Stadt plant Kontaktverfolgung auszuweiten

Kommandeur der Bundeswehr besuchte die unterstützenden Soldaten

Die Corona-Kontaktverfolgung soll ausgeweitet werden (Symbolbild).
Die Corona-Kontaktverfolgung soll ausgeweitet werden (Symbolbild). Foto: Pixabay

Es war nur ein kurzer Besuch am frühen Mittwochnachmittag (11.11.2020), noch kürzer war das anschließende Pressegespräch, zu dem Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda geladen hatte und dabei den Bundeswehr-Kommandeur des Landeskommandos NRW, Torsten Gersdorf, begrüßen konnte. Gersdorf besuchte als Koordinator der zivilmilitärischen Zusammenarbeit die Stadt und holte sich ein Stimmungsbild von den Soldaten ein, die seit ein paar Wochen die Stadtverwaltung bei Abstrichen für Corona-Tests sowie der Kontaktnachverfolgung unterstützen. Vor Ort war auch die Leiterin des Fachbereichs Gesundheitsmanagement, Dr. Katrin Linthorst.

„Für uns ist solch ein Gespräch wichtig, um uns auszutauschen und Perspektiven aufzuzeigen, was noch in nächster Zeit auf uns zukommt“, sagte Frank Dudda und sprach ein großes Dankeschön an alle Beteiligten der Bundeswehr für ihre Unterstützung aus. „Wir haben die weitere Planung im Auge, müssen aber auch flexibel bleiben. Die Soldaten sollen sich wohlfühlen und mit uns weiter die Prozesse erarbeiten und zu verbessern.“ Da sich viele Bürger die Frage stellen würden, ob denn die Bundeswehr wirklich sein müsse, antwortete Dudda deutlich: „Ja, es muss sein.“ Es sei wie 2009 beim Hochwasser eine ähnlich schlimme Lage, nur sei der Feind dieses Mal unsichtbar.

Fest steht für ihn: „Die Kontaktnachverfolgung hätte ohne die zusätzliche Unterstützung nicht die benötigte Qualität.“ Daher plant die Stadt, die Personenanzahl der Kontaktverfolgung auszuweiten. Einmal mit weiteren Kräften der Bundeswehr, dazu extern eingestellte Mitarbeiter. Derzeit sind 35 Bundeswehrsoldaten in Herne im Einsatz, 15 kümmern sich in Dreierteams um Abstriche, 20 um die Nachverfolgung der Corona-Kontakte, berichtete Torsten Gersdorf über die beiden Hilfeanträge der Stadt.

„Mit den Mitarbeitern des Gesundheitsamtes arbeiten derzeit 60 Personen nur an der Kontaktverfolgung“, erläuterte Katrin Linthorst, die der Bundeswehr ebenfalls sehr für ihre Arbeit dankte. „Die Einarbeitung ist normalerweise aufwendig, doch wir sind mit den Kräften und deren Arbeit sehr zufrieden. Wir profitieren davon, dass manche schon im Kreis Gütersloh eingesetzt waren.“ Dort war Mitte des Jahres der Corona-Ausbruch bei der Fleischverarbeitung von Tönnies.

Infos zur 31. Herner Gesundheitswoche. Dr. Katrin Linthorst, Leiterin des Fachbereichs Gesundheitsmanagement.
Dr. Katrin Linthorst, Leiterin des Fachbereichs Gesundheitsmanagement, dankt der Bundeswehr für die Unterstützung. Foto: Thomas Schmidt, Stadt Herne

„Wir wissen, dass wir zur Unterstützung hier sind. Wir sind aber auch froh, dass wir so schnell reagieren konnten und die Resonanz so positiv ist“, zog Gersdorf ein erstes Fazit. Derzeit sei die Bundeswehr in NRW mit 48 Hilfeanträgen bei insgesamt 44 Gesundheitsämtern im Einsatz. „15.000 Kräfte sind dafür schon bereitgestellt und je nach Lage können das auch noch mehr werden. Eine Verschiebung in andere Städte ist daher ausgeschlossen“, sagte Gersdorf.

Oberbürgermeister Dudda hat derweil einen Wunsch: „Ich hoffe, dass wir die Inzidenzzahl wieder unter 50 bekommen, habe daran aber meine Zweifel. Das ist aber kein Grund zur Beunruhigung“, sagte er und fügte an: „Die Infektionszahlen werden vorerst vermutlich nicht mehr riesig ansteigen, aber auch nicht besonders fallen. Wir müssen mit dem Virus leben. Eine Hoffnung wäre, dass die Zahlen fallen, damit auch visuell etwas von der ganzen Arbeit sichtbar wird. Aber auch ohne sinkende Zahlen hat sich die Unterstützung der Bundeswehr schon gelohnt. Zusammengefasst kann man sagen, dass wir uns nicht in einem Katastrophenszenario befinden.“ Dies sei in manch einem Landkreis in Bayern, in dem ein einziges Krankenhaus in der Umgebung auch noch schließen müsste, deutlich schlimmer.

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