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Kim Vanessa Ramme zeigt wie eine Schlüsselloch-OP aussehen kann.

Berufsbildungsmesse gibt Einblick in die Gesundheitsbranche

'Lanze für die Pflege brechen'

Reges Treiben herrscht am Dienstag (16.5.2023) in den Räumen von Herne.Business am Westring. Denn dort findet die Azubimesse Gesundheitsbranche statt. Rund 250 interessierte Jugendliche haben sich auf den Weg gemacht, um von 21 Ausbildungsbetrieben wie auch Hoch- und Berufsfachschulen zu erfahren, wie ein zukünftiger Job in der Pflege aussehen könnte.

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„Wir müssen eine Lanze für die Pflege brechen. Sie hat einen besonderen Stellenwert in unserer Gesellschaft - jetzt und in der Zukunft", macht Frank Neukirchen-Füsers, Vorsitzender Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Bochum, zu der auch Herne gehört, deutlich. „Dieser Berufszweig ist ein sicherer Wachstumsmarkt. Die durchschnittliche Entlohnung von Fachkräften liegt bei 3.700 Euro. Es ist also nicht mehr so, dass diese Berufe schlecht bezahlt werden."

'Herausforderung im Pflegesektor'

Ähnlich sieht es auch Hernes Sozialdezernentin, Stephanie Jordan: „Es ist großartig zu sehen, dass so viele junge Menschen gekommen sind. Denn wir stehen mit dem Fachkräftemangel vor einer großen Herausforderung im Pflegesektor."

Zur Azubimesse in der Gesundheitsbranche kamen viele Interssierte.

Dennoch habe sich nach Angaben der Arbeitsagentur die Zahl der Beschäftigten in der Pflegebranche erhöht. So arbeiten derzeit 5.352 Menschen in Herne in der Pflege, dies seien 1.000 Personen mehr als in den vergangenen fünf Jahren.

Selbst ausprobieren steht im Vordergrund

Um noch mehr junge Menschen für diesen Berufszweig zu begeistern, setzen die Aussteller in diesem Jahr auf das Ausprobieren. An zahlreichen Ständen können die Jugendlichen direkt selbst austesten, ob der Beruf etwas für sie ist. So können sie beispielsweise an einem künstlichen Arm Blut abnehmen oder auch schauen, wie eine Schlüsselloch-OP funktioniert.

Melissa Kork informierte die Jugendlichen wie es Frühgeburten medizinisch versorgt werden.

Am Stand von Kim Vanessa Ramme, Operationstechnische Assistentin und Dozentin bei der St. Elisabeth Gruppe, ist es mächtig voll. Viele Jugendliche wollen hier ausprobieren, wie eine laparoskopische Operation ablaufen kann. Dazu „operieren“ sie mithilfe der laparoskopischen Instrumente Gummibärchen aus einem Kunstbauch.

„Wir möchten den Jugendlichen einen möglichst realistischen Einblick liefern. Dazu ist es schon mal toll für sie, wenn sie mit den Instrumenten arbeiten können. Wir haben bisher sehr positive Rückmeldungen erhalten", sagt Kim Vanessa Ramme.

Einblick in die intensivmedizinische Versorgung

Ähnlich voll ist es vor dem Stand von Melissa Kork, ebenfalls von der St. Elisabeth Gruppe. Hier konnten die Jugendlichen einen Einblick über die intensivmedizinische Versorgung von Frühgeborenen bekommen. "Es ist toll, hier zu sein. Ich bin zum ersten Mal als Ausstellerin bei solch einer Messe. Die Jugendlichen sind sehr interessiert und stellen viele Fragen. Wir möchten ihnen einen Einblick geben. Da ist Ausprobieren selbst sehr wichtig", erläutert Kork. So können sie im Brutkasten beispielsweise versuchen, einen Neugeborenen-Dummy zu wickeln.

Die Jugendlichen konnten üben wie es funktioniert, ein Frühgeborenes in einem Brutkasten zu wickeln.

Thomas Saponjac, Leiter des Jobcenters Herne, sieht diese Begeisterung bei den Jugendlichen. „Es ist ein echtes Interesse bei den Jugendlichen da. Sie wollen nicht nur einen Tag schulfrei genießen, sondern wollen sich wirklich über die Berufe informieren", so Saponjac.

Pepper, der Publikumsmagnet

Ebenso voll ist es am Stand der Altenhilfe der Diakonie Ruhr. Dort erwartet die Besucher nämlich der Roboter Pepper - ein wahrer Publikumsmagnet. Der 1,20 Meter große Roboter mit einem Tablet vor der Brust und beweglichen Gelenken sowie Rumpf begleitet Pflegende in Senioreneinrichtungen und schenkt den Bewohnern ein bisschen Freude.

„Pepper ersetzt natürlich keine Pflegekräfte. Er kann die Hand geben oder auch Senioren zu kleinen Gymnastikeinheiten animieren. Weiterhin können sie Spiele mit ihm spielen oder auch Redewendungen, die er vorspricht, vervollständigen", erläutert Robert Hirten vom evangelischen Ausbildungsverbund, mit dem auch die Diakonie Ruhr kooperiert.

'Könnte mir vorstellen in der Pflege zu arbeiten'

Ferner zeigen sich ebenso die jungen Besucher begeistert von der Messe. Der 15-jährige Jaden könnte sich sogar vorstellen, im Bereich Pflege zu arbeiten. „Viele meiner Verwandten arbeiten in medizinischen Berufen. Ich könnte mir das nun auch vorstellen. Es ist eine sehr herzliche Atmosphäre hier. Wir können viele Fragen stellen. Die Aussteller sind sehr geduldig, wir bekommen ausführliche Antworten", so Jaden.

Die ebenfalls 15-jährige Emma hat sich zunächst erstmal etwas umgesehen: „Mir gefällt es sehr gut. Ich hab erst mal geschaut, was es alles so gibt. Aber das Ausprobieren finde ich sehr gut, denn so kann man nachfühlen, wie bestimmte berufliche Abläufe später sein könnten."

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Für Dr. Dirk Drenk, Geschäftsführer von Herne.Business, steht jedenfalls abschließend fest: „Wir sind immer wieder gerne Gastgeber von solchen Berufsbildungsmessen. Wir müssen gemeinsam den Fachkräftemangel angehen und Interesse bei den Jugendlichen wecken."

Roboter Pepper, ein Helfer für Pflegekräfte, war ein Hingucker auf der Messe.
Mittwoch, 17. Mai 2023 | Autor: Julia Blesgen