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Neue Heimat für ein altes Stadtwappen: Mitglieder der Verkehrswacht W-E, Mondritter und die beiden Stifter des Wappens: 4. und 5. v.l. Frank und Ralf Scheffer.

Nun dreht es sich an der Jugendverkehrsschule

Neue Heimat für ein altes Stadtwappen

Als Herne noch Herne war, bekam die Stadt im Jahr 1954 steinerne Stadtwappen, die die Eingänge in die Stadt markierten. Abgesegnet vom damaligen Hauptausschuss – aus Gründen der Stadtwerbung – wurden davon rund zehn Stück nach Entwürfen des Herner Künstlers Hermann Gesing angefertigt und aufgestellt. Pro Stein kostete es damals die Stadt 470 DM. Als im Jahr 1975 die NRW-Gebietsreform den Zusammenschluss der Städte Wanne-Eickel und Herne vorgab, das Wappen und auch die Stadtgrenzen sich veränderten, verloren die Steine ihre eigentliche Funktion und verschwanden aus dem Blickwinkel.

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Nach nunmehr 47 Jahren sind jetzt vereinzelte Stein wieder aufgetaucht und über die Gruppe „Herne von damals bis heute“ dem digitalen Geschichtsbuch für Herne und Wanne-Eickel entstand ein Kontakt zu den Mondrittern. Ritter Horst Schröder: „Der Besitzer eines Stadtwappens fragte, ob wir Interesses an einem Stein hätten und versicherte uns, dass der Stein noch in einem guten Zustand sei. Daraufhin haben wir ihn uns angesehen, ihn für gut befunden und den Transport organisiert.“

Das alte Stadtwappen von Herne hatte 1975 ausgedient.

Ein möglicher Standpunkt war schnell gefunden: Das Gelände der neuen Jugendverkehrsschule. Die Mondritter nahmen Kontakt mit der Verkehrswacht Wanne-Eickel auf, die das Gelände betreut. Nachdem die Verantwortlichen ihre Zustimmung gegeben hatten, schritten die Ritter zur Tat und bereiteten den neuen Standplatz – eine gut sichtbare Ecke des Verkehrsübungsplatzes – vor.

Nach allen abgeschlossenen Arbeiten wurde das steinerne Wappen, das jetzt auf einem drehbaren Untersatz steht, am Donnerstag (1.12.2022) offiziell vorgestellt und Ritter Horst Schröder erzählt mit einem Augenzwinkern: „Im Vorfeld haben wir das Wappen zu einem Restaurator gebracht, da der Stein ja schön werden sollte, die Patina aber, die sollte erhalten bleiben." Und somit zog er das Tuch, das den Stein bis dahin verhüllte ab – aber das Wappen war fort. Ein kleiner Scherz am Rande, zeigte es doch die freie Rückseite des Steins.

Neue Heimat für ein altes Stadtwappen: im Bild v.l. die Brüder Frank und Ralf Scheffer, Gerd Herzog, Volker Lange und Horst Schröder.

Das damalige Herner Stadtwappen ziert nach wie vor eine Seite des Steins. Allerdings haben sich die Mondritter ein kleines Gimmick einfallen lassen und ein Wappen der Stadt Wanne-Eickel anfertigen lassen, das nun die leere Seite des Steins ziert. Schröder dazu: „Wir haben den Platz sozusagen verdoppelt: Die Kids können nun, da der Stein ja drehbar ist, in Wanne-Eickel und in Herne die Verkehrsregeln üben.“

Auch Stadtarchivar Jürgen Hagen findet die Idee großartig: „Hier haben wir jetzt doch ein Stück Stadtgeschichte, das im öffentlichen Raum steht, was greifbar ist und was sicherlich auch die Kinder, die hier üben, neugierig macht.“ Sein Tipp ist allerdings: „Sie sollten sich den Stein doch lieber anschauen, bevor sie das Fahren üben, denn es gibt einen Bericht aus dem Jahr 1971, darin steht, dass ein Stein, der an der Stadtgrenze zu Bochum stand von einem Autofahrer umgefahren wurde und ersetzt werden musste.“

Schüler der Laurentiusschule schauen sich das Stadtwappen am neuen Standort an.

Möglich gemacht haben dies alles die Brüder Ralf und Frank Scheffer, die bei dem Termin am Donnerstag auch anwesend waren. Sie erzählen: „Unser Vater war technischer Angestellter bei der Stadt Herne und als die Steine abmontiert wurden und alle auf einem Schuttberg lagen, da dachte er sich, dass es zu schade sei, die Steine zu zerschreddern. Also hat er sich den besten ausgesucht, der fortan in unserem Garten stand.“ Dort stand er lange und gut. Als der Vater starb und das Haus verkauft wurde, wollten die Brüder, dass der Stein eine dauerhafte Bleibe bekommt, begaben sich in die Gruppe 'Herne von damals bis heute' und nahmen Kontakt zu den Mondrittern auf.

| Autor: Carola Quickels