'Willkommen in Herne'

Zweite Auflage der Info-Broschüre für Schüler wird vorgestellt

1.800 Exemplare der Broschüre 'Willkommen in Herne' wurden verteilt.
1.800 Exemplare der Broschüre 'Willkommen in Herne' wurden verteilt. Foto: Julia Blesgen

Wenn man aus seinem Heimatland fliehen muss und in ein neues Land kommt, ohne jemanden zu kennen oder die Sprache zu sprechen, ist es schwer - für Erwachsene, aber ganz besonders auch für Kinder. Sie haben wahrscheinlich traumatische Erlebnisse hinter sich, und müssen sich nun im fremden Land in eine bestehende Schulgemeinschaft einfinden.

Um diesen Kindern den Schulstart zu erleichtern, hat der Fachbereich Schule und Weiterbildung der Stadt Herne die Broschüre Willkommen in Herne - Willkommen in deiner Schule heraus gebracht. Am Dienstag (29.9.2020) stellten Sebastian Straschischnik, vom Schulamt der Stadt Herne und Oya Baser, vom Bildungsbüro die zweite aktualisierte Auflage der Broschüre in der Hans-Tilkowski-Schule vor.

Die Broschüre ist auf Basis des Projektes Hallo in Bochum entstanden, das gemeinsam mit der Williy-Brandt-Gesamtschule und des Kinder-und Jugendrings Bochum entwickelt wurde. Viele Inhalte und Grafiken seien mit Genehmigung der Verantwortlichen auch in der Herner Broschüre verwendet worden. Hier geht es zur online Ausgabe.

Hilfe für das Leben in Deutschland

Die Infobroschüre richte sich an Grundschüler und Schüler der Sekundarstufe 1. „Sie enthält Arbeitsblätter, Bildmaterial oder auch Liedtexte. Darüber hinaus finden sich in ihr auch wichtige Infos für die Schüler und Eltern wieder. Es werden beispielsweise Straßenschilder erklärt, wichtige Telefonnummern angegeben, Straßenkarten sowie Busfahrrouten aufgezeigt", berichtete Straschischnik.

Das ganze Heft beruhe auf der Lebenswirklichkeit von den Neuschülern. „Wir möchten den Kindern eine Hilfe bieten, sich in der Schulgemeinschaft einfinden zu können. Aber es soll auch dabei helfen, auf den Alltag in Herne beziehungsweis ein Leben in Deutschland vorzubereiten. In der Broschüre finden sich bisher vier verschiedene Sprachen wieder. Neben Deutsch gibt es das Lernmaterial in Englisch, Arabisch und Rumänisch. Die Sprachen werden jeweils durch statistische Datenerhebungen festgelegt.

Sebastian Straschischnik und Oya Baser stellen die Broschüre vor.
Sebastian Straschischnik und Oya Baser stellen die Broschüre vor. Foto: Julia Blesgen

„Wir passen unsere Broschüre an die Bedürfnisse der Kinder an. Im Jahr 2017 haben wir das erste Infoheft herausgebracht und seit dem immer wieder Rücksprache mit den Schulen gehalten, sodass wir bei der neuen Ausgabe, die wir Ende 2019 veröffentlichten, einige Dinge anpassen und verändern konnten", so Oya Baser. „So bekamen wir zum Beispiel das Feedback, das einige der Infos zu umfangreich sind und nicht immer für Grundschüler geeignet sind. Das werden wir nun verändern."

Förderung des Spracherwerbes

„Die Kinder werden mit dem Heft und den Aufgaben nicht alleine gelassen. Die Inhalte werden im Unterricht bearbeitet und besprochen. Außerdem soll mit dem Heft der Erwerb der deutschen Sprache gefördert werden", erzählte Sebastian Straschischnik.

Die Infobroschüre wird bereits aktiv im Unterricht eingesetzt. Uta Schumacher, Lehrerin der Willkommensklasse der Hans-Tilkowski-Schule berichtete von ihren Erfahrungen. „Viele Schüler, die zu uns kommen, sind zunächst noch sprachlos für die deutsche Sprache. Aus diesem Grund ist das vorhandene Bildmaterial eine große Hilfe."

Durch das Heft arbeite man sich chronologisch. „Wir haben zunächst mit den Steckbriefen, Hobbys und Schulerklärungen angefangen, damit die Schüler ein Gefühl für die Sprache und das Schulsystem bekommen", so Uta Schumacher weiter.

Die Hans-Tilkowski-Schule habe zwei Vorbereitungsklassen mit insgesamt 45 Schülern. Diese Klassen sind für zwei Jahre angelegt. Danach sollen die Schüler „fit" für den Regelunterricht sein. „Wir unterteilen in zwei Gruppen. In der einen Gruppe sind Schüler, die noch gar kein Deutsch sprechen und in der anderen Gruppe sind Schüler mit Vorkenntnissen", so die Lehrerin der Willkommensklasse weiter.

Damit die Kinder möglichst schnell in den Regelbetrieb wechseln können und somit Teil der Klassengemeinschaften werden können, wird mit einem Hospitanzsystem gearbeitet. Hierbei nehmen die Schüler der Willkommensklasse zunächst an Unterrichtsfächern teil, wo sie nicht viele Sprachkenntnisse benötigen, wie Sport oder Kunst. Nach und nach werden die Fächer dann ausgebaut. Mit diesem System arbeite die Hans-Tilkowski-Schule schon seit bald 13 Jahren und es habe sich bewährt.

Insgesamt seien 1.800 Exemplare der Broschüre Willkommen in Herne - Willkommen in deiner Schule an den Schulen verteilt worden. Schulen, die noch mehr Hefte brauchen, können sich jederzeit an die städtischen Mitarbeiter wenden. Dazu gibt es das ganze Heft auch online abrufbar.

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