Kindertagesstätte ohne Kinder

Erfahrungsbericht aus der Kita St. Laurentius

Raupe Lorenz aus der Kita St. Laurentius mit bunten Steinen.
Raupe Lorenz aus der Kita St. Laurentius mit bunten Steinen. Foto: Kita St. Laurentius

Am 13. März 2020 kam die Nachricht, dass alle Kitas geschlossen werden müssen. Nachdem sofort die Eltern darüber informiert und aufgefordert wurden, ihre Kinder abzuholen, begann sie, die „etwas andere Zeit“, wie es die Leiterin der katholischen Kita St. Laurentius in Herne-Wanne, Steffy Schwarz, beschreibt. Es begann die Kiaa ohne Kinder.

Zurzeit sei es dort stiller als gewohnt. Aus den Gruppenräumen sind nur ganz vereinzelt Geräusche wie lachen, singen, klatschen usw. zu hören. Für die meisten Kinder bleibt die Kita derzeit, entsprechend der gesetzlichen Vorgaben, geschlossen.

Die Erzieher haben den unfreiwilligen Freiraum genutzt um jährlich anfallende Komplettreinigungen von Spielmaterialien und Mobiliar zu erledigen, jegliche Räumlichkeiten zu säubern und aufzuräumen, inklusive dem Außengelände, alle Vorbereitungen für die Entlassung der kommenden Schulkinder zu treffen, Schutzkonzepte zu überarbeiten und fertigzustellen, Online Fortbildungsangebote zu nutzen und vieles mehr.

Die „angeordnete Zwangspause“ hat Raum geschaffen für Dinge, für die im Lärm des Alltags kaum oder wesentlich weniger Zeit zur Verfügung steht. Allerdings ist für alle Mitarbeiter klar, so sinnvoll sie die gegenwärtige Zeit auch nutzen, ihnen fehlt der tägliche Kontakt zu den Kindern.

Um mit den Kindern und ihren Familien im Austausch zu bleiben, wurden täglich E-Mails mit „Ideen für den Tag“. zum Beispiel Mal- und Gestaltungsangebote, kleine Yoga-Einheiten, die Rezepte der Lieblingsgerichte aus unserem Speiseplan nach kochen, wie stelle ich Knete selber her, was passiert mit Gummibärchen wenn ich sie in Essig lege oder Texte der beliebten Lieder der Einrichtung gemeinsamen Singen verschickt.

Des Weiteren wurden die Kinder aufgefordert gemeinsam einen Freund für unser Kita-Logo „Laurenz“ zu gestalten. Hier sollte jedes Kind einen Stein bemalen und diesen auf der Fensterbank ablegen, sodass am Ende eine weitere Raupe entsteht und somit unser Laurenz nicht mehr allein in der Einrichtung ist und ab jetzt auch einen Freund hat.

Damit alle Kinder und Eltern „miterleben“ können, wie der Alltag in den Gruppen jetzt aussieht, wurden kleine Filme gedreht, in denen Laurenz erzählt, wie und warum sich manche Dinge in den Gruppen verändert haben. Auch unseren monatlich stattfindenden Geburtstagsgottesdienst haben wir in Form eines kleinen Videos an die Familien verschickt. Den Kindern, die in dieser Kita-freien Zeit Geburtstag haben, übermitteln wir die Glückwünsche und Grüße, verbunden mit einem kleinen Geschenk, postalisch.

"Um allen Kindern in dieser besonderen Zeit eine Freude zu machen und ihnen zu zeigen, dass wir an sie denken, hat jedes Kind ein Bilderbuch mit einem persönlichen Text der Erzieherin geschenkt bekommen. Einige haben wir persönlich angetroffen und da die Wiedersehensfreude auf beiden Seiten sehr groß war, fiel das Abstand halten hier oft doppelt schwer. Da wir alle nicht genau wissen, wie lange diese Situation noch anhält, werden wir uns weitere Aktionen überlegen um mit allen Kindern und ihren Familien in Kontakt zu bleiben und hoffen inständig, dass wir uns in naher Zukunft alle gesund wiedersehen und wieder miteinander singen, lachen, klatschen, springen, toben und vieles mehr können", schließt Steffy Schwarz ab.

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