07 Prozent. In 2020 sind 483.832 Bürger des Ruhrgebiets über 18 Jahre überschuldet. Dies sind etwa 1.800 Personen weniger als noch im letzten Jahr (2019: 485.651). NRW-weit sind es rund 1,737 Millionen.

In Nordrhein-Westfalen liegt die Schuldnerquote derzeit bei 11,63 Prozent und ist um -0,09 Prozentpunkte gesunken. Die Überschuldung von Privatpersonen im Ruhrgebiet ist seit 2012 ununterbrochen angestiegen. In 2020 ist sie nun zum ersten Mal seit 8 Jahren gesunken - und zwar sowohl absolut als auch prozentual. Damit folgt das Ruhrgebiet nun endlich dem Trend der bereits seit 2017 deutschlandweit zu beobachten war.

Jedoch geht Creditreform davon aus, dass diese Entwicklung aufgrund der Corona-Pandemie ein schnelles Ende finden wird. Zu den Gründen schreibt das Unternehmen: „Die Hauptauslöser für Überschuldungsprozesse, die seit 2008 kontinuierlich vom Statistischen Bundesamt erhoben werden, zeigen, dass in erster Linie „ökonomische“ Auslöser wie Arbeitslosigkeit und gescheiterte Selbstständigkeit in den letzten Jahren an Bedeutung verloren haben. Zugleich hat sich der Trend der Vorjahre, insbesondere bei den Überschuldungsauslösern „Erkrankung, Sucht, Unfall“ und „unwirtschaftliche Haushaltsführung“ nochmals verstärkt. „Längerfristiges Niedrigeinkommen“ gewinnt ebenfalls zunehmend an Bedeutung.“

Weiter heißt es: "Die aktuelle Analyse bestätigt einen weiteren Basistrend der letzten Jahre, der „Licht und Schatten“ der Überschuldungsentwicklung zeigt. So geht einerseits die Überschuldung bei den jüngeren Personengruppen erneut deutlich zurück. Andererseits nimmt das Phänomen der (aus der Altersarmut resultierenden) Altersüberschuldung, wie bereits in den letzten Jahren, bedenklich an Bedeutung zu. Altersarmut ist eine besonders schwerwiegende Form der Armut. Während jüngere Menschen Armut meist als vorübergehende Lebensphase begreifen und über eine Perspektive verfügen, sich aus der Einkommensarmut herauszuarbeiten, ist das bei älteren Menschen häufig nicht der Fall. Mit dem Eintritt in den Ruhestand sinken die Chancen älterer Menschen drastisch, ihre ökonomische Lage zu verbessern.

Gleiches gilt für die Altersüberschuldung. In der Regel hat die Überschuldung jüngerer Menschen noch nicht die Intensität und das Volumen erreicht wie bei älteren Personengruppen. Die mittlere individuelle Schuldenhöhe beträgt 2020 27.600 Euro. Die Spannweite reicht nach überschlägigen Hochrechnungen allerdings von rund 43.600 Euro je erfasstem Überschuldungsfall bei den über 70-jährigen bis hin zu rund 7.700 Euro bei den unter 25-jährigen."

Für die Zukunft gelte: „Der Rückgang der Überschuldungszahlen in diesem Jahr zeigt zweierlei: Erstens haben die staatlichen Hilfsprogramme dazu beigetragen, dass die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte auch in der akuten Krise insgesamt stabil geblieben sind. Die private Konsumquote ist hingegen um 11,7 Prozent gefallen, während die Sparquote auf über 20 Prozent sprang. Zweitens vollzieht sich die individuelle Überschuldungsentwicklung nicht sprunghaft, sondern zeitlich versetzt über mittlere Zeiträume. Die stabilen und günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (z.B. Anstieg der Tarifverdienste) haben dazu beigetragen, dass die finanziellen Polster der allermeisten Verbraucher zur Bewältigung der ersten Krisenphase gut gefüllt waren.

Die Corona-Pandemie hat weiterhin deutlich negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage vieler Verbraucher in Deutschland, wie auch die Umfrageergebnisse der Creditreform Boniversum GmbH zeigen. Mitte Oktober 2020 sind noch 35 Prozent von Einkommenseinbußen betroffen, die auf Grund der Corona-Pandemie entstanden sind. Dies sind überschlägig hochgerechnet rund 14,7 Millionen Haushalte in Deutschland, die unmittelbar oder mittelbar unter Einkommensverlusten durch Kurzarbeit, den Verlust des Arbeitsplatzes oder die Nichtausübung der selbstständigen Tätigkeit leiden. Dabei ist die Betroffenheit bei „Geringverdienern“ (< 1.500 Euro Haushaltsnettoeinkommen) weiterhin stärker ausgeprägt als bei Normalverdienern oder Gutverdienern."

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