Ralf Piorr über Jüdisches Leben in Herne

Vortrag bei der islamischen Gemeinde

Historiker Ralf Piorr bei seinem Vortrag über Jüdisches Leben in der Islamischen Gemeinde.
Historiker Ralf Piorr bei seinem Vortrag über Jüdisches Leben in der Islamischen Gemeinde. Foto: Islamische Gemeinde

Der Historiker Ralf Piorr war am Donnerstag (9.9.2021) mit seinem Vortrag „Jüdisches Leben im Zentrum der Städte Herne und Wanne-Eickel“ bei der Islamischen Gemeinde zu Gast, heißt es in einer Mitteilung vom Dienstag (14.9.2021).

Dabei er wird er in der Mitteilung wie folgt zitiert: „In wenigen Monaten sind die demokratischen Strukturen, Gewerkschaften, Parteien und Kirchen zusammengebrochen. Die Passivität der Bevölkerung, die der Presse und der Polizei hat erst die Repressionen gegen Juden ermöglicht. Die Juden waren damals assimiliert. Sie waren Mitglieder deutscher Vereine und kultureller Einrichtungen, Mitglieder der politischen Parteien und sozialen Organisationen. Man verstand sich als deutsche Staatsangehörige jüdischen Glaubens. Man gab den Kindern deutsche Namen. Außer an hohen Feiertagen besuchten viele Juden die Synagoge nicht. Und trotzdem wurden sie deportiert, gefoltert und getötet.“

'Ähnlich wie früher'

Die Islamische Gemeinde schreibt dazu: „Viele Argumentationen bzw. Diskursführungen von damals ähneln denen von heute. Auch Taten zeigen gefährlich ähnliche Hergänge. Es waren erst die ,Asylantenheime' in Rostock-Lichtenhagen die in Brand gesteckt wurden. Die Täter waren nicht nur die Neonazis, auch tausende Schaulustige und Jugendliche aus der Gegend nahmen teil. Es hat auch nicht mit ,Asylantenheimen' aufgehört. Am 23. November 1992 in Möln und am 29. Mai 1993 in Solingen brannten mehrstöckige Häuser die von Migranten bewohnt wurden. Mehrere Menschen kamen ums Leben.“

„Der Brandanschlag von Solingen hat mich dazu bewegt zu untersuchen, woher der Hass kommt. So bin ich auch zu den Geschichten von Juden in Herne gekommen“, so Ralf Piorr.

Mit einem Zitat von Martin Niemöller, der ermahnte nicht wegzusehen, wenn Hass und Gewalt seinem Lauf nimmt, nahm der Vortrag sein Ende, schreibt die Islamische Gemeinde. Das Zitat lautete: „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Gewerkschaftler holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschaftler. Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude.“

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